Standort Österreich? Nein, danke

16. Mai 2003, 18:42
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Ausländische Investoren verlieren zunehmend das Interesse - Ihre Investitionen gingen deutlich zurück - mit Infografik

Wien - Österreich ist für ausländische Unternehmen nicht mehr erste Standort-Adresse. Im Vergleich zum Jahr 2000 hat sich die Anzahl der ansiedlungswilligen Betriebe nämlich von 132 auf 74 fast halbiert. Das damit verbundene Investitionsvolumen ist von 554 Mio. € (2000) auf 355 Mio. € im Vorjahr eingebrochen. Die Zahl der vom Investitions-Cash positiv betroffenen Arbeitnehmer verminderte sich von 5420 (2000) auf 2180 im Vorjahr.

Massive Verschlechterung

Diese massive Standortverschlechterung hält SP-Wirtschaftssprecher Hans Moser im STANDARD-Interview für durchaus hausgemacht: "Vor dem Hintergrund der schwachen Konjunktur ist vor allem die verfehlte Wirtschaftspolitik der Regierung am steigenden Desinteresse der Firmen schuld."

Drei Kritikpunkte hebt Moser dabei besonders hervor. Zum einen die Verschleppung dringend notwendiger Infrastrukturprojekte. Weil etwa die Nordautobahn Richtung Brünn nach wie vor nur am Papier besteht, werde den Firmen der Zugang zu den osteuropäischen Märkten extrem erschwert. Zum anderen leide der Wirtschaftsstandortes auch "durch den Ausverkauf heimischer Schlüsselindustrien um jeden Preis," wie dies etwa bei Telekom Austria und der Austria Tabak AG der Fall gewesen sei und nun bei der Voestalpine drohen könnte.

Politische Instabilität

Besonders abschreckend sei für potentielle Ansiedler jedoch die politische Instabilität von Schwarz/Blau. Das politische Klima eines Landes sei neben Qualität und Flexibilität der Arbeitskräfte und der Größe des erreichbaren Markes jedoch einer der wichtigsten Entscheidungsgründe für oder gegen ein Engagement.

Für die nahe Zukunft sieht der SP-Wirtschaftssprecher auf STANDARD-Anfrage jedenfalls keine Verbesserungen der derzeit miesen Situation, weil "ein wirkliches Zuckerl für ausländische Betriebe, nämlich die Senkung der Körperschaftssteuer von 34 auf 30 Prozent, erst 2005 kommen soll." Außerdem seien angekündigte Qualifizierungsmaßnahmen für Arbeitskräfte nicht ausreichend budgetiert und die Luxemburg-Vorgabe - zwanzig Prozent aller Arbeitssuchenden in Weiterbildungskursen - nicht erreicht.

Zurückreihung

Das Lausanner Institut für Management-Entwicklung sieht das jedenfalls ähnlich. Es hat Österreich in einem Standortvergleich kürzlich vom achten auf den zehnten Platz zurückgereiht. Als Grund dafür hatten die Schweizer vor allem hohe Steuern und geringes Wachstum genannt. Optimistischer ist nur das Forschungsinstitut des Wirtschaftsmagazins Economist. Es beließ Österreich in seiner jüngsten Studie über die Entwicklung der Auslandsinvestitionen unverändert auf Platz 18 und sieht bis 2007 leichte Verbesserungen. (Monika Bachhofer, DER STANDARD Print-Ausgabe, 17.5.2003)

  • Betriebsansiedlungen halbiert

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    grafik: der standard

    Betriebsansiedlungen halbiert

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