17./18.5.2003 - "Werden Sie noch einmal in die Sahara fahren?" wurde eine ehemalige Sahara-Geisel gefragt. Der ORF bewies damit, dass Emotion auch am Küniglberg längst mehr zählt als das gebotene Maß an Information ...
Genau einen Tag lang hat die Zurückhaltung der Medien angehalten: Auf Interviews mit den befreiten Sahara-Geiseln werde aus Rücksicht auf die noch Gefangenen verzichtet, hieß es am Donnerstag noch.
Mittlerweile werden sämtliche Details erfragt und berichtet. Der algerische Präsident Abdelaziz Bouteflika beklagt die ausführliche Berichterstattung in den Medien, die den Rest der Aktion behindern könne. Eine Sprecherin des Schweizer Außenamts in Bern äußerte ebenfalls Bedenken. Die Schweiz hatte bereits am Mittwoch kritisiert, durch die Berichterstattung werde das Leben der Verschleppten gefährdet. Egal, die Außenministerin befand, Österreich habe sich diesbezüglich zurückhaltend benommen und damit basta.
"Werden Sie noch einmal in die Sahara fahren?", fragte die ORF-Journalistin die ehemalige Sahara-Geisel Sabine Wintersteller aus Salzburg. Und bewies damit, dass Emotion längst auch im ORF mehr zählt als das gebotene Maß an Information.
"Ich finde diese Vorgangsweise - ein Interview mit einer der Geiseln zu machen, zum jetzigen Zeitpunkt - niveaulos. Interessanter hätte ich es gefunden, wenn der ORF, die ZIB 2 darüber berichtet, wie es denn dazu kam, dass die größte Tageszeitung in unserem Land den Bericht bereits gedruckt hatte, als alles noch ,geheim' war", schrieb eine Leserin an den STANDARD. Dass das von seinen Zuschauern nicht unbemerkt bleibt, könnte dem Küniglberg zu denken geben. (prie/DER STANDARD; Printausgabe, 17./18.5.2003)