Neues ÖVP-Team

"Die Qualifikationsfrage wird immer nur bei den Jungen gestellt"

20. April 2011, 14:18
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    foto: apa/schlager

    Der designierte Staatssekretär für Integration, Sebastian Kurz, steht im Zentrum der Kritik.

derStandard.at hat bei Jungpolitikern nachgefragt, was sie von der Bestellung von Sebastian Kurz halten

Auch einen Tag nach der Bestellung von Sebastian Kurz als Integrationsstaatssekretär wird die Kritik an seiner Person nicht leiser. Für Lukas Mandl, Generalsektretär des ÖAAB, Grund genug, seinen Parteikollegen zu verteidigen. Der 24-jährige Kurz werde aufgrund seines Alters diskriminiert. "In einem halben Jahr werden sich die Kritiker bei ihm entschuldigen", so Mandl.

Jungpolitiker sind skeptisch

Wolfgang Moitzi, Vorsitzender der Sozialistischen Jugend, sagt: "Prinzipiell darf das Alter keine Rolle spielen. Es sollten auch mehr Junge im Nationalrat sitzen." Entscheidend sei für ihn die Frage, wie Kurz mit dem Thema Integration umgeht. "Was hat er bisher geleistet, dass er sich für das Amt qualifiziert? Ideen für ein vernünftiges Bildungs- und Sozialsystem, in dem MigrantInnen nicht länger diskriminiert werden, habe ich von ihm noch keine gehört." Moitzi findet, ein Experte wie Caritas-Präsident Franz Küberl wäre besser geeignet gewesen. 

Christoph Peschek, Gemeinderat der SPÖ in Wien und Junggewerkschafter, sagt im Gespräch mit derStandard.at: "Grundsätzlich freut es mich, wenn junge Leute gestalten. Ich werde Sebastian Kurz auch gerne unterstützen, wenn er Hilfe braucht." Die Zeit werde zeigen, ob er der Position gewachsen ist, so Peschek. Man solle ihm aber eine Chance geben, sich zu beweisen: "Kurz ist an den Taten zu messen."

Peschek kritisiert, dass junge Menschen in führenden Positionen skeptisch betrachtet werden. Dass Kurz seine Glaubwürdigkeit wegen des "geilen" ÖVP-Wien-Wahlkampfes für immer verspielt hat, glaubt er nicht. Aber: "Kurz muss aus seinen Fehlern lernen."

Mair: Ältere wollen nicht zulassen, dass Junge nachkommen

Ob er sich selbst zutrauen würde, Staatssekretär zu werden? "Wenn die Thematik passt, why not?", so Peschek. Derzeit sei er mit der jetzigen Situation aber ganz zufrieden.

"Ich halte Sebastian Kurz nicht für besonders intelligent, weil er sich bei der ÖVP engagiert und nicht bei den Grünen. Auch inhaltlich verteidige ich ihn sicher nicht", sagt Gebi Mair, Grüner Landtagsabgeordneter in Tirol im Gespräch mit derStandard.at. Er bemängelt aber, dass Kurz wegen seines Alters kritisiert wird. "Die Qualifikationsfrage wird immer nur bei den Jungen gestellt. Günther Platter kann Landeshauptmann sein und niemand fragt nach seiner Qualifikation. Das ist unfair." Für Mair hat das was mit Machterhalt zu tun: "Ältere wollen nicht zulassen, dass Junge nachkommen. Das ist übel." Für Mair ist auch die Lebenserfahrung kein Argument. Ältere seien nicht automatisch intelligenter.

Auch SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas möchte Kurz nicht auf sein Alter reduzieren. Zu derStandard.at sagt sie: "Es ist wichtig, dass junge Menschen eine Chance bekommen. Sebastian Kurz soll die Chance haben, zu zeigen, was er kann. Daran wird man seine Arbeit beurteilen können."

Kritik von Johann Gudenus

Der Wiener FP-Klubobmann Johann Gudenus kennt Sebastian Kurz persönlich, dieser sei ein "netter junger Mann". In den ersten Monaten im Wiener Gemeinderat sei Kurz nicht sonderlich aufgefallen, auch nicht negativ. Es sei jedoch eine "Brüskierung der Beamten", ihnen einen "Jungspund, der noch grün hinter den Ohren ist und fast keine politische Erfahrung hat", vorzusetzen.

Kurz sei gerade erst einmal vor vier Monaten ihm Wiener Gemeinderat angelobt worden. "Jetzt hat er so ein wichtiges und fragiles Ressort erhalten, das ist einfach zu schnell gegangen", sagt Gudenus. Prinzipiell wünsche er sich, dass junge Menschen in der Politik eine größere Rolle spielen, an der Bestellung Kurz' kritisiere er weniger das Alter als die mangelnde politische Erfahrung.

Romy Grasgruber, die im Vorjahr eine Lichterkette ums Parlament organisiert hat, findet Kurz "zu jung und zu unqualifiziert". Prinzipiell sei ein Integrationsstaatssekretariat gut, es sei aber schade, dass der Posten nicht mit einer erfahrenen Person abseits von Parteibüchern besetzt wurde, sagte sie zu derStandard.at.

Erwin Pröll: Junge Menschen brauchen Chance in der Politik

Mandl sieht in der Qualifizierung, dass ein 24-Jähriger nicht für so eine Aufgabe geeignet sei, ein "fatales Signal an die Jugendlichen." Die Quelle derartiger Kritik ortet der ÖAAB-Generalsekretär im "dekadenten, studentischen Milieu" und verweist darauf, dass andere 24-Jährige auch Kinder erziehen und Unternehmen leiten sowie ein 20-Jähriger Facebook erfunden habe. Kurz habe bei der Wien-Wahl die zweitmeisten Vorzugsstimmen nach Spitzenkandidatin Christine Marek erreicht. Den Aufstieg des JVP-Obmannes zum Staatssekretär sieht Mandl durch "Leistung, Kompetenz und Charakter" begründet.

Auch Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll verteidigt den designierten Staatssekretär: Er sieht die Bestellung Kurz' als "große Chance für die Jugend und für eine generationenübergreifende Politik". "Junge Menschen dürfen mit 16 Jahren wählen, dann müssen sie wohl mit 24 Jahren auch politisch arbeiten dürfen", so der Landeshauptmann.

Sebastian Kurz wird im Übrigen JVP-Obmann bleiben, heißt es auf Anfrage von derStandard.at. "Wir werden den Erfolgskurs fortsetzen", sagte eine Sprecherin. (burg, rwh, APA, derStandard.at, 20.4.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1702
Peter Hammer 06
00
22.4.2011, 23:43
Die ÖVP-Kritik an Darabos....

....fällt ihr bei Kurz jetzt auf den Kopf!

Heiner Müller
00
22.4.2011, 07:08
Wenn man kritisieren darf

daß z. B.: mit Darabos ein Zivildiener Verteidigungsminister ist (und man darf das natürlich kritisieren) dann darf man wohl auch die mangelnde Erfahrung von Kurz bei einem so wichtigen Thema wie Integration kritisieren. Nichts desto trotz ist er jetzt im Amt und wird natürlich an seinen Taten gemessen werden. Und diese Taten werden natürlich auch wieder der Kritik unterliegen, genauso wie auch die Taten jedes anderen Regierungsmitglieds und jedes anderen Politikers der freien Kritik unterliegen werden.

MA_dam
03
22.4.2011, 01:15
Herr Kurz wird sehr glaubwürdig sein, wenn er einem Zuwanderer

erklären will, dass eine Berufsausbildung wichtig ist.
Zurecht wird man argumentieren können, wozu soll man noch lernen, wenn man ohne Beruf sogar Spitzenpolitiker werden kann.

Chr Hum
00
23.4.2011, 17:50

Sorry, ich muß Sie korrigieren.
Ohne Berufsausbildung kann man in Österreich nicht SOGAR sondern NUR Spitzenpolitiker werden.

TomTheOne
20
21.4.2011, 23:36
Wo bleibt

Kann mir bitte wer erklären, warum ständig von Sebastian Kurz, dem 24jährigen Jus-Studenten die Rede ist? Er ist Bundesobmann der Jungen ÖVP. Es schreibt ja auch niemand von Strache, dem 42jährigen Zahntechniker. Oder von Faymann, dem 51jährigen Studienabbrecher... Kritik ok, aber was da derzeit abgeht ist jenseits jeder Sachlichkeit, sondern einfach nur eine untergriffige Kampagne.

Chr Hum
00
23.4.2011, 17:53

Mit 42 und 51 kann wenigstens von genug Lebenserfahrung die Rede sein. Zahntechniker ist eine abgeschlossene Ausbildung.
Verwechseln sie mich aber jetzt bitte nicht mit einem Blauwähler

Hans Funkelfels
00
22.4.2011, 12:09

Für jemand der "Schwarz macht Geil" als Wahlkampfslogan hatte, und mit dem "Geil-o-mobil" getourt ist, Plakte mit lazziver Dame "wenn wir unseren Verkehr so planen, wird das nichts" .. mit Untergriffigkeit zu verteidigen? Das ist schon paradox.

Asparuch Edler von Leschnikoff
00
22.4.2011, 11:25
In einem Umfeld,

wo zB eine Rudas legitimiert ist, sich auch nur zu IRGENDEINEM Thema öffentlich zu äußern, kann das keiner erklären :)!

NIK_
00
21.4.2011, 23:13
die schuldigen..

wem kann man nun wohl für diese katastrophale fehlentscheidung verurteilen? den neuen staatssekr. wohl kaum; schließlich war es ja nicht sein werk, schon gar nicht lag es in seiner macht, sich in diese position zu bringen. die viel interessante frage ist, welche auffassung hinsichtlich der bedeutung von INTEGRATION von dem neuen övp obmann spindelegger vertreten wird. es kann sich meiner meinung nach dabei nur um eine nicht sehr ernstzunehmende handeln, denn wie würde man sonst auch auf die idee kommen, dieses amt mit einer derartig ungeeigneten person zu bekleiden. dies kann nur so aufgefasst werden, dass der populistische effekt dieses handelns dem eigentlichen ziel der integration vorangestellt wird, traurig traurig, herr spindelegger..

Alina Zak
11
21.4.2011, 22:38
interessant

also sind Vorurteile doch in ordnung. aber nur wenn sie gegen die richtigen sind, also gegen die "Bösen"=vertreter der Mehrheiten, denn Mehrheiten sind ja immer die Bösen

TomTheOne
11
21.4.2011, 23:42
Das stimmt...

Wer in den letzten Tagen den Standard die Postings hier liest, hat das Gefühl, die politische Korrektheit gilt nur noch dort wo sie genehm ist... Da wird über sein Alter hergezogen, sein Aussehen, seine Herkunft, seine Sprache (!) usw. Ich finde diese Scheinmoral einfach lächerlich.

wackelkandidat
01
22.4.2011, 02:07

Ja und?
Man kann doch solche Typen grauslich finden.
Was ist denn schon dabei?
Ich, z.B. finde die Politik der ÖVP indiskutabel. Der Kurz passt perfekt dazu.
Seine Sprache ist ziemlich primitiv. Sein Gehabe ebenso.

MA_dam
01
22.4.2011, 01:13
Man sollte dennoch nicht vergessen,dass ein Student für eine

Spitzenposition in der Bundesregierung einfach nicht geeignet ist.Sein Alter spielt nur indirekt eine Rolle.Es gibt natürlich Ausnahmetalente,die mit 24 Jahren Topmanager sind oder sich hablilitieren.Herr Kurz hat aber weder eine Berufsausbildung noch sonst irgendwelche beruflichen Erfolge vorzuweisen.Er ist ein braver Parteisoldat.Aber das qualifiziert doch nicht für eines der höchsten Regierungsämter.Von so einer Person erwartet man Erfahrung,Weitblick,Kontakte usw. Herr Kurz hätte erst einmal andere Völker und Kulturen kennenlernen müssen und nicht nur Meidling-gerade als Integrationsstaatssekretär,der sich mit vielen Andersdenkenden und-lebenden beschäftigen wird müssen.

TomTheOne
00
22.4.2011, 01:17
Woher...

Nehmen Sie all dieses Wissen?

schau, schau
00
21.4.2011, 22:09
zum thema qualifikation

http://bit.ly/hDByUd

immer schön freundlich
00
21.4.2011, 21:28

ich werde das gefühl nicht los, dass die poster es unfair finden, dass hier einer für seinen job 15.000 bekommt.

Wienerin_:-)
00
21.4.2011, 21:58

abgesehen davon, wie alt derjenige ist, der dieses Amt einnimmt, finde ich 15.000 euro übertrieben viel...
(zahlt ja schließlich doch Herr und Frau Steuerzahler/in...)

Aung San Suu Tschi
 
07
21.4.2011, 20:10
Höfliche Frage an Herrn Staatssekretär stud.jur. Basti Kurz

Sie haben heute vor der Presse gesagt, dass Sie u.a. aufgrund Ihrer Meidlinger Herkunft für Ihren neuen, blendend bezahlten Posten (€ 14.668,-- glaube ich) qualifiziert seien (Achtung: Die Bundesländer-ÖVPler kennen Wien 12. nicht!).

Sie hätten in Meidling erlebt, wie Integration klappt & auch wie sie nicht klappt.

Wie meinen Sie das? Welche gescheiterte Integration welcher Menschen haben Sie angesprochen, welche Institutionen sind Ihrer Meinung nach für die Fälle der nicht gelungenen Integration verantwortlich zu machen? Welche Parteien & welche Politik?

Und wer sind die "positiven" Fälle & warum?

Hoffentlich trifft mein klammheimlicher Verdacht nicht zu, dass Sie schnell was reden, weil man vor der Öffentlichkeit eben reden muss? RSVP

SOUND GUIDE
01
21.4.2011, 18:44
Die ÖVP tappt einfach in die nächste Pleite!

irgendwie erinnert er mich an KHG.

kuschi-futschi
00
21.4.2011, 17:44

zermalmt schon-seine politische karriere

verheizt

vielleicht danach eu-tüchtig

nach solchen angriffen muss ein state kommen
wo ist das?von

Pete Outlaw
05
21.4.2011, 15:26
Sebastian Kurz und sein Integrationsressort ziehen ins BMI

auf ATV+ können junge Politikinteressierte 24h am Tag das Leben im Ressort verfolgen. Mit dem neuen ÖVP-"depart-phone" von A1 können Politikinteressierte per SMS-Voting wöchentlich MigrantInnen und/oder ÖsterreicherInnen ins Ressort hinein- oder (aus Österreich) hinauswählen.

FPÖ, FPK und BZÖ begrüssen den Vorstoss der ÖVP und diese Art der "direkten Demokratie" ...

kp12
101
21.4.2011, 15:21

An alle, die der Meinung sind, dass man einen Menschen nach seinen Leistungen beurteilen sollte, und ihm auch erst mal eine Chance geben sollte, tretet der Facebook-Gruppe: "Gebt Kurz eine Chance" bei. Anregende niveauvolle Diskussionen erwünscht.

http://www.facebook.com/pages/Geb... 3594734938

http://www.facebook.com/photo.php... =1&theater

Hans Funkelfels
05
21.4.2011, 16:32

Ja, ich bin der der Meinung sind, dass man einen Menschen nach seinen Leistungen beurteilen sollte.

Also welche Leistungen und Interesse hat er nochmal zum Thema Integration gezeigt? Oder nimmt er einfach irgendeinen Job an, zu einem Thema das ihn bisher Null bewegte?

Daneben gibt es noch Leistungen aus dem Wahlkampf zu bewundern: "Schwarz ist Geil", was nur ansatzweise geistvolleres ist ihm als Wahlkampfthema nicht eingefallen? Fährt noch dazu mit dem "Geil-o-Mobil" von Disko zu Disko, und lässte Mädels mit "Schwarz macht Geil" über die Brust geschrieben, tanzen... Dann Aussagen wie "in Moscheen muss Deutsch gesprochen werden", und "nicht jede Stadt darf ein Minerat haben"

Welche Chancen kann man da sehen?

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