Österreich-Statistik

Doppelt so viele Suizide wie Verkehrstote

20. April 2011, 13:38
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    ap photo/axel heimken

    Im Bundesländervergleich liegt die Steiermark bei der Selbstmordrate bereits seit mehreren Jahren an vorderster Stelle. Pro 100.000 Einwohner liege die Rate bei 19,6 Personen, der Österreichdurchschnitt bei 15 bis 16.

1.280 Selbstmorde - Steiermark im Bundesländervergleich am ersten Platz, Wien Schlusslicht

Innsbruck - Mehr als doppelt so viele Menschen haben im Vorjahr Selbstmord begangen wie es Verkehrstote gegeben hat. Demnach gab es in Österreich 1.280 Suizide, 552 Personen starben im Straßenverkehr, teilte Edelbert Kohler, Abteilungsleiter der Sicherheits- und Kriminalpolizei in der Tiroler Sicherheitsdirektion, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Innsbruck mit.

Im Bundesländervergleich liege die Steiermark bei der Selbstmordrate bereits seit mehreren Jahren an vorderster Stelle. Pro 100.000 Einwohner liege die Rate bei 19,6 Personen, der Österreichdurchschnitt bei 15 bis 16. Die vergangenen zehn Jahre seien Kärnten und Salzburg auf den Plätzen zwei und drei zu finden, erläuterte Eberhard Deisenhammer von der Psychiatrischen Abteilung an der Universitätsklinik Innsbruck. Welche Gründe es dafür gebe, könne er nicht sage. Im Allgemeinen würden aber mehrere Faktoren, wie psychische Erkrankungen, Lebensereignisse, das erbliche Risiko, akute psychosoziale Belastungen oder auch die soziale Eingebundenheit Suizidrisikofaktoren darstellen.

Wien am Schluss, Tirol in der Mitte

Bereits zum zweiten Mal in Folge sei die Bundeshauptstadt mit einer Selbstmordrate von 12,2 Personen an letzter Stelle. "Die Dichte an Ärzten und Psychotherapeuten ist in Wien mitunter höher", nannte Deisenhammer einen Grund. Tirol liege mit einer Suizidrate von 17 Fällen im Mittelfeld. Während im vergangenen Jahr 118 Personen Selbstmord begingen, habe es 39 Verkehrstote gegeben.

"Von den 118 Suiziden sind Dreiviertel (89) Männer, der Rest Frauen", verdeutlichte Kohler die Statistik für Tirol. Die meisten Personen seien im Alter zwischen 41 und 50 Jahren gewesen, die Selbstmordrate sei aber bei den Menschen ab 70 und 80 Jahren am höchsten. Mit knapp 41 Prozent hätten sich die Betroffenen erhängt, gefolgt vom "Sprung aus großer Höhe" (15,3 Prozent).

Ein deutlicher Anstieg sei bei den Suizidfällen bei den unter 20 Jährigen zu verzeichnen. "2008 waren es drei, 2009 zwölf und 2010 bereits 16 Fälle", schilderte Kohler. Der Psychologe konnte darüber nur spekulieren, führte aber die allgemeine Verunsicherung in diesem Alter, den fehlenden Halt in der Gesellschaft, Orientierungslosigkeit aber auch den steigenden Suchtmittelkonsum als Faktoren an. "Suizide sind immer komplexe Geschehen", sagte Deisenhammer. Die Gesellschaft dürfe sich nicht scheuen, Betroffene danach zu fragen, anzusprechen und Hilfe anzufordern. (APA)

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supermike
23
23.10.2011, 14:49
Und wie reagiert der Staat jetzt darauf ?

Bei 1280 Menschenleben / Jahr muss man doch reagieren oder ?
Mit legalen Schusswaffen braucht nur einmal jemand erschossen werden und schon sind die Zeitungen voll mit Forderungen zu Waffenrechtsverschärfungen - und mit legalen Schusswaffen werden pro Jahr nur 3-4 Menschen ermordet !!!

Warum ältere Männer beim Selbstmord führend sind ist auch klar: heute ist es ja Trendy das Frauen sich scheiden lassen und den Kontakt der Kinder mit dem Vater untergraben. Der darf sich nach der Scheidung zu Tode arbeiten, Allimente und Unterhalt zahlen und alleine in einer Mini Sozialwohnung sitzen und mit den paar € die ihm bleiben versuchen sein Überleben zu sichern. Diese Theorie passt jedenfalls auf mir bekannte Selbstmordopfer in meiner Umgebung...

nick morgenland
 
04
18.8.2011, 13:25
ungarn litauen kuba österreich

bei staaten, die in der who-statistik erfasst sind, nimmt österreich platz vier ein (alte männer, 75 +).

http://www.bmask.gv.at/cms/site/... _kompl.pdf

ich ziehe daraus den schluss, alte menschen werden in keinem anderen industriestaat so gering geschätzt wie in österreich (insbesondere männer). suizid ist die "eisbergspitze" der "eisberge" depression und verzweiflung. "alt" ist in österreich zu einem schimpfwort geworden. warum sagt man alter depp (und nicht junger)? altenverachtung und altendiskriminierung sind "in" auf der "insel der seligen". die suizidrate alter männer liegt um den faktor fünf höher als in großbritannien.

Verpestungs-Profi ("Werbefachmann")
00
14.6.2011, 09:27
Es wäre höchste Zeit, hier gegenzusteuern.

Auf politische Maßnahmen warten, hilft aber nix.
Von der Seite kommt nicht viel.

Jeder Einzelne kann jedoch durch SEINE persönliche Haltung enorm viel beitragen, dass die Personen in seinem Umkreis gar nicht erst in Depressionen verfallen.
Ein freundlicher Blick, ein guter Zuspruch haben vermutlich schon oft Leben gerettet, ohne dass es die beteiligten wussten. Faires Verhalten zu Kollegen, Mitarbeitern und Nachbarn- das alles kostet nicht viel, und der mensch braucht auch nicht viel, es hätte aber ausgesprochen wohltuende Auswirkungen.
Der Mensch könnte wieder durchatmen und auch seine Probleme und seinen depperten Job etwas leichter und humorvoller nehmen.

Kremser
00
27.4.2011, 13:48
Wenn´s wieder einmal so weit war,

dann sprachen die die ihn kannten, er habe sich zurückgezogen, sei ein Einzelgänger geworden, ein komischer Kauz - aber keine(r) fragt WARUM ?

Gilgamesh
02
26.4.2011, 09:41

Warum sind gerade "ältere" Menschen so sehr betroffen?
Nun die 40-51 jährigen leiden unter einem enormen Jobstress. Verlieren sie die Beschäftigung, sind sie die Gruppe mit den meisten Problemen wieder Anstellung zu bekommen, der Rest muss es eben bis zur Pension "aussitzen".
Die 70-80 jährigen vereinsamen, leiden unter den Minimalstpensionen.
Da ist es natürlich reiner Hohn, wenn man einem 24 jährigen Protektionskind einen 14 000 € Job schenkt...

Also streichen wir weiter Sozialleistungen und schaffen wir die Sozialdienst (Zivildienst) ab, so kann man das "Pensionsproblem" auch beseitigen....

aculus populus
 
10
29.4.2011, 11:04

Und was ist mit den Hunderttausende Jugendlichen die in 3 Jahreszyklen den Job verlieren und immer weniger verdienen nach Perioden von Arbeitslosigkeit? Bald werden diese die Statistik verändern.

Wenn ich eine Meinung hätte ...
05
23.4.2011, 05:43
Leistungsdruckgesellschaft. Ohne entsprechenden Leistungsgegendruck wird der sensible Mensch zerquetscht.

Das "bedingungslose Grundeinkommen" könnte BESTIMMT sehr sehr viel von dem Druck wegnehmen.
ABER das BGE wird hierzulande erst kommen, wenn die Arbeitslosen so viel Budget auffressen (würden), dass das BGE die Statistik wieder paradiesisch werden ließe.
Politik hierzulande REagiert maximal,
agieren ist nicht.

GIEREN IST IMMER.

Prof. Alois
 
21
22.4.2011, 22:25
Der Aufmacher hat K rone-Niveau

Vor noch gar nicht allzulanger Zeit hatten wir tausend Verkehrstote pro Jahr in Österreich. Letzteres hat sich rapide verbessert, weil man jetzt mit dem Hubschrauber abgeholt wird, wenn man sich derstesst irgendwo. Die Selbtsmordrate blieb aber gleich.

Für den Selbstmörder gibt es halt keinen "Hubschrauber". Ganz im Gegenteil: Der Respekt vor Leben geht zurück. Wenn es keine religiös anerkannten Vorschriften mehr gibt, dass Leben nicht selbst genommen werden darf, weil gottgegeben: Warum sich nicht selber umbringen?
Was sollte daran schlecht sein? Dass sich die Überlebenden danach schlecht fühlen? Kein Argument.

M_DeNiro
11
22.4.2011, 21:12

Oesterreich braucht dringend einen Maennerminister!
wie waere es mit der Dohnal? lebt die noch?

Kremser
01
27.4.2011, 13:46

nein, die ist schon abge - storben

Saurer Zivi
63
21.4.2011, 12:55
die männerpolitik in Österreich ist nicht-existent.

männer gehören per gesetz von der waffe/waffen entfernt.

aber nicht per B-VG dazu gezwungen, soldante und damit waffenträger zu werden.

das ist der bisher schwerwiegendste denkfehler, den sich eine gesellschaft erlauben kann.

untersuchungen wie im artikel oben belegen eindrucksvoll, wie viel mal weniger wert männliches leben als weibliches leben ist.

tatsächlich ergeben sich bei dieser betrachtung durchaus nachvollziehbare forderungen einer höherbezahlung des 1) kürzeren und 2) minderwertigeren Lebens österreichischer Personen.

Zinnmo
 
23
21.4.2011, 15:16

Die wenigsten Suiztide passieren mit Waffen. Es gibt viele gute Gründe gegen einfachen Waffenbesitz, die Suizidrate gehört nicht dazu.

Saurer Zivi
51
21.4.2011, 17:17
ein fahrender Zug, ein Medikament, die eigene Hand, die Schlinge um den Hals....

sind ebenso Waffen.

Wodurch sollen die Suizidopfer sonst ums Leben kommen?

TRockenmilch
03
22.4.2011, 10:35

worauf wollen sie bitte hinaus??
wie möchten sie diese "waffen" von männern "entfernen"?

Saurer Zivi
21
22.4.2011, 11:04
richtig gesehen!

es geht natürlich nicht nur um die waffe, sondern auch um die geisteshaltung zur waffe.

dass nun gerade junge männer einer waffenpflicht unterworfen werden, dies durch Art 9a Abs3 B-VG - durchaus im Widerspruch zu Art 7a B-VG - ist mE eine wesentliche ursache für die inkongruent hohen suizidraten unter männern.

es muss die affinität zu waffen und gewalt als solche verstärkt bei den männern unterbunden werden.

ein lösungsansatz wäre gesprächstherapie, entwicklung der männlichen kommunikationsfähigkeiten.

wie churchill schon sagte: it's always better to jaw-jaw than to war-war.

lasst worte, nicht fäuste sprechen.

TRockenmilch
11
22.4.2011, 11:13

pazifismus ist was schönes, heilt aber keine depressionen.

ihr anliegen ist zwar sehr löblich, hat hier aber nix zu suchen. sorry.

Saurer Zivi
11
22.4.2011, 11:19
dem darf ich aus eigener praxis ganz heftig widersprechen.

eine gesprächstherapie als pazifismus abzutun, hat nichts mit dem seelischen leid, das männern durch zwangsverpflichtungen gemäß Art 9a Abs3 angetan wird, zu tun.

ich habe mehrere tausend betroffene persönlich kennengelernt und darüber publiziert.

klar, niemand will sich die wehrpflicht madig machen lassen, weil sie so ein toller wirtschaftlicher faktor ist. klar.

nur sollten wir alsbald mit der gegenverrechung beginnen.

Prof. Alois
 
11
22.4.2011, 22:28
Die Selbstmordrate unter Grundwehrdienern liegt leicht unter jener

sonstiger gleichaltriger.

Sollen wir jetzt den jungen Leuten empfehlen zum Heer zu gehen, um weniger gefährdet zu sein?

Lazarus Long
11
23.4.2011, 20:17
"Leicht" ist leicht untertrieben.

Die Selbstmordrate von Soldaten liegt bei etwas über einem Drittel von Zivilisten.

Prof. Alois
 
11
24.4.2011, 12:01
Das liegt vieleicht an der Basis der Berechnung

Bei Grundwehrdienern - also nicht bei allen Soldaten insgesamt - soll sie leicht unter jener liegen, wie die unter allen Jugendlichen in dieser Altersklasse. Das wollte ich nur deshalb erwähnt haben, weil in den Medien immer so getan wird, als wärs diesbezüglich gefährlich beim Heer zu sein. Es kommt ja vereinzelt vor, dass einer sein Sturmgewehr dazu benützt. Oder es wird so getan wird, als bedeutete der Umgang mit Schusswaffen ein erhöhtes Risiko. Ähnliche Vorurteile wie beim Alkoholismus, der ja in gewissen Branchen wesentlich verbreiteter ist als je beim Heer.

Rein statistisch gesehen - und da bin ich ganz bei Ihnen - müsste man den Leuten sagen: Geht zum Heer, dann lebt ihr geringerer Selbstmordgefahr.

TRockenmilch
01
22.4.2011, 11:52

wie gesagt. die wehrpflichtproblematik ist eine große, jedoch wird, afaik, der großteil der suizide in österreich nicht darauf zurückzuführen zu sein.

ich finde ihe engagment in diesem bereich lobenswert, kann aber trotzdem nicht nachvollziehn warum sie ein sehr vielschichtiges problem hier auf einen teilaspekt, der auch nur 50% der opfer direkt betreffen kann, runter brechen.

und ich möchte auch nicht sagen, dass sie hier offtopic sind, aber durch die art ihres postings, wird, in meinen augen, suggeriert dass es keine anderen ursprünge für diese probleme gibt.

sonst sind wir glaub ich eh einer meinung ;)

Stephan W.
04
21.4.2011, 11:59

"Wien Schlusslicht" ist in dem Zusammenhang eine gewagte Wortwahl.

Also liebe Wiener: Aufholen! Wer ist schon gern Schlusslicht? :-)

BeachBuddy
00
21.4.2011, 11:31

Sofort Tempolimits aufheben und den Verkauf von Seilen und Ähnlichen verbieten.

Sepp Rosi
01
21.4.2011, 10:19
trauriges land.

jedes suizid ist ein nicht gehörtes schrei nach dem leben.
alles ist in dieser gesellschaft schlimm genug weil sie so unmenschlich geworden ist. traurig wenn schon so viele junge menschen das tun. ende.

hotzenplotz1001
82
21.4.2011, 09:38
Doppelt so viele Suizide ALS Verkehrstote, muss es heißen.

Bitte achten Sie auf die Stilistik. Wenn Gleiches (Ähnliches) verglichen wird, muss es heißen ,wie‘. Wenn Ungleiches verglichen wird, muss es heißen ,als‘.

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