Hörschäden selbst vorausberechnen

Mit einer gratis Software im Internet lassen sich die Folgen von Freizeit- und Arbeitslärm berechnen

Berlin - Seit Jahren sinkt die Zahl angezeigter Gehörschäden durch Lärmbelastung am Arbeitsplatz, gleichzeitig klagen Ärzte und Arbeitgeber über einen deutlichen Anstieg lärmschwerhöriger Berufsanfänger. Der Grund: Hohe Lärmpegel in der Freizeit durch Musikhören über MP3-Player und durch Diskobesuche. Dass ein nur zweistündiger Diskobesuch am Wochenende einen bis zu zehnmal höheren Anteil am Entstehen eines späteren Gehörschadens haben kann als eine komplette Arbeitswoche im Lärm, zeigt ein einfacher Lärmbelastungsrechner, den das Institut für Arbeitsschutz (IFA) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung kostenlos im Internet anbietet.

MP3-Player und Konzerte

"Der Grundstein für gravierende Hörschäden im Alter wird in der Jugend gelegt", sagt Martin Liedtke, Lärmschutzexperte des IFA. Sein Lärmbelastungsrechner und der Lärmverlust-Demonstrator des University College London seien geeignete Instrumente, um für dieses wichtige Thema zu sensibilisieren und für einen maßvollen Umgang mit Freizeitlärm zu werben.

Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene können sich damit darstellen lassen, wo die Schwerpunkte ihrer individuellen Lärmbelastung liegen und wann sich aus dieser Belastung möglicherweise ein Hörverlust entwickelt. Zusätzlich veranschaulichen Musik- und Sprachbeispiele, wie sich dieser Hörverlust tatsächlich einmal anhören könnte.

Am Arbeitsplatz ist der Schutz des Gehörs vor schädlicher Lärmeinwirkung klar geregelt: Schon ab einem Lärmpegel von 85 dB(A) müssen Beschäftigte Gehörschutz tragen und an regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen. Zum Vergleich der Freizeitlärm, für den solche Regelungen fehlen: Der MP3-Player schafft es auf 90 dB(A) - vor allem, wenn er bei Hintergrundgeräuschen wie in der U-Bahn aufgedreht wird. Ein Livekonzert oder ein Diskobesuch bringt es gar auf über 100 dB(A). Auch wenige Dezibel mehr machen einen großen Unterschied aus: Ein Plus von 3dB wird vom Menschen zwar kaum wahrgenommen, tatsächlich bedeuten aber nur 3dB mehr bereits eine Verdopplung der Schallenergie. (red)

Lärmbelastungsrechner zum Download

www.dguv.de
Webcode: d113946

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