Ägyptologe Zahi Hawass wurde zur Zwangsarbeit verurteilt - und gerettet
Kairo/Wien - Ohne ihn scheint es nicht zu gehen, aber immer mehr Ägypter
wollen auch nicht mehr mit ihm: Zahi Hawass, Ägyptologe und Antikenminister vor
und nach Mubarak, bei dessen Beschreibung das Wort "medienorientiert" selten
fehlt, ist zu einem Jahr Zwangsarbeit verurteilt worden - was im neuen Ägypten
kein Hinderungsgrund für die Ausübung eines Ministeramts ist. Wobei die
rechtliche Lage einigermaßen konfus ist: Hawass legte Berufung ein, gleichzeitig
wurde das Urteil ohne Neuverhandlung suspendiert.
Ein Strafgericht hatte Hawass (63) wegen der Missachtung eines früheren
Urteils - dabei ging es um einen Pachtvertrag, den Hawass widerrechtlich
aufgelöst hatte - verurteilt. Es ist aber bei weitem nicht das einzige Ungemach,
das Hawass im Moment verfolgt: Mehrere Beamte in der Antikenverwaltung legten
der Staatsanwaltschaft bereits im März eine Dokumentation vor, die beweisen
soll, dass er Antikendiebstahl verschleiert und öffentliche Gelder missbraucht
hat, meldete die Tageszeiting al-Masry al-Youm. Allerdings wurde Zahi
Hawass erst nach dem Lautwerden der Vorwürfe wieder als Minister bestätigt.
Das ärgerte in Ägypten viele - die Hawass auch dafür verantwortlich machen,
dass das Ägyptische Museum in Kairo während der Unruhen nicht besser geschützt
und so Plünderungen preisgegeben war. Wegen einer anderen, einigermaßen
skurrilen Sache gibt es jetzt eine Facebook-Unterschriftenaktion gegen ihn:
Hawass wird beschuldigt, im Umgang mit Altertümern ägyptische Gesetze verletzt
zu haben. Eine mit seinem Namen vom Label Art Zulu kreierte Männermodelinie
wurde nämlich mit Fotos beworben, die zumindest dem ersten Eindruck nach vor
ägyptologischen Objekten geschossen wurden.
Medien spekulierten sogar, dass das Mode-Shooting im Ägyptischen Museum
stattgefunden habe - was einer Schändung gleichkäme. Das stimmt nicht: Es war in
New York, in der King-Tut-Ausstellung, und angeblich vor Kopien. Hawass selbst
war nicht dabei. Viele Ägypter sehen jedoch den genialen Selbstvermarkter als
Ideenspender am Werk.
Zur Modelinie gehört Zahi Hawass' berühmter Archäologen-Schlapphut, den man
auch am Flughafen in Kairo erwerben kann: Zumindest Anfang April noch mit dem
Hinweis, dass ein Teil der Einnahmen in die Suzanne-Mubarak-Stiftung fließe. (Gudrun Harrer/ DER STANDARD, Printausgabe, 21.4.2011)