Humanitäre Lage weiter katastrophal

20. April 2011, 12:37
  • Artikelbild
    foto: reuters/finbarr o'reilly

    Soldaten in Abidjan.

Salesianerpater: "Angst vor weiteren Massakern und Racheakten ist ständiger Begleiter der Menschen"

Wien - Die humanitäre Lage in dem westafrikanischen Bürgerkriegsland Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste) ist auch nach dem militärisch durchgesetzten Machtwechsel katastrophal. Wie die Don-Bosco-Hilfsorganisation "Jugend Eine Welt" laut Kathpress am Mittwoch berichtete, sei beispielsweise die Situation in Duekoue, wo die Salesianer eine Missionsstation betrieben, "verzweifelt". "Wir haben keine Nahrungsmittel, die Leute schlafen auf dem nackten Boden", so Pater Vicente Grupeli, Leiter der Missionsstation, die seit Monaten zum Flüchtlingslager für Tausende Menschen geworden ist. Höchstens 8.000 Menschen hätten auf dem beengten Gelände Platz, gekommen seien 30.000. Grupeli: "Die hygienischen Zustände sind katastrophal, und wir müssen hilflos zusehen, wie hier täglich Menschen sterben. Es fehlen Latrinen und Duschen, von Trinkwasser ganz zu schweigen."

Den Salesianern in Duekoue seien die Hände gebunden, ihre eigenen Vorräte an Reis und Energieriegeln hätten sie an Kleinkinder verteilt, nun sei alles aufgebraucht, so der Ordensmann. Die Salesianer haben nun an die internationale Gemeinschaft, Hilfsorganisationen und die UNO appelliert, das Lager minimalen hygienischen Standards anzupassen und mehr Hilfsgüter zu liefern.

Sicherheitslage kritisch

Trotz der Verhaftung von Ex-Präsident Laurent Gbagbo sei das westafrikanische Land weit von der Normalität entfernt. Auch die Sicherheitslage sei weiterhin kritisch, so Grupeli. Ethnische Spannungen, Plünderungen und Vertreibungen gingen in weiten Teilen des Landes weiter. In der Wirtschaftsmetropole Abidjan im Süden hat die große Mehrheit der Beamtenschaft den Appell des neuen Präsidenten Alassane Ouattara am Dienstag ignoriert und die Wiederaufnahme der Arbeit verweigert

"Es ist blauäugig zu glauben, die Flüchtlinge würden nun alle wieder nach Hause zurückkehren. Eine solche Verängstigung wie gerade habe ich in diesem Land noch nicht erlebt", so Pater Grupeli. Die Angst vor weiteren Massakern und Racheakten sei zum ständigen Begleiter der Flüchtlinge geworden. Besonders in den Städten und Dörfern kontrollierten Anhänger Outtaras die Straßen und suchten nach versprengten Gbagbo-Anhängern. "Jeden fragen sie nach der ethnischen Zugehörigkeit, das Land ist tief gespalten", so P. Grupeli. Er rechne mit weiteren Monaten, in denen sich die Don Bosco Missionsstation um die verängstigten Flüchtlinge kümmern muss: "Gerade jetzt ist unsere Sozialarbeit gefragt. Wir müssen mit vereinten Kräften daran mitwirken, dass wieder ein friedliches und solidarisches Miteinander unter allen Ethnien und Religionen möglich ist." (APA)

Vincent_Vega
01
21.4.2011, 00:17
der uno bzw den franzosen is das wohl ziemlich egal,

ihre marionette ist installiert und der rest, naja interessiert einfach nicht,...

Premier Gaou
05
21.4.2011, 00:07
was heisst hier "trotz der Verhaftung Gbagbo's?"

jetzt hat man doch endlich den Mann des Westens ins Amt gebombt und stellt fest, dass er ganau das ist, was man die ganze Zeit über schon hätte wissen können, ein eiskalter Machtpolitiker der über Leichen geht - wer ruft denn nach einer Militärintervention in seinem eigenen Land, wenn er dieses Land und seine Einwphner wirklich liebt? Wen wundert's dass er dann gelich noch ein paar Tausend störende Gegner umbringen lässt? Pressefreiheit? War unter Gbagbo besser! jetzt müpssen ja schon Amnesty, Reporter ohne Grenzen, Plan e.v. Human rights Watch u.v.m. Alarm schlagen - wie kriegen wir den wieder los?

cyber ferkel
01
20.4.2011, 20:04

Warum ist nirgens zu lesen, dass die gottesfürchtigen Muslime nun ein weiteres Land - wenn auch durch Wahlgewinn - erobert haben?

Warum wird nicht erwähnt, dass es religiöse Spannungen sind.

Warum werden die Opfer zwar mit christlichem Hintergrund dargestellt, die Täter aber nicht als das beschreiben was sie wirklich sind - nämlich radikale Muslime.

Premier Gaou
05
21.4.2011, 00:08
Wahlgewinn?

woher bist du sir so sicher mit dem "Wahlgewinn"? nach all den anderen Lügen: Ouattara der "Gute", Gbagbo der "Böse" - wer hat denn nun Tausende ermorden lassen? Zu den Wahlen: www.ivoireleaks.de

cyber ferkel
00
21.4.2011, 21:20

Ich bin mir nicht sicher. Er wird als der Gewinner gehandelt.

rough_rider
00
20.4.2011, 19:58
sollte ich jemals zu ausreichend geld kommen

ich würd in solchen regionen zu helfen.
die leut haben ebenso hunger und angst wie wir. einzig die bildung und die lebensgewohnheiten/-bedingungen unterscheiden uns.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.