"Noch sind wir in der Pole-Position"

20. April 2011, 17:36
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Markus Kraetschmer wird die Fans für das beim 0:4-Debakel im Cup gegen die Lustenauer Austria erlittene Ungemach entschädigen

Wien - Nach der unerquicklichen Vorstellung der Austria gegen den Namensvetter aus Lustenau, der diese schamlos ausnützte und rechtschaffen ins Halbfinale des Fußballcups einzog, drängt sich eine Frage geradezu auf. Ob er, Markus Kraetschmer, ausschließe, dass irgendwo in Asien wahnsinnig hohe Beträge auf ein 4:0 für Austria Lustenau gesetzt worden seien? "Auch wenn das provokativ ist, müssen wir uns dieser Frage dieser Tage leider stellen", antwortet der Finanz-Vorstand der Wiener, "aber ich schließe es kategorisch aus. Wenn dem so wäre, müsste ich mich in sehr vielen Menschen sehr getäuscht haben. Die Lustenauer haben die Geschenke, die wir ihnen gemacht haben, angenommen. Das ist ja auch nicht immer so."

Für Kraetschmer, der seit 1997 für die Austria werkt, ist das der größte Tiefpunkt, an den er sich erinnern kann. "Aber nicht, weil wir 0:4 verloren haben, sondern weil das Wie so schlimm war. Alle haben sich dem Schicksal ergeben, keiner hat sich aufgebäumt." Die Woche der Enttäuschung hatte am Samstag mit dem 0:1 in der Meisterschaft gegen Mattersburg begonnen. Und nun ist der Cup für den diesbezüglichen Rekordsieger (27 Erfolge, zuletzt 2009) Geschichte.

Keine Personaldiskussionen

Kraetschmer: "Aber bei allem Schock muss man doch sagen: Wir sind immer noch in der Pole-Position." Und die Antwort auf die Krise müsse man am Sonntag beim Auswärtsspiel in Ried geben. "Ried ist heimstark, dort kann man auch verlieren. Aber es kommt darauf an, wie man verliert." Über das Personal wird nicht diskutiert, nicht über Trainer Karl Daxbacher ("Wir sind mit seiner Arbeit bisher sehr zufrieden"), nicht über die Kicker ("Sie hatten Tränen in den Augen"). Daxbacher nach der Partie: "Das war beschämend und einer Austria unwürdig. Ich kann mich nur bei allen Fans für diese indiskutable Leistung entschuldigen." Sportchef Thomas Parits: "Immerhin hat exakt die selbe Truppe vor wenigen Wochen noch die Gegner schwindlig gespielt. Mit dieser Gewissheit im Hinterkopf müssen wir an dieser schwierigen Situation reifen."

Und Kraetschmer kündigte an, die Fans für das erlittene Ungemach zu entschädigen. Das Geld könne man zwar nicht so einfach zurückgeben, schließlich sind die Einnahmen mit Austria Lustenau zu teilen, "und die kann ja wirklich nichts dafür. Aber wir werden uns für unsere Fans etwas überlegen, Freikarten sind möglich, auch eine finanzielle Entschädigung. "

Das Aus tut naturgemäß auch wirtschaftlich nicht gut. "Viele waren bisher vom Weg der Austria begeistert", sagt Kraetschmer. "Wir haben am Dienstag Gäste im Stadion gehabt, die sich ein Sponsoring überlegen. Und das war nicht unbedingt eine Werbung. Ich kann heute schwer nachstoßen und fragen: Wollen Sie dieses großartige Team unterstützen?" (Benno Zelsacher, DER STANDARD Printausgabe 21.04.2011)

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    Finanzvorstand Kraetschmer will sich für die Fans eine Wiedergutmachung einfallen lassen.

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