Schuldenkrisen hieven Goldpreis auf Allzeithoch

20. April 2011, 16:21
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Nach einem glänzenden Come­back im letzten Jahrzehnt überspringt das Edelmetall erstmals die Marke von 1.500 Dollar

Wien - Gold und Silber glänzen für Anleger in unsicheren Zeiten als "sicherer Hafen", die Preise sind weiter im Höhenflug. Der Goldpreis knackte nun die psychologisch wichtige Marke von 1.500 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) und erreichte damit einen Rekordwert. Auch der Silberpreis nähert sich mit zuletzt fast 45 Dollar je Feinunze seinem Alltime-High von knapp 50 Dollar aus dem Jahr 1980. Zur aktuellen Rekordjagd bei den Edelmetallen trug auch die jüngste Warnung einer führenden Ratingagentur bezüglich der Kreditwürdigkeit der USA bei. Nach unten wird es beim Goldpreis nach Expertenschätzung eher nicht gehen. Bei der Münze Münze sind Silber-Philharmoniker gefragt.

"Hype-Phase"

Der Verkauf des Gold-Philharmoniker laufe nach einem starken Jahresbeginn seit Februar gut, sagte Münze-Österreich-Vorstand Gerhard Starsich. Es gebe aber keine Hype-Phase. Durch den hohen Goldpreis belebe sich der Sekundärmarkt. Die Münze-Österreich-Tochter Schoeller Münzhandel habe ein ausgezeichnetes erstes Quartal verzeichnet.

Bei den neuen Münzen boome der Silber-Philharmoniker. Im ersten Quartal 2011 seien 4 Millionen Stück verkauft worden, im Gesamtjahr 2010 waren es 11,3 Millionen Münzen. Zum Vergleich: Die Zahl der verkauften Gold-Philharmoniker in allen Größenklassen lag bei 870.000 Münzen bzw. mehr als 574.000 Unzen. Beim Gold rechnet Starsich heuer mit einem eher ruhigen Jahr. Der Goldpreis in Euro dürfte sich seitwärts entwickeln. Bei Silber gebe es nicht zuletzt wegen der sehr starken Nachfrage aus der Industrie noch Spielraum nach oben.

Unsicherheit bei den Investoren

Der Goldpreis in Dollar hat seit Jahresbeginn um rund 6 Prozent zugelegt. Auf Euro-Basis ist der Goldpreis derzeit mit über 1.030 Euro nicht weit von seinem Alltime-High von 1.076 Euro im Oktober 2010 entfernt. Die Rekordjagd bei den Edelmetallen wird von Experten vor allem mit der Unsicherheit bei den Investoren begründet. Manuel Schuster, Rohstoffanalyst bei der Raiffeisen Bank International, nennt unter anderem Inflationsängste, die Schuldenkrise, die jetzt auch in den USA Thema sei, sowie die Unruhen in Nordafrika und im arabischen Raum. Außerdem seien die Leitzinsen so tief, dass Rohstoffe auch für Spekulanten attraktiv seien.

Für den Erste-Bank-Experten Ronald Stöferle ist die Goldpreis-Hausse noch nicht zu Ende. Er bestätigte seine Langfrist-Prognose von mindestens 2.300 Dollar. Die im Vorjahr abgegebene Prognose von 1.600 Dollar je Feinunze für Juni 2011 ist in Reichweite. Ab einer Realverzinsung von (plus) 2 bis 3 Prozent verliere Gold an Attraktivität. Gold sei wegen der niedrigen Korrelation zu Anleihen eine Versicherung, die Volatilität sei relativ gering und habe auch einen monetären Aspekt - Stichwort: Schwäche des Papiergeldes. Nur 0,8 Prozent des weltweiten Finanzinvestments sei in Gold. In Indien und China seien in den vergangenen Jahren neue Käuferschichten entstanden. Bei Silber sei der Trend schon ein bisschen überzogen, so der Experte.

Bei Gold dürften nach Einschätzung der Commerzbank laut dpa auch die führenden Notenbanken künftig wieder verstärkt als Käufer in Erscheinung treten. Heute erreichte der Goldpreis über 1.500 Dollar, Silber in der Spitze 44,34 Dollar und damit den höchsten Wert seit 1980. Die Experten der Commerzbank sehen den Goldpreis zum Jahresende bei 1.600 Euro, Goldman Sachs hat laut dpa zu Beginn des Jahres Goldpreise bei der Marke von knapp unter 1. 700 Dollar in Aussicht gestellt. (APA)

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    Mit höheren Zinsen verliert Gold als Anlageform an Reiz, da es keine Zinsen abwirft, sondern nur die Chance auf Wertsteigerung bietet. Die aktuellen finanzpolitischen Entwicklungen in Europa und den USA ließen Anleger nun zunächst aber wieder im "sicheren Hafen" Gold festmachen.

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