Frau wegen Selbstmordversuch während Schwangerschaft angeklagt

20. April 2011, 12:46
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Frauengruppen sehen zunehmenden Druck von AbtreibungsgegnerInnen auf StaatsanwältInnen

In den USA sorgt eine Mordanklage gegen eine 34-jährige Frau in Indianapolis für Sorgen bei Frauengruppen und Bürgerrechtsorganisationen, berichtet die britische Tageszeitung "The Guardian". Der Frau wird vorgeworfen, ihr vier Tage altes Baby getötet zu haben, weil sie versuchte sich selbst mit Rattengift umzubringen, noch während sie schwanger war.

Ihre Geschichte

Bei Bei Shuai, eine Restaurantbesitzerin mit chinesischen Wurzeln, war schwanger und plante ihren Lebensgefährten zu heiraten. Ende letzten Jahres fand sie jedoch heraus, dass er bereits verheiratet war und sie verlassen würde. Einige Tage später, am 23. Dezember, kaufte sich Shuai Rattengift und nahm in ihrer Wohnung in Indianapolis einige Kügelchen davon ein. Der Suizid-Versuch misslang allerdings und Freunde überredeten sie, sich in einem Krankenhaus untersuchen zu lassen.

Im Spital erhielt sie Medikamente, die das Rattengift im Körper neutralisieren sollten. ZU Neujahr gebar sie schließlich ihre Tochter, die allerdings unter Krämpfen litt und vier Tage nach der Geburt verstarb. Die Frau erlitt daraufhin einen zweiten Zusammenbruch und verbrachte ein Monat in einer psychiatrischen Anstalt. Anschließend kam sie bei FreundInnen unter und wollte dort ihr Leben wieder in den Griff bekommen. Im März wurde sie allerdings verhaftet und wegen Mordes und versuchten Fötizids (Abtreibung eines Fötuses) angeklagt. Wird sie schuldig gesprochen, würde sie eine lebenslange Haftstrafe erwarten.

Einflussreiches Urteil

RechtsexpertInnen halten den Fall für entscheidend in Bezug auf den Umgang mit Schwangeren nicht nur in Indiana, sondern in den gesamten Staaten. "Wenn wir dem Staat erlauben, eine Frau für alles, das eine Gefahr für ihre Schwangerschaft darstellen könnte, ins Gefängnis zu stecken, dann werden wir die Polizei auch nicht davon abhalten können, Frauen, die Wein trinken oder rauchen, zu verhaften. Wo ziehen wir die Grenze?", fragt etwa die Amerikanische Union für Bürgerfreiheiten. Laut der Sprecherin gäbe es einen alarmierenden Zuwachs an solchen Fällen in den USA. Frauengruppen führen den Anstieg auf den zunehmenden Druck von AbtreibungsgegnerInnen auf die StaatsanwältInnen zurück.

Linda Pence, die Anwältin von Shuai betonte, sie halte die Entscheidung ihre Mandantin zu verfolgen, für "entsetzlich" und "skandalös". Sie zweifelt die Behauptung der Staatsanwaltschaft an, wonach das Baby an dem Rattengift verstarb. Ihre Mandantin erhielt im Spital mehrere Medikamente, die ebenso den Tod bei dem ungeborenen Baby auslösen hätten können. Die Organisation "Nationale Anwälte für schwangere Frauen" (NAPW) unterstützt die Verteidigung. Kathrine Jack, Anwältin bei NAPW, erklärte, anstatt Frauen wie Shuai einzusperren, sollten diese medizinische und psychiatrische Hilfe erhalten.

Anklagen auf Anti-Abtreibungsrhethorik zurückzuführen?

Die Anwältin betreute schon einige Fälle, in denen Frauen für Ereignisse während der Schwangerschaft belangt wurden. "Solche Anklagen nehmen in den USA zu und sind das Resultat von einschlägiger Anti-Abtreibungsrhethorik, die dem Fötus höhere Rechte geben wollen, als den Frauen, die sie austragen." Der Fall würde die Abtreibungsrechte zwar nicht sofort aushebeln, aber es wäre ein gewaltiger Schritt in diese Richtung, betonte sie weiter.

Die Staatsanwaltschaft erklärte indess, dass sie erst nach eingehender Beratung zum Entschluss gekommen seien, Shuai anzuklagen. "Es handelt sich hierbei um einen einzigartigen Fall. Nach eingehender Analyse sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass wir ausreichende Beweise für eine Anklage haben", so Dave Rimstidt.
In den Bundesstaaten Utah, Alabama, Mississippi, Iowa und South Carolina ist es bereits zu Fällen gekommen, in denen Frauen für ihr Verhalten während der Schwangerschaft belangt wurden. Meistens handelte es sich dabei um illegalen Drogenkonsum. (red)

Siehe:

The Guardian: Woman who attempted suicide while pregnant is accused of murder

Auf der Plattform Change.org befindet sich eine Petition, die sich für die Freilassung von Bei Bei Shuai einsetzt

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