Ferrero kämpft um Neubeginn

20. April 2011, 11:45
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Nach Tod des Schoko-Tycoons Pietro Ferrero rückt sein Bruder zum einzigen Geschäftsführer auf, Patriarch Michele soll weiter die Fäden des Konzerns ziehen

Rom - Nach dem plötzlichen Tod des Schokoladen-Königs Pietro Ferrero nach einem Herzinfarkt in Südafrika kämpft der gleichnamige italienische Süßwarenkonzern für einen Neubeginn. Der Bruder des verstorbenen Industriekapitäns, Giovanni Ferrero, soll zum einzigen Geschäftsführer des Familienunternehmens aufrücken, das er bisher mit seinem Bruder geleitet hatte. Der 86-jährige Firmenpatriarch Michele soll weiter die Fäden des Konzerns ziehen und die strategischen Beschlüsse fassen, berichteten italienische Medien.

Der 47-jährige Pietro Ferrero zählte zu den begabtesten Industriellen in Italien. Unter der Leitung des promovierten Biologen und seines um ein Jahr jüngeren Bruders Giovanni hat Ferrero in den letzten zehn Jahren eine atemberaubende Internationalisierungspolitik betrieben und den Familienkonzern aus drei Generationen zu einem Musterbeispiel des italienischem Kapitalismus gemacht.

Der Betrieb in der norditalienischen Trüffelstadt Alba im bergigen Piemont ist seit mehr als 60 Jahren eines der erfolgreichsten Familienunternehmen in Italien. Der Konzern, der jahrzehntelang von Michele Ferrero, Sohn des Gründers und Konditormeisters Pietro, geleitet wurde, generiert einen Umsatz von 6,6 Mrd. Euro und ist seit der Gründung im Jahr 1942 zu einem internationalen Schwergewicht in der Süßwarenproduktion aufgestiegen, der sogar ins Visier von Kolossen wie Nestle geraten ist. 21.600 Mitarbeiter beschäftigt Ferrero mit seinem Netz von 38 Niederlassungen und 18 Produktionswerken weltweit.

Der Produzent von Süßwaren wie Mon Cheri, Ferrero Rocher und Kinder Milchschnitte hat auch eine Niederlassung in Hall in Tirol und ist offizieller Lieferant des österreichischen Fußballbundes und des Nationalteams.

Investitionsplan

Pietro Ferrero, Enkel des gleichnamigen Firmengründers, hat in den vergangenen Jahren einen ambitionierten Investitionsplan umgesetzt. So hat der Unternehmer unter anderem die Expansion in Osteuropa forciert. 2009 weihte Ferrero ein Produktionswerk im russischen Wladimir, 150 Kilometer östlich von Moskau, ein, das über 500 Personen beschäftigt. Die Fabrik steht auf einem 40 Hektar großen Gelände und kostete 200 Mio. Dollar (139,8 Mio. Euro).

Ferrero hatte zuletzt Platz eins im Ranking der meist angesehenen Marken der Welt erobert, geht aus Marken-Reputationsstudie der New Yorker Marktforscher The Reputation Institute hervor. Das italienische Unternehmen schaffte es auf Rang vier bei den Top-Playern der Nahrungsmittelindustrie, hinter Nestle, Mars und Philip Morris. Der eigenwillige Unternehmenspatriarch Michele Ferrero hat Kaufangebote großer Konzerne stets abgelehnt - genauso wie einen Börsengang. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Pietro Ferrero verstarb in Südafrika beim Radfahren auf dieser Straße.

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