"Uralt-Ökologe" und Spielmacher ohne Parteibuch

19. April 2011, 21:43
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Mit Vorgängerin Beatrix Karl teilt der Altphilologe manche Überzeugung: Er ist für Studiengebühren und Zugangsregelungen

"What a wonderful world" hat er schon einmal gespielt im Wissenschaftsministerium - auf seiner Trompete. Demnächst wird Karlheinz Töchterle selbst in die wunderbare Welt am Minoritenplatz eintauchen und neuer Wissenschaftsminister werden.

Vor etwas mehr als einem Jahr stand der 61-jährige Rektor der Universität Innsbruck schon auf der Liste als möglicher Nachfolger von Johannes Hahn. Jetzt übernimmt er das Amt von Beatrix Karl. Mit ihr teilt der Altphilologe und Experte für das antike Drama ein paar Überzeugungen: Er ist für Studiengebühren und für Zugangsregelungen.

Klingt gut kompatibel mit der ÖVP, auf deren Ticket er sitzt - ohne aber Parteimitglied zu sein, und das auch "nicht im Sinn zu haben". Im Sinn hat Töchterle, der mit seiner Familie - er hat zwei erwachsene Kinder und drei Enkel - in Telfes lebt, vor allem Grün. Er sei ein "Uralt-Ökologe", der 1970 im "touristisch sehr intensiv genutzten Stubaital" politisch aktiviert wurde, aber "nicht verhinderungsaktiv" sein wollte. Er hat etwa die erste bäuerliche Direktvermarktung mitinitiiert. Überhaupt ist er sehr verankert im Kulturleben des 1480-Einwohner-Dorfs, das ein paar bekannte Personen beherbergt: Mit "Fastnachbar" Didi Constantini, dem Nationaltrainer, spielt der Minister in spe Fußball: "Als Spielmacher, offensives Mittelfeld." Skispringer Andreas Kofler könnte er auf eine seiner Skitouren am Stubai mitnehmen. Uni-Politik wäre auch daheim möglich: ÖH-Chefin Sigrid Maurer (Gras) ist Telferin.

Mit den Grünen war Töchterle engstens verbunden: 1994 hätte er überraschend in den Tiroler Landtag einziehen können, der Mann mit "dem Habitus des Wissenschafters", der sich selbst "sehr konziliant" beschreibt - und auch so beschrieben wird -, verzichtete "für die Wissenschaft" darauf, um 1996 doch gegen Johannes Voggenhuber als Spitzenkandidat für die EU-Wahl zu kandidieren. 2004 wurde der langjährige Gemeinderat mit der "Telfer Gemeinschaftsliste - Parteiunabhängige, Sozialdemokraten und Grüne" erneut in den Gemeinderat gewählt - und blieb dort bis 2007 bis zur Rektorswahl.

Eines wird sich künftig ändern: Das Fahrrad, mit dem der Ötztal-Marathon-Teilnehmer (240 Kilometer, 5500 Höhenmeter) ab dem Frühling täglich 20 Kilometer nach Innsbruck an die Uni und wieder nach Hause geradelt ist, wird er zum neuen Dienstort Wien "so oft wie möglich" gegen die Bahn tauschen. Uralt-Öko verpflichtet eben. (Lisa Nimmervoll, STANDARD-Printausgabe, 20.4.2011)

  • Vom Rektorat in die Regierung: Karlheinz Töchterle.
    foto: uni innsbruck

    Vom Rektorat in die Regierung: Karlheinz Töchterle.

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