Es muss nicht immer Fabergé sein

20. April 2011, 17:20
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Fabergé-Eier hat heute kein Osterhase mehr im Portfolio. Aber es hat schon früher preiswertere Alternativen gegeben

Fabergé-Eier hat heute kein Osterhase mehr im Portfolio. Aber es hat schon früher preiswertere Alternativen gegeben: Zum Beispiel ovale Kunstwerke aus Porzellan, deren Motive Geschichte(n) erzählen können.

Was steht zu Ostern mit Garantie bei den meisten von uns hoch im Kurs? Eh klar: Eier. In allen Variationen. Als Legegut von der Henne hart gekocht und koloriert. 50 Millionen Stück davon sollen jährlich allein in Österreich verkauft werden. Ganz andere Töne am Gaumen schlagen sie aus Schokolade geformt an, mit und ohne Füllung.

Der Sammelwert dieser Ostereier hält sich nicht nur angesichts ihrer massenhaften Verbreitung in Grenzen. Er ist schlichtweg kurzlebig und löst sich bei Verzehr in Magensäure auf. Doch es gibt durchaus veritable ovale Schätze.

Der Brauch, Eier zu bemalen und zu verschenken, geht auf verschiedene Ursprünge zurück. Chinesen beschenkten sich damit schon vor 5000 Jahren zum Frühlingsanfang. Für Ägypter und Germanen waren sie ein Sinnbild der Fruchtbarkeit. Schon in der Ur-Christenheit galt das Ei als Sinnbild des Lebens und der Auferstehung. In West- und Mitteleuropa wurden seit dem 12. Jahrhundert geweihte, vorwiegend rot gefärbte Eier (das Blut Jesu symbolisierend) zum Osterfest verschenkt.

Kostbare Überraschungseier

Das Land jedoch, das Ostereier zu Kunstwerken und Sammelobjekten erhob, ist Russland. Die schönsten und teuersten eiförmigen Prunkstücke wurden von 1885 an bis zum Ende des Zarenreichs von Carl Fabergé ausgebrütet. Gleich vorweg: Sollten Sie jemals eines angeboten bekommen – Finger weg. Denn mit größter Wahrscheinlichkeit handelt es sich dabei um eine Fälschung.

65 bis 69 dieser schon damals kostspieligen Überraschungseier wurden verschiedenen Quellen zufolge in den St. Petersburger Werkstätten des russischen Goldschmiedemeisters und Juweliers gefertigt. 50 davon für das Zarenhaus, von denen acht als verschollen gelten. Der Großteil befindet sich in öffentlichen Museen oder Privatsammlungen wie jener des russischen Oligarchen Viktor Vekselberg. Bisher höchster erzielter Auktionspreis für ein Fabergé-Ei: 12,8 Millionen Euro (2008).

Weißes Gold

Doch es muss nicht immer Fabergé sein. Eier aus "weißem Gold" entzückten die höfische und wohlhabende russische Gesellschaft schon kurz nach der Gründung der ersten Porzellanmanufaktur in St. Petersburg 1744 – und sind heute bei Sammlern begehrt. Spitzenpreise von 10.000 Euro und mehr werden dafür mitunter gezahlt. Bei mehreren Auktionen in Deutschland landeten in den vergangenen Jahren auf zwischen 300 und 500 Euro taxierte Porzellaneier ausnahmslos im vier- oder sogar fünfstelligen Bereich. Im Wiener Dorotheum erzielte im Vorjahr eines dieser Kleinode etwa 6250 Euro – bei einem Schätzwert von 1200 bis 1600 Euro.

Das Faszinierende an den unterschiedlich großen Keramiken ist ihre Bemalung, erklärt Ingrid Gilgemann vom Kunsthaus Lempertz in Köln. "Die Dekore reichen von der Darstellung von Architektur, Heiligen, Engeln, elaborierten Blumenmustern, Heiligen- und Ikonenmotive bis hin zu kaiserlichen Monogrammen."

Ist das Malen von Miniaturen auf Porzellan schon generell eine Herausforderung für das Fingerspitzengefühl, verlangt das perspektivische Bemalen eines unebenen Gegenstands dem Künstler eine noch höhere Kunstfertigkeit ab. Zumal das Ei dafür nur an zwei Punkten gehalten werden kann. Für manche der Motive benötigte ein Eiermaler mehr als 40 Tage.

254 dieser zerbrechlichen Kunstwerke verließen 1799 die Kaiserliche Porzellanmanufaktur in St. Petersburg. 1802 wurden 960 Stück hergestellt. Für Ostern 1914 wurden 3991 Stück produziert. In den darauffolgenden Kriegsjahren schnellten die Zahlen in die Höhe. Mit Massenproduktionsmethoden spuckte die St. Petersburger Manufaktur pro Jahr zwischen 10.000 und 15.000 Porzellaneier aus. Einfachst bemalt – als Trost und Durchhalteappell für die kaiserlichen Soldaten.

Auch andere Königshöfe fanden an den russischen Porzellaneiern Gefallen. Durch die Eheschließung von Großfürst Nikolaus I. mit der preußischen Prinzessin Charlotte 1817 gelangte diese Tradition auch nach Berlin. Bei der Königlichen Porzellanmanufaktur (KPM) bestellte Friedrich Wilhelm III. 1819 die ersten 36 Ostereier.

Preußens Glanz und Gloria

Waren die Motive der Berliner KPM zunächst von zarter Delikatesse, zeigten Blumen, Schlösser oder andere Bauwerke, eierte König Wilhelm II nicht herum und nutzte die Porzellaneier auch zur dezenten Machtdemonstration: Er ließ die königliche Kriegsmarine auf ihnen verewigen.

Nicht unerwähnt bleiben soll die St. Petersburg Collection (www. stpetersburgcollection.com), die seit 25 Jahren Schmuckeier fertigt. Reizvoll für manche Sammler sind sie wohl weniger ob ihrer üppigen Gestaltung als vielmehr aufgrund der Herkunft ihres Schöpfers: Theo Fabergé.

Bei dem 2007 verstorbenen Briten handelt es tatsächlich um einen Enkel Carl Fabergés, der bis 1969 nichts von seiner Abstammung wusste. Die Preise für die limitierten Kreationen aus Bleikristall, vergoldetem Silber oder Porzellan schwanken zwischen 2400 und knapp 14.000 Dollar. Das Unternehmen wird mittlerweile von Theos Tochter Sarah geführt.

Das Sammeln von Ostereiern hat also viele Facetten. Für die kleinen Sammlerinnen und Sammler gilt jedenfalls diesen Sonntag (an dem das christliche und orthodoxe Ostern zusammenfällt): Hauptsache, sie werden gefunden und sind schön bunt. (Karin Tzschentke, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.4.2011)

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