OeNB: Banken brauchen 19 Milliarden Frischkapital

20. April 2011, 12:16
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Nationalbank-Vorstand Ittner wagt keine Prognose über erwartetes Abschneiden bei Stresstest

Wien - Mindestens 19 Mrd. Euro brauchen die österreichischen Banken, um in den bis 2019 geltenden neuen Kapitalvorschriften ausreichend kapitalisiert zu sein. Basis der von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) errechneten Summe war der Ist-Zustand von 2009. Bezogen auf das harte Kernkapital wären es 10 Mrd. Euro.

Daran habe sich im wesentlichen nichts geändert, sagte OeNB-Vorstand Andreas Ittner.

Mit den heimischen Banken ist die Notenbank laut Ittner im Gespräch, ihre Risikopolster aufzufüllen. "Wir wollen ja nicht, dass bei einer neuerlichen Krise der Steuerzahler nochmals in Vorlage treten muss", sagte Ittner. Zunächst werde man dies bilateral diskutieren, später vielleicht wird das einmal zu einem allgemeinen Thema.

Die Notenbank bezifferte die konsolidierten Eigenmittel der Banken mit 86,2 Mrd. Euro, Ende 2010 lag die Eigenmittelquote der Branche bei 13,3 Prozent. Die Kernkapitalquote lag bei 10 Prozent.

Risiken bleiben

Im Vergleich zu Konkurrenten, die ebenfalls in Osteuropa tätig sind, ist das relativ gering, unterstreicht Ittner, der auf weiter vorhandene Risiken und Verwundbarkeiten der Banken verwies. "Aus unserer Sicht ist es wichtig, die Puffer für in- und ausländische Risiken zu stärken". Zu den alten Modellen unkontrolllierten marktanteilsgetriebenen Wachstums ohne Risikopolster dürfe keiner zurück, warnte er. Auch brauchten die Banken mehr Einlagen, gerade in Osteuropa wäre da noch einiges drin.

Empfehlungen nationaler Aufseher wie in der Schweiz oder in Großbritannien, die ihren Großbanken schon jetzt strengere Kapitalvorgaben machten, gibt es von der Notenbank in Wien nicht. Die Banken wüssten aber, dass sie mehr vorhalten müssten als die Mindestquoten, so Ittner.

Nach der jetzt im EU-weiten Stresstest geltenden Definition von hartem Kernkapital kämen die Banken nach den Zahlen 2010 auf rund 9 Prozent. Im Stresstest wird wie berichtet zwar die Staatshilfe angerechnet, nicht im bisherigen Maß aber private Instrumente wie privates PS-Kapital und Hybridkapital. Da haben freilich einige Banken mehr davon und andere Banken weniger. Für die führenden Banken wird die Quote damit im Schnitt unter 9 Prozent liegen.

Um den "erheblich verschärften" EU-Stresstest unter Belastungsszenarien zu bestehen, müssen die Banken mindestens 5 Prozent Core-Tier-1-Quote schaffen. Zum Vergleich: In dem vielfach als zu weich kritisierten Test von 2010 waren 6 Prozent als Minimum verlangt worden. Außerdem wird abgeprüft, wie lange die Banken unter Stress zahlungsfähig bleiben (Liquiditäts-Test).

Neben Raiffeisen Bank International, Erste Group und Bank Austria (deren Ergebnis in der UniCredit im Länderergebnis Italien enthalten ist) ist diesmal erstmals die Volksbanken AG (ÖVAG) dabei.

Zwei Banken im Restrukturierungsprozess

Ob alle Österreicher den Stresstest schaffen, dazu wollte sich Ittner nicht äußern. "Wenn wir das alles genau wüssten, müssten wir die Stresstests nicht machen."

Auch ob heimische Banken zu den bisher gewährten rund 6 Mrd. Euro nochmals Staatshilfe brauchen könnten, wollte Ittner nicht detailliert kommentieren. "Wir haben zwei Banken in einem Restrukturierungsprozess. Es ist abzuwarten, wie sich der entwickelt. Im Moment schaut es durchaus günstig aus, dass sie ihr Programm durchziehen können und daher nichts brauchen."

Ittner nannte die zwei Sanierungsfälle nicht. Im Markt gelten die Kärntner Hypo und die ÖVAG als jene Banken, die schmerzhafte Restrukturierungsprogramme durchlaufen.

Höhepunkt an faulen Krediten im Osten teils erst 2012

Für die österreichischen Banken ist nach der Finanzkrise noch nicht alles verdaut und vergessen, warnte Ittner. Die Lage habe sich deutlich gebessert, es gebe aber nach wie vor Risiken und Verwundbarkeiten - auch aus dem Osteuropageschäft.

Osteuropa wachse nach dem starken Einbruch von 2009 auch heuer stärker als der Euroraum, aber sehr heterogen, sagte Ittner. 60 Prozent der Erträge der österreichischen Banken - oder 2,1 Mrd. von 4,6 Mrd. Euro vom konsolidierten Ergebnis - stammten 2010 aus Ost/Südosteuropa.

Im Osten liegen die Wertberichtigungsquoten mit 6,6 Prozent doppelt so hoch wie im Österreich-Geschäft, in dem die Ertragslage übrigens "nicht brüllend" sei. Das Ostgeschäft sei aber trotz der höheren Anteile an faulen Krediten profitabler als der Österreich-Markt.

"Wir gehen davon aus, dass der Höhepunkt bei den faulen Krediten in den meisten Ländern Ost/Südosteuropas für 2011 erwartet wird", sagte Ittner heute. Ein Teil habe den Peak schon 2010 hinter sich, ein anderer wird ihn erst 2012 hinter sich lassen.

Was die OeNB besonders aufmerksam verfolgt: Ein Drittel des österreichischen Banken-Exposures in Ost- und Südosteuropa entfalle auf Geschäfte in Ländern mit "erhöhtem Risikoprofil". Welche Länder ihm dabei am meisten Kopfzerbrechen machten, sagte Ittner am Mittwoch im Klub der Wirtschaftspublizisten zwar nicht direkt. Er umschrieb sie als jene Länder, in deren Namen "viel 'u' vorkommt".

Eine weitere potenzielle Verwundbarkeit der Banken sind die Fremdwährungskredite in der Region. 50 Prozent der vergebenen Kredite in Osteuropa lauteten auf Fremdwährung, davon seien 60 Prozent in Euro. (APA)

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