DNA-Proben aus Massengrab passen nicht zu Sudetendeutschen

20. April 2011, 16:47
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Vorläufiges Analyseergebnis überrascht - nun soll Vergleich mit weiteren potenziellen Verwandten aus Deutschland folgen

Prag - Unerwartete Ergebnisse haben die ersten DNA-Analysen im Falle der 2010 ausgegrabenen Knochenreste von vermeintlichen Sudetendeutschen, die im Mai 1945 auf der Budinka-Wiese beim südmährischen Dobronin (Dobrenz) bei Jihlava (Iglau) ermordet worden waren, gebracht. Die ersten zwei von vermeintlichen Verwandten in Deutschland abgenommenen Proben entsprechen nicht dem DNA-Profil der Toten aus dem Massengrab, hieß es aus dem Prager Kriminal-Institut laut der tschechischen Tageszeitung "Mlada fronta Dnes".

"In keinem Fall wurde Einklang mit den Profilen festgestellt, die die Knochenreste aus der Wiese Budinka ergaben", sagte die Sprecherin des Kriminal-Instituts, Petra Srnkova. In der nächsten Zeit sollten weitere DNA-Proben von potenziellen Verwandten aus Deutschland nach Prag zum Vergleich übergeben werden, fügte sie hinzu.

Die Experten des Kriminal-Instituts haben bei den Knochenresten mehr als 150 DNA-Analysen durchgeführt. Auf die genaue Zahl von Leuten, denen die Knochen gehörten, konnten sich die Fachleute zunächst nicht einigen. Laut den Genetikern des Kriminal-Instituts handelt es sich um neun Personen, während die Anthropologen aus der Brünner Masaryk-Universität über "mindestens 13 Leute" sprechen.

Historischer Hintergrund

Auf der Wiese sollen in der zweiten Mai-Hälfte 1945 etwa 15 deutschsprachige Leute getötet worden sein. Seit Jahren setzt sich der tschechische Journalist Miroslav Mares aus Jihlava für die Aufklärung des Falles ein und sammelt dazu Archivmaterial. Eine der Unterlagen war das Buch "Bergersdorf" der deutschen Schriftstellerin Herma Kennel. Die Autorin schreibt darin, dass zwischen dem 12. und 19. Mai 1945 einige unter Alkoholeinfluss stehende Personen 15 Deutsche massakriert hätten. Die Gruppe der Täter habe die Opfer vom Zeughaus abgeholt und auf ein Feld nahe eines Waldes geführt. Dort hätten die Opfer ihre eigenen Gräber graben müssen und danach seien sie erschlagen oder erschossen worden. (APA/red)

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    Die Ausgrabungsarbeiten in Dobronin wurden im August 2010 durchgeführt.

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