Nationalbank warnt Banken vor Bruder Leichtsinn

20. April 2011, 16:58
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Die heimischen Banken schütten fleißig Gewinne an. Um im Falle einer weiteren Krise besser gewappnet zu sein, sollten sie aber größere "Risikopuffer" bilden, fordert OeNB-Direktor Andreas Ittner

Wien - Auf den ersten Blick scheint alles wieder in Ordnung zu sein. Die Gewinne der heimischen Banken sprudeln wieder. Inklusive der Auslandstöchter wurde 2010 vom Bankensektor ein Jahresergebnis von 4,58 Milliarden Euro eingefahren - um stolze drei Milliarden mehr als noch im Jahr 2009.

Dennoch warnt die Nationalbank (OeNB) vor zu viel Euphorie. Die "Puffer" gegen heimische und ausländische Risiken müssten gestärkt werden, forderte OeNB-Direktor Andreas Ittner am Mittwoch. Indirekt ließ er auch Kritik an der Ausschüttungspolitik von so manchem Großinstitut durchklingen. Die Notenbank sei der Ansicht, dass ein möglichst großer Teil der Erträge in die Stärkung des Eigenkapitals fließen solle, meinte Ittner. Bei der Kapitalausstattung liegen die heimischen Banken nämlich noch immer unter dem internationalen Durchschnitt.

Dazu kommen Risiken in anderen Bereichen: Zwar steuern die Töchter in Osteuropa 60 Prozent der Gewinne bei, gleichzeitig gibt es dort aber auch doppelt so hohe Wertberichtigungsquoten (6,5 Prozent der vergebenen Kredite) als in Österreich, meinte Ittner. Der Höhepunkt bei den faulen Krediten werde erst 2011 erwartet. Ein weiterer Risikofaktor ist, dass die Großbanken die Hälfte der Kredite in Osteuropa in Fremdwährungen vergeben haben und ein Drittel des Engagements auf Länder mit "erhöhtem Risikoprofil" entfällt.

Angesichts dieser Unsicherheiten dürfe man nicht zu "alten Wachstumsmodellen" ohne entsprechende Risikopolster zurückkehren, warnt Ittner. Konkrete Empfehlungen nationaler Aufseher wie in der Schweiz oder in England gibt es aber nicht. Den Banken sei durchaus bewusst, dass das Niveau von Mindestkapitalquoten nicht ausreiche, um sich günstig refinanzieren zu können. Man sei auch gerade in Gesprächen mit den Instituten, wie sich diese die weitere Refinanzierung vorstellen.

Die Notenbank geht weiter davon aus, dass die heimischen Banken bis zum Jahr 2019 wegen verschärfter regulatorischer Rahmenbedingungen rund 19 Milliarden Euro an zusätzlichem Eigenkapital brauchen werden.

Zusammenlegung von Prüfern

Der Rechnungshof stellte der Finanzmarktaufsicht (FMA) am Mittwoch in einer Folgeprüfung ein gutes Zeugnis aus. Von 18 Empfehlungen aus dem letzten Bericht wurden 13 vollständig und vier teilweise umgesetzt. Offen ist die Einführung von Modellen mit externem Rotationscharakter bei Bankprüfern. Nicht verwirklicht ist auch die organisatorische Zusammenlegung der beiden Bankenaufsichtsbereiche der FMA und der Nationalbank. (Günther Oswald, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.4.2011)

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    Die Banken dürften nicht zu "alten Wachstumsmodellen" zurückkehren, sagt Notenbank-Direktor Andreas Ittner.

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