Die Underdogs am US-Aktienmarkt

20. April 2011, 17:20
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Nick Thompson setzt in seinem Portfolio auf Gesundheits- und Finanztitel. Aktien seien insgesamt günstig bewertet

Nick Thompson setzt in seinem Portfolio auf Gesundheits- und Finanztitel. Aktien seien insgesamt günstig bewertet. Die politische Unsicherheit hat laut dem Fondsmanager von Janus zusätzliche Chancen eröffnet.

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In den USA haben in den vergangenen zwei Jahren politische Vorhaben die Geschäftswelt in Atem gehalten. Die Gesundheitsreform hat 30 Millionen weiteren Amerikanern eine Gesundheitsversicherung beschert, und mit dem Dodd-Frank-Act wurde die größte Neuordnung des Finanzsystems angestoßen. In beiden Bereichen ortet Nick Thompson, US-Aktienfondsmanager bei Janus Capital, Potenzial: "Wir sind in beiden Sektoren stark gewichtet."

Dabei schafft die ungute Stimmung angesichts der unklaren politischen Schlagrichtung für die beiden Sektoren auch Möglichkeiten. "Wir denken, dass die Märkte den Sektor derzeit deutlich zu stark abstrafen. Auch wenn aus Washington weitere Unsicherheit kommt, sollten viele Unternehmen weiter ihr Geschäft machen können", sagt Thompson. So würden etwa jene Unternehmen, die im Vertrieb von Medikamenten tätig seien, kaum von der Reform betroffen sein, dennoch hatten deren Aktien zuletzt gelitten.

Fundamentales im Fokus

Ähnlich gebe es auch im Bankensektor politikinduzierte Aufschläge zwischen Aktien, die nicht gerechtfertigt seien, glaubt Thompson: "Morgan Stanley und Goldman Sachs haben ein relativ ähnliches Geschäftsmodell, doch Goldman wird mit 1,6-fachem Buchwert gehandelt, Morgan Stanley nur mit dem Buchwert."

Insgesamt erwartet der Fondsmanager in den kommenden Monaten eine Normalisierung der Aktienmärkte in den USA. Eine "Müll-Rallye", also starke Performance von Unternehmen mit hohem Schuldenstand und niedrigen Gewinnzahlen, werde es nicht geben. "Die volatile 'Risk-on-risk-off'-Bewegung wird der Vergangenheit angehören. In den nächsten Jahren werden wieder Fundamentaldaten zählen." Dabei sei der Markt insgesamt angesichts der hohen Unternehmensgewinne nicht teuer bewertet. Zudem befinde sich die US-Wirtschaft in einer - wenn auch langsameren - Erholungsphase.

(Nicht-)Nachhaltige Margen

Doch die rekordhohen Margen, die zuletzt die US-Aktien angeheizt haben, dürften nicht mehr lange halten. Denn sie seien bei vielen Unternehmen nur durch temporäre Kostensenkungen erreicht worden. Im Gesamtmarkt sei die Margenentwicklung "nicht nachhaltig", warnt Thompson. Zudem würde die Rohstoffinflation vielen Unternehmen zu schaffen machen. "Die Rekordmargen können von denjenigen Unternehmen gehalten werden, die ihre Kostenstruktur nachhaltig verändern konnten", betont der Janus-Fondsmanager. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.4.2011)

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    Der politische Konflikt um die Gesundheitsreform bietet an den Börsen Möglichkeiten.

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