Heftige Feuergefechte in Abidjan - Milizen des Ex-Machthabers wollen nicht aufgeben
Abidjan - Beim Versuch, die verbliebenen Milizen des ivorischen
Ex-Präsidenten Laurent Gbagbo aus ihren Hochburgen in der Metropole Abidjan zu
vertreiben, stoßen die Streitkräfte von Staatschef Alassane Ouattara offenbar
auf heftigen Widerstand. Bewohner des Bezirks Yopougon berichteten am Mittwoch
von schweren Feuergefechten in einigen Gebieten des Bezirks, in denen die
Milizen immer noch aktiv seien. Die Feuergefechte und Explosionen waren auch in
anderen Teilen der Millionenstadt zu hören. Zahlreiche Einwohner flüchteten vor
den Gefechten in andere Stadtteile.
Seit der Festnahme Gbagbos am 11. April gelingt es der neuen Regierung von
Präsident Ouattara nur schleppend, die Ordnung in Abidjan und dem Rest des
Landes wiederherzustellen. Versuche der Regierung, die Milizen mit
Schutzzusicherungen zur Abgabe ihrer Waffen zu bringen, verliefen bisher
erfolglos, wie ein Vertreter des Verteidigungsministeriums sagte. Bereits am
Vorabend hatte die Regierung eingeräumt, dass einige Gbagbo-treue "Milizionäre
und Söldner" in Abidjan aktiv seien, insbesondere in Yopougon. In Abidjan hat
die große Mehrheit der Gbagbo-treuen Beamtenschaft den Appell des neuen
Präsidenten ignoriert und die Wiederaufnahme der Arbeit verweigert.
Besuchserlaubnis gefordert
Fünf Juristen, unter ihnen der französische Ex-Außenminister Roland Dumas,
haben am Montag von Ouattara eine Besuchserlaubnis bei Gbagbo gefordert. Dem
Advokaten-Kollektiv gehört auch der Star-Anwalt Jacques Vergès an. Nach Aussagen
der Anwälte und von Gbagbo-Anhängern wurde der Ex-Präsident nicht von
Ouattara-Truppen, sondern von Mitgliedern der französischen Spezialeinheit
"Licorne" festgenommen.
Ouattara hatte die Präsidenten-Stichwahl im November vorigen Jahres nach
Feststellung der unabhängigen Wahlkommission mit 54,1 Prozent der Stimmen
gewonnen. Das von Gbagbo-Gefolgsleuten dominierte Verfassungsgericht rief jedoch
den bisherigen Amtsinhaber zum Sieger aus, nachdem rund eine halbe Million
Stimmen mit der Begründung annulliert worden war, dass in den Hochburgen
Ouattaras im überwiegend muslimischen Norden Anhänger Gbagbos an der Stimmabgabe
gehindert worden seien. (APA)