Gefahr bei Brand

Feuer am Dach - bei Photovoltaikanlagen

Bianca Blei, 21. April 2011, 06:58
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    foto: apa/rubra

    Bei jedem Brandeinsatz ist die Feuerwehr mit Gefahren konfrontiert. Ob es bei Brandobjekten mit PV-Anlagen besondere Gefahren gibt, soll ein Ausschuss des Bundesfeuerwehrverbands klären.

Der Bundesfeuerwehrverband soll feststellen, welche Gefahren wirklich durch Photovoltaikanlagen drohen - Nicht viele, laut Photovoltaik Austria

Bei einem Brand eines Hauses mit Photovoltaikanlage (PV-Anlage), lassen die Feuerwehren das Gebäude kontrolliert abbrennen. Das suggerierten viele Medienberichte im vergangenen Jahr vor allem in Deutschland. Kein Einsatzleiter könne es verantworten, seine Mannschaft in solch ein Brandobjekt zu schicken. Der Grund: Eine Photovoltaikanlage ließe sich vor allem bei Tageslicht nicht komplett spannungsfrei schalten. Die Einsatzkräfte wären einer ständigen Gefahr durch Strom ausgesetzt.

Der Präsident des Interessenverbands Photovoltaik Austria, Hans Kronberger, widerspricht den Medienberichten nicht nur, sondern nennt sie in einer Aussendung sogar "Zeitungsenten". Die Falschmeldungen wären nichts anderes, als eine Möglichkeit für Zeitungen und TV-Stationen das nachrichtliche Sommerloch zu füllen. "Wenn Feuerwehren Häuser mit Spannungen von bis zu einem Kilovolt abbrennen lassen müssten, dann dürften sie auch keine Trafos löschen", sagt Kronberger.

"Machen wir auch nicht", erwidert Martin Mittnecker vom Burgenländischen Landesfeuerwehrverband. Immerhin sei ein Trafo in einem Häuschen untergebracht. Die Aufgabe der Feuerwehr sei es nur, eine Brandausbreitung zu verhindern. Die Medienberichte seien aber trotzdem überzeichnet. "Wir dürfen von Gesetzes wegen keine Wohnhäuser einfach abbrennen lassen", sagt Mittnecker. Trotzdem gebe es Gefahren für die Feuerwehren bei Brandeinsätzen mit PV-Anlagen.

Ausschuss des ÖBFV

Um diese Gefahren zu erheben und anschließend einzugrenzen oder sogar zu beseitigen, hat der Österreichische Bundesfeuerwehrverband einen Ausschuss einberufen. Martin Mittnecker hat den Vorsitz inne. Mit ihm nehmen sich noch spezialisierte Feuerwehrmitglieder und Vertreter der Brandverhütungsstellen der Thematik Photovoltaik an. Die Mitglieder sind alle im Elektronikbereich tätig, nur Mittnecker selbst ist Hochbautechniker. 

Prinzipiell könne laut dem Ausschussvorsitzenden mit den üblichen Gefahren bei Einsätzen mit PV-Anlagen aber umgegangen werden. So hieß es im vergangenen Jahr, dass vor allem durch herabstürzende PV-Module, eine Gefährdung der Einsatzkräfte bestünde. "Das ist aber bei jedem Brandeinsatz der Fall", sagt Mittnecker. "Damit müssen wir umgehen können und weitreichend absperren." Außerdem sei bei den Löscharbeiten immer die Größe der PV-Anlage ausschlaggebend. "Ein paar Quadratmeter auf dem Dach eines Einfamilienhauses lassen sich sicher löschen", so Mittnecker. Anders schaue es aber bei einer Verbauung der Fassade aus.

Verbindungsdrähte würden schmelzen

Für ein Beispiel geht Mittnecker vom Extremfall aus: "Sagen wir, es brennt ein großes Gebäude, bei dem eine Fassadenseite komplett mit PV-Modulen verbaut ist. Wenn man dort eine Menschenrettung mit einer Drehleiter durchführt, dann können die Einsatzkräfte den Sicherheitsabstand von fünf Metern nicht mehr einhalten und laufen Gefahr, in den Stromkreis zu geraten." Und immerhin würden solche Anlagen bis zu 1.000 Volt Gleichspannung produzieren. 

Dem hält Kronberger von Photovoltaik Austria entgegen, dass die Verbindungsdrähte zwischen den Modulen nur einer Hitze von etwa 200 Grad Celsius standhalten könnten, "dann schmelzen sie einfach und die Anlage wäre spannungsfrei". Beruhigend ist das für Mittnecker aber trotzdem nicht: "Wir wissen ja nicht, wo diese freien Drähte dann liegen und ob es eine Erdung gibt."

Haus weiter unter Strom

Das bisher größte Problem bei PV-Anlagen ist, dass die Module am Dach bis zum sogenannten Wechselrichter, wo Gleich- in Wechselstrom umgewandelt wird, ständig unter Strom stehen. Nur die Leitung nach dem Wechselrichter lässt sich durch die Stromanbieter abschalten, da von dort weg eine Einspeisung ins öffentliche Netz erfolgt. Dieser Wechselrichter befindet sich aber in den meisten Gebäuden im Keller. Das bedeutet, dass das gesamte Haus weiterhin mit Strom versorgt werde. 

In Deutschland machten sich Unternehmen deshalb daran, geeignete Sicherheitstechniken zu entwickeln. Eine so genannte BFA-Box (Brand-Fall-Abschaltung) soll die gesamte Hausanlage spannungsfrei stellen. Sie müsste aber in vielen Gebäuden erst nachgerüstet werden. Kronberger freut sich darüber, dass durch die Sicherheitsdebatte "hoffentlich ein neuer Markt entstanden ist", denn er unterstütze "jede Erleichterung der Feuerwehren". Nachsatz: "Auch wenn es nicht notwendig ist, sondern nur zur Beruhigung dient." Mittnecker würde sich aber eine ferngesteuerte Abschaltung wünschen, die zumindest die Verbindungen zwischen den Modulen unterbricht: "Dann müssten die Einsatzkräfte nur noch mit Spannungen von bis zu 120 Volt rechnen."

Gespräche mit Industrie

Viel diskutiert wird auch die Empfehlung, dass PV-Anlagenbesitzer eine freiwillige Meldung an die örtliche Feuerwehr abgeben und Pläne ihrer Anlage den Einsatzkräften zur Verfügung stellen sollen. Kronberger spricht von einem "relativen Unfug" und auch Mittnecker glaubt, dass mit steigender Anzahl der PV-Haushalte, die Papiermassen nicht mehr "handzuhaben wären". Sinnvoller wäre eine Kennzeichnung von Gebäuden mit einer Photovoltaikanlage. "Da müsste aber nicht jedes Einfamilienhaus ein Pickerl tragen, es wäre aber bei großen Gebäuden wünschenswert", sagt Mittnecker.

Die Sicherheitsfragen müssten aber für Kronberger zwischen der erzeugenden Industrie und den Einsatzkräften besprochen werden. "Das wird auch der Fall sein", verspricht Mittnecker. Nach dem Sommer sollen die evaluierten Gefahren für Feuerwehren mit der Industrie besprochen und an gemeinsam Lösungen gefeilt werden - "ohne die Entwicklung zu bremsen", so Mittnecker. (Bianca Blei, derStandard.at, 21.4.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 324
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squi
01
16.5.2012, 11:53
in jedem Satz des PV-Vertreters widerspricht ihm der Feuerwehrmann

und im Zweifelsfall wird der Feuerwehrmann sein Haus trotzdem abbrennen lassen. hahaha

wolfgang gaerber
10
26.4.2011, 11:45
Lächerlich.

Bei 1000V hab ich einen Überschlag bei Distanz < 1mm.
Eine Lötstelle löst sich bei 200 Grad auf.
Einfach verpflichtend Thermoschalter/Sicherungen o.ä. zwischen den Modulen vorschreiben - und Thema abhaken.
Zur Verkabelung könnte man auch entsprechend sichere Kabel o.ä. vorschreiben - oder eine zentrale Trenneinrichtung.....

Wenn sogar die Krümmung von Gurken gesetzlich geregelt wird/war - sollte es doch kein Problem sein die Ausführung von PV Anlagen zu normieren und entsprechende Sicherheitsrichtlinien zu erlassen.

transistron
00
22.4.2011, 10:17

kronberger meint wahrscheinlich die verbindungen zwischen den einzelnen wavern... das sind die quadratischen module innerhalb der module. über die lauft auch der stromkreis. sobald die keine verbindung mehr haben rennt auch kein strom mehr. also ich seh da nur reine panikmache.

pippo långstrump
20
22.4.2011, 09:31
Mr. 100.000 V

Habe der FF gemeldet, dass sich neben PV am Dach, in meinem Plattenschrank mehrere Platten von Mr. 100.000 V befinden. Im Brandfall bitte berücksichtigen und abbrennen lassen.
Bevor ich mir letztlich einen SUV mit 4 Auspuffrohren anschaffen wollte fragte ich im Geiste meine Tante Jolesch und sie meinte:
Pippo, brauchst du eine Penisverlängerung? Nein. Willst du so alt aussehen wie du wirklich bist? Nein. Also kauf dir also ein kleines Auto um 17 t €. Das ist unrentabel genug. Für den Rest gib 30m² PV aufs Dach das lohnt sich sofort.
Danke Tante.

Knicknack
00
22.4.2011, 08:53
Vor einem Öltank oder einer Gasleitung würde ich mich als Feuerwehrmann viel mehr fürchten.

Auch Acetylen-Flaschen (für's Schweissen) sind im Brandfall eine tödliche Gefahr.

Steak vom Milchlamm
00
22.4.2011, 08:07
Das größte Problem....

...mein Haus braucht dringend eine PV-Anlage, die leider sehr schwer zu finanzieren ist.

Es gibt ja immer noch die Alternative angereichtertes Plutonium, was wesentlich günstiger, in Unmengen vorhanden, jetzt schon bald abbaubar, und somit zum natürlichen Rohstoff avanciert.

sternwerk
10
22.4.2011, 03:22
Feuerwehrleute ...

... erden? Geht das nicht? Den Anzug leitend machen und ggf noch erden

Uniquin
 
11
22.4.2011, 06:36

genau das gegenteil ist gefragt, die nichterdung ist lebensnotwendig um keinen stromfluß durch den körper zu zu lassen. bei feuchter bekleidung (löschwasser) aber nicht realisierbar.

sternwerk
00
25.4.2011, 01:53

Wenn der Anzug leitend und geerdet ist, gibt es keinen Stromfluss durch den Körper

luke skywalker
515
21.4.2011, 20:07
Ja da ist es schon viel ungefährlicher einen durchbrennenden Reaktor mit Wasser abzukühlen, wie wir in Japan gesehen haben

der strahlt zwar ein wenig, dafür steht der nicht unter Spannung.

Lächerlicher Artikel.

Uniquin
 
05
22.4.2011, 06:38

man darf über äpfel diskutieren, auch wenn man birnen im garten hat würd ich meinen. mit einem unfall in japan potentiel stromtode feuerwehrleute in europa zu argumentieren ist ja auch nicht wenig lächerlich.

grassl
23
21.4.2011, 19:57
respekt, ein guter artikel

Achmo Ledbid
55
21.4.2011, 17:38
das ist ein hohn...

...und eine verharmlosung, was der vertreter der PV-industrie hier von sich gibt! was bringt es wenn die anspeiseleitung der pv-anlage bei 200°C schmilzt? das pv-element am dach darf trotzdem kein löschwasser abbekommen, sonst ist der noch so weit entfernte mensch der den lösch-schlauch hält tot und die löschwasserpumpe kaputt...

ausserdem wird menschenrettung mit einer drehleiter beim entstehungsbrand durchgeführt und nicht erst dann wenn "feuer am dach" ist und die zuleitung der anlage wegschmilzt. vor allem ist es schwer kontrollierbar, ab wann die leitung abgeschmolzen ist und die restliche anlage spannungsfrei ist.

Pierre d´Aubusson
12
21.4.2011, 21:57

Naja, Wasser darf schon draufkommen, man muß nur einen Sprühstrahl aus größerer Entfernung anwenden, damit zwischen den einzelnen Wassertropfen keine Verbindung besteht.
Das ist aber ganau das, was immer als "kontrolliert abbrennen lassen" dargestellt wird.
:-)

Uniquin
 
00
22.4.2011, 06:41

...und das läßt sich auch toll steuern, da es bei bränden ja nie wind und regen gibt, und so der nötige abstand zur pv millimetergenau vorhergesagt werden kann. wenn in der wirklichen welt so mit sicherheit umgegangen werden würde wäre das verhältnis öl zu wasser im atlantik inzwischen 1:1.

jake & elwood
00
21.4.2011, 21:10

Wenn die Erdungsleitung mit abschmilzt kann gar nichts passieren. Das ist so, wie wenn Sie (gut isoliert gegen die Erde) den stromführenden Leiter in der Steckdose berühren.

/* No Comment */
07
21.4.2011, 16:57
"[...],dann können die Einsatzkräfte den Sicherheitsabstand von fünf Metern nicht mehr einhalten und laufen Gefahr, in den Stromkreis zu geraten." Und immerhin würden solche Anlagen bis zu 1.000 Volt Gleichspannung produzieren.

Moment. 1000V? Die Durchschlagsfestigkeit von Luft liegt bei 2kV/mm (http://de.wikipedia.org/wiki/Durc... ialwerte). Damit ein Funke also über 5 Meter überschlägt, bräuchte man eine Spannung von 10.000.000 Volt. Oder wo liegt mein Denkfehler?

Uniquin
 
00
22.4.2011, 06:43

luftfeuchtigkeit hat großen einfluß, wenn gleichzeitig beregnet wird (gelöscht), kannst die zahlen einfach nur vergessen

Pierre d´Aubusson
01
21.4.2011, 21:58

Das wäre die erste Feuerwehr, die mit Luft löscht.

/* No Comment */
00
21.4.2011, 22:14

Wenn die Feuerwehr bei 800 V mit Wasser löschen, dann ist sowieso egal, ob sie einen Meter oder 5 weg stehen. Hier gehts allerdings um die Rettung von Menschen per Leiter.

drno
01
21.4.2011, 21:39

die feuerwehr hat tabellen mit Abständen der Strahlrohre zu E-Leitungen etc per kV/m.

/* No Comment */
00
21.4.2011, 21:59

Schon klar, aber wie kommen sie auf die 5 Meter Abstand?

drno
01
21.4.2011, 22:48

das ist jetzt eine "hausnummer"...
das kommt halt immer darauf an, welche Leistung der jeweilige Stromerzeuger, Leitung, Trafo,...hat und mit was und wie man löscht.

zb:
CM- und HD-Rohr:
Niederspannung bis 1.000 VSprühstrahl 1 Meter Vollstrahl 5 Meter
Hochspannung über 1.000 V Sprühstrahl 5 Meter
Vollstrahl 10 Meter

/* No Comment */
00
21.4.2011, 23:15

Ach, ich hätte bei meinem ersten Kommentar bei der Überschrift wirklich nicht sparen sollen.. Im Artikel heißt es, bei der Menschenrettung mit einer Leiter dürfen sie bei 1000 V nicht weiter als 5 Meter ran. Da ist nichts mut Wasser!

drno
00
21.4.2011, 23:32

für die einsatzkräfte ist der abstand bis 1000v 1meter

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