Japan-Krise hilft Yen-Schuldnern

20. April 2011, 17:17
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Die Aufwertung des Yen hat die Kredite gehörig verteuert. Seit dem Erdbeben notiert die Währung leichter

Für Yen-Kreditnehmer waren die vergangenen Jahre keine leichten. Die Aufwertung des Yen hat die Kredite gehörig verteuert. Seit dem Erdbeben notiert die Währung leichter und verschafft Schuldnern eine Verschnaufpause.

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Die Schockwellen des Atomunfalls in Fukushima brachten auch das Währungsgefüge wieder einmal durcheinander: In einer ersten Reaktion stieg der Yen zum Euro bis auf rund 108, weil japanische Unternehmen Veranlagungen (auch Aktien) im Ausland ver- und dafür Yen kauften. Die Auswirkungen waren so krass, dass Japan die G-7 ersuchte, Yen zu verkaufen. Die Folge davon war ein Absturz des Yen bis auf 115 innerhalb weniger Stunden und dann weiter auf rund 123 in den nächsten Tagen. Im Gefolge des Yen gab auch der Schweizer Franken bis auf rund 1, 31 pro Euro nach.

Generell scheint die Situation für leidgeprüfte Fremdwährungskreditnehmer nicht so schlecht - die Österreicher sind insgesamt mit knapp 2,2 Mrd. Euro in Yen verschuldet; das sind um 300 Mio. Euro oder 17 Prozent mehr als noch vor einem Jahr (Quelle: OeNB). Doch die Erste Bank warnt, auf einen fallenden Yen zu setzen: "Wer jetzt von einem automatischen Verfall der japanischen Währung ausgeht, könnte sich erheblich täuschen", sagt Peter Bosek, Privat- und Firmenkundenvorstand der Erste Bank. Man rät, die Kurse abzusichern, die Schuld durch Ratenzahlung zu verringern oder die Zahlungen in den Tilgungsträger zu erhöhen.

Die Zins- und Währungsprognosen des eigenen Hauses stützen diese Ansicht: "Auf der einen Seite könnten Repatriierungsflüsse, um den Wiederaufbau zu finanzieren, den Yen unterstützen. Auf der anderen Seite könnte etwas mehr Skepsis der Investoren gegenüber Japan und nach wie vor deutlich höhere Zinserwartungen außerhalb Japans zu einer Abschwächung des Yen beitragen. Trotzdem es daher kurzfristig zu erneuten Befestigungen kommen könnte, ist mittelfristig eher mit einer leichten Abschwächung zu rechnen", sagt Mildred Hager vom Erste Group Treasury. Sie erwartet Yen-Kurse bei 110 für einen Euro, Franken zwischen 1,10 und 1,40 und US-Dollar bei 1,30 bis Dezember 2011.

Der Franken hat sich eher im Gleichklang mit dem Absinken des spanischen Renditeabstands nach unten bewegt, sagt Hager: "Die Unsicherheit bezüglich Portugal könnte zu einer erneuten Befestigung des Franken führen, der Beitrag sollte aber nicht mehr gleich stark ausfallen wie in der Vergangenheit. Nur systemrelevante Risiken für die Eurozone sollten zu erneut starker Befestigung führen."

Doch gehen beileibe nicht alle Analysten mit der Erste Bank konform: "Während Zentralbanken weltweit die expansive Geldpolitik reduzieren, wird die ultralockere Geldpolitik in Japan sogar noch ausgeweitet", sagt Ingo Jungwirth von Raiffeisen Research. "Wir gehen davon aus, dass die Politik eine Aufwertung des japanischen Yen während der kritischen Phase des beginnenden Wiederaufbaus verhindern wird. Wir gehen daher von Yen-Kursen von 120 pro Euro bis Jahresende aus".

Auch den Franken sieht Jungwirth talwärts ziehen: Er rechnet nicht mit einer unmittelbaren Eskalation der europäischen Verschuldungskrise und geht bis Juni von einem deutlich schwächeren Franken um 1,30 aus. Bis Dezember erwartet Jungwirth Kurse von rund 1,32 Franken für einen Euro und Zinsen bei einem halben Prozent bis zum September.

Auch andere Analysten sehen den Euro stärker: Yen in zwölf Monaten zwischen 126 (UniCredit), 137 (Censeo) bis 131 (Commerzbank) und der Franken zwischen 1,34 (UniCredit), 1,35 (Censeo) bis 1,38 (Commerzbank).

Zinsen und Risiko absichern

"Prinzipiell ist die Absicherung mit einem Devisensicherungsgeschäft keine schlechte Idee", sagt Währungsexperte Gerhard Massenbauer. Dazu reicht ein Anruf bei der Bank und eine E-Mail, mit dem man sich den aktuellen Währungskurs absichern kann. Die Kosten dafür sind relativ gering. "Wer absichern will, kann es tun, ob es aber was bringt, kann niemand sagen." Auch die Zinsabsicherung ist ratsam - allerdings ist dafür Eile geboten: "Zinsoptionen haben ihre Preise bereits verdoppelt, und wenn Zinsen bereits deutlich gestiegen sind, ist es zu spät", warnt der Experte.

In puncto Tilgungsträger muss man jeden Fall einzeln betrachten: "Lassen Sie Ihren Tilgungsträger objektiv von einem außenstehenden Fachmann überprüfen, auch wenn es etwas kostet", meint Gerhard Massenbauer. "Und lassen Sie sich keinesfalls irgendetwas aufschwatzen - nicht alle Produkte werden sich bei steigenden Zinsen positiv entwickeln!" (Reinhard Krémer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.4.2011)

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    Die Verschuldung in einer fremden Währung hat den Kreditnehmern nicht immer Glück gebracht. Der schwächere Yen lässt vorerst die in Yen Verschuldeten etwas aufatmen.

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