Subventionen für Jobs, die ohnehin entstehen

Günther Oswald, 19. April 2011, 18:07

80 Prozent jener Arbeitnehmer, die vom Staat eine Lohnsubvention bekommen, würden ihren Job auch ohne den Zuschuss machen

In einer aktuellen Studie wird trotzdem vorgeschlagen, das Modell auszuweiten.

***

Wien - Gedacht hat sich der Staat das so: Bei bestimmten Jobs verdient man so wenig, dass niemand auf die Idee kommen würde, sie zu machen. Außer man gewährt zusätzlich zum Gehalt noch einen staatlichen Zuschuss. Seit Juli 2009 gibt es daher das neue Kombilohnmodell.

Menschen, die als schwer vermittelbar gelten und schon länger arbeitslos sind, bekommen vom AMS eine Beihilfe von 150 bis 300 Euro, wenn sie einen Job antreten, bei dem der Lohn nur zwischen 650 und 1700 Euro brutto liegt. Das Modell weist aber einige Schwächen auf, zeigt eine aktuelle Studie der Bildungsforschungsinstitute IBW und ÖIBF für das AMS, die dem Standard vorliegt.

So meinen 87 Prozent der befragten Frauen und 77 Prozent der Männer, dass sie auch ohne Lohnsubvention das Beschäftigungsverhältnis aufgenommen hätten. Gleichzeitig gaben 34 Prozent der Männer und 46 Prozent der Frauen an, dass sie auch auf längere Sicht ohne Unterstützung einen Job gefunden hätten. Bei den Arbeitgebern meinten 50 Prozent, sie hätten unabhängig vom Kombilohnmodell Leute aus der Zielgruppe eingestellt. Befragt wurden 300 Arbeitnehmer und 50 Arbeitgeber.

Die Experten sprechen von "ausgeprägten Mitnahmeeffekten", es wurde also etwas gefördert, das zum Teil ohnehin stattgefunden hätte. Als Fehler wird das Kombilohnmodell, das im Beobachtungszeitraum zwischen Juli 2009 und Juli 2010 von 4747 Personen genutzt wurde, dennoch nicht beurteilt. Im Gegenteil: Da drei Viertel der Beschäftigten auch nach Ende der Förderung im Betrieb bleiben können, wird von einem "wirksamen und zielgruppenadäquaten Instrument" gesprochen. In einigen Bereichen werden aber konkrete Änderungsvorschläge gemacht.

Zielgruppe Die Zielgruppe würde man auf alle Arbeitslosen ohne Altersbeschränkung ausweiten.

Neue Gehaltsuntergrenze Die Einkommensuntergrenze für die Subvention könnte weiter abgesenkt werden. Dadurch würden, heißt es, auch Personen profitieren, die nur wenige Stunden in der Woche arbeiten können. Dies berge aber auch die Gefahr "einer Verfestigung der Prekarisierung".

Neue Gehaltsobergrenze Als ungerecht wird auch die starre Gehaltsobergrenze angesehen. Bis zu 1500 Euro Bruttogehalt gibt es einen Zuschuss von 300 Euro, zwischen 1500 und 1700 nur mehr 150 Euro. Wer also knapp mehr als 1500 Euro verdient, hat inklusive Förderung weniger in der Tasche, als jemand, der 1499 Euro verdient. Vorgeschlagen wird daher eine Stufenregelung zwischen 1500 und 1700 Euro.

Arbeitgeberförderung Angeregt werden auch Anreize für die Arbeitgeber. Sie haben direkt vom Kombilohn nichts, können aber andere Förderungen beantragen. Vorgeschlagen wird daher, den Betrieben eine Eingliederungsbeihilfe zu gewähren, wenn sie jemand aus der Zielgruppe Kombilohn einstellen. Allerdings nur dann, wenn Fortbildungsprogramme angeboten werden.

Das ist nämlich eine weitere Schwäche des aktuellen Systems: Nur 13 Prozent haben während des Bezugs der Kombilohnbeihilfe an einem Qualifizierungsprogramm teilgenommen. Insgesamt waren von den 4747 Beziehern zwei Drittel Frauen, die Hälfte der geförderten Personen war älter als 50. Die Kosten des Programms lagen bei acht Millionen Euro. (Günther Oswald, DER STANDARD, Printausgabe, 20.4.2011)

KOMBILOHN

Personen über 50 Jahre, Wiedereinsteiger oder Behinderte werden maximal zwölf Monate gefördert, wenn sie zuvor ein halbes Jahr arbeitslos waren. Subventioniert werden Jobs mit einem Bruttolohn von 650 bis 1700 Euro. Bei einem Arbeitsausmaß von 16 bis 34 Stunden pro Woche beträgt der monatliche Zuschuss 150 Euro. Bei einer Vollzeitstelle gibt es bis zu einem Gehalt von 1500 Euro 300 Euro. Bei einem Gehalt zwischen 1500 und 1700 Euro sind es 150 Euro.

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Posting 1 bis 25 von 138
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warp.faktor
00
Ich dachte wir leben in einer Marktwirtschaft?

Wären das so, gäbe es keine Jobs die so schlecht bezahlt werden, dass sie keiner macht. Genau das wäre nämlich die Aufgabe des Marktes!

Wenn jemand möchte, dass solche Jobs gemacht werden, soll er dafür gefälligst auch so viel bezahlen, dass ein anderer davon leben kann. Private Extrawürste sind nicht die Aufgabe der SteuerzahlerIn!

Leider hat sich das AMS in den letzten Jahrzehnten zur Repressionsanstalt der Industriellenvereinigung entwickelt. Sie hat nach und nach durchgesetzt, dass Menschen Zwangsarbeitsverhältnisse eingehen müssen, von denen niemand leben kann.

Eigentlich eine kriminelle Vereinigung mit eindeutig finanziellem Interesse. Ein Glück für die IV, dass die ÖVP die Justizministerin stellt.

Hans Müller1
 
01
20.4.2011, 12:16
ES HANDELT SICH UM EINE BEFRAGUNG, KEIN FAKTUM

f'ck y all y little asses
03
20.4.2011, 12:05
genau solche firmen

die darauf spekulieren vom staat oder ams geld zu bekommen brauchts nciht - die sollen gefälligst höhre steuern zahlen

systemfehler1
05
20.4.2011, 11:26
Runter mit der Lohnsteuer

wär´ g´scheiter.

hanslblasta
00
21.4.2011, 16:42
in diesem Entlohnungssegment

zahlen viele gar keine Lohnsteuer ...

oder meinten Sie, dass bei geringen Löhnen auch die Betriebe keine Steuern zahlen sollten?
den Effekt kann man sich denken ...

Coach 99
20
20.4.2011, 11:40

Das wäre vernünftig!
Aber woher nimmt dann der Staat das Geld zum Verteilen?

warp.faktor
01
Ich hoffen von jenen ...

... die es sich leisten können. z.B. jene deren einzige Leistung im Umverteilen von Reichtum besteht. Jene deren "Leistung" der Gesellschaft Schaden zufügt z.B. Spekulanten, Lobbyisten, Waffenschieber, "Berater" etc.

Die sinnvollste Lösung: Finanztransaktionssteuer!

verinus
00
20.4.2011, 12:14

zuerst einmal sollt er weniger ausgeben und verteilen.

Coach 99
00
20.4.2011, 12:31

Ich wär der letzte, der dem nicht zustimmt.
Aber es ist leider so, dass sich die Leute in Ö sehr gern auf den Staat als Vollversorger verlassen.
Die LSt macht ca. 25% des gesamten Steueraufkommens aus. Bei einer spürbaren LSt Senkung würde einiges fehlen, auf das die Österreicher/innen und Gewerkschaften nicht verzichten würden. Und gewählt werden auch immer jene Parteien, die sich als Sozial bezeichnen.

John Doe IV
10
20.4.2011, 12:47
Seh ich auch so,

aber solange weiter Geld verteilt wird, wird sich daran nichts ändern.

Helicopterman
01
20.4.2011, 11:52

Wertschöpfungsabgabe, Kapitaltransfersteuer, entsprechende Versteuerung von arbeitslosen Einkünften, Erbschaftssteuer,....

moo7
00
20.4.2011, 11:19
Mich wuerde interessieren...

um welch jobs es sich hier konkret
handelt. Hat da irgendwer eine
Ahnung?

hanslblasta
00
21.4.2011, 16:45

alle vollversicherungspflichtigen, die in den oben angegebenen Zeit-und Entlohnungsrahmen fallen;

Ivan Bukov
06
20.4.2011, 11:12

Subventionen abschaffen, Arbeitsmark liberalisieren, Mindestlohn einfuehren.
Ein gewisser Stundenlohn(!) gehoert garantiert und ueberprueft, der Rest erledigt sich dann von selbst.

DocSnyder
 
15
20.4.2011, 10:43
ganz versteh ich das nicht..

...es gibt jobs für die man nur so ca 600 - 700 euro bekommt aber scheinbar brauchen wir (wer ist wir?) diese jobs aber so dringend dass sie vom staat gefördert werden müssen ?????
warum werden die jobs nicht einfach anständig bezahlt oder sind sie dann doch nicht so wichtig ?
in was für einem perversen wirtschaftsystem leben wir eigentlich ?

hanslblasta
00
21.4.2011, 16:47

das ist eine Frage der geltenden Kollektivverträge resp. "ortsüblichen" Entlohnung;

Ivan Bukov
10
20.4.2011, 12:28

Es ist tatsaechlich pervers. Hier werden nicht die Ursachen bekaempft sondern nur die Symptome.
Die Hauptursache ist naemlich die hohe Steuerlast selbst. Niedrigere Steuern wuerden automatisch zu mehr Arbeitsplatzen fuehren. Stattdessen werden Steuern hochgehalten, Beamten bezahlt, und Subventionen vergeben.
Eine andere Beschreibung waere nur mehr d*ppert...

hanslblasta
00
21.4.2011, 16:50
glauben Sie tatsächlich, dass niedrigere dienstgeberseitige Abgaben

in deutlichem Ausmaß als höhere Entlohnung an die DienstnehmerInnen weiter gegeben würde?

DocSnyder
 
10
20.4.2011, 13:09
das stimmt nur bedingt...

....fakt ist ja eigentlich dass wir gar nicht mehr so viel menschliche arbeitskraft benötigen in unsern volkswirtschaften als zur verfügung stehen.
ich geb ihnen zwar recht dass die steuern auf arbeit zu hoch sind diese schraube alleine zu drehen wäre aber auch nicht sinnvoll.
dann würde halt alles mögliche von irgendwelchen menschen gemacht werden weils billig ist (die frage ob das auch sinnvoll ist).
ich denke die steuern auf arbeit sollten gesenkt werden, dann bräuchte es sowas wie mindestlöhne und dann noch so etwas wie ein grundeinkommen für den für den keine klassische erwerbsarbeit mehr übrig bleibt.

dann wären wir in eine eingermassen sinnvolle richtung unterwegs. das würde auch den fortschritt fördern so ganz nebenbei

Coach 99
10
20.4.2011, 11:50

Weil das Preis-Lohnverhältnis nicht mehr passt.
Die Leute wollen zwar viel verdienen, sind aber nicht bereit, auch mehr für Produkte zu bezahlen.
Der Mensch (zumindest viele davon) ist nicht bereit, die Leistung des anderen anzuerkennen.
Man schimpft zwar immer über die Unternehmer, aber jeder ist auch selbst daran interessiert seinen 'Gewinn' zu maximieren indem er/sie einfach nur bereit ist günstig zu kaufen. Man nimmt lieber eine Putzfrau am Schwarzmarkt als dass man dieser Frau einen sozialversicherten Job vergönnt und damit wesentlich mehr bezahlt (Lohnnebenkosten + USt.). Man würde sich niemals einen von österreichischen Arbeitskräften, die auch noch gut bezahlt werden, produzierten Fernseher kaufen, weil es zu teuer wäre ...

keywords
07
20.4.2011, 10:32

"Angeregt werden auch Anreize für die Arbeitgeber. Sie haben direkt vom Kombilohn nichts, können aber andere Förderungen beantragen. "

stimmt garnet, die werden dadurch einfach den lohn nicht anheben müssen und zahlen weniger für die arbeit, die mehr kosten würde.

europa fassen
01
20.4.2011, 10:37

Einfach und richtig erkannt!

In anderen Zusammenhängen würde man mit Recht von Wettbewerbsverzerrung reden.
Oder man würde sagen, dass alte Strukturen durch die Subvention unnötig und teuer prolongiert werden. Die alte Struktur ist in diesem Fall das Lohndumpen.

Michail Bakunin
01
20.4.2011, 10:31

Och, unsere deutschen Nachbarn können das noch besser. Dort sind in fünf Jahren 50 Milliarden Euro (!) Subventionen in Niedrigstlohnjobs geflossen, von denen kein Mensch leben kann - ausgeschüttet an die Unternehmen, die die Menschen zu Dr*ckslöhnen ausbeuten. Nur komisch, dass man da nie die FDP und ihre liberalen Quacksalber nach "schlankem Staat" rufen hört. Keinen Cent Staatsförderungen an kapitalistische Privatunternehmen - dafür einen Mindestlohn in allen Branchen, von dem man leben kann!

www.leiharbeit-abschaffen.de
www.fau.org

Ivan Bukov
11
20.4.2011, 10:23

Tja das ist das Resultat von der unumstoesslichen Meinung dass der Staat erfolgreich jede erdenkliche Situation erfolgreich beeinflussen koennte.

system1
10
20.4.2011, 10:12
anhand des beispiels der gehaltsobergrenzen (siehe oben)

wird deutlich, dass das system einzig darauf ausgerichtet ist, die leute am boden zu halten. detto bei steuersystemen (progression!). wie kann es sein dass wenn jemand mehr leistet (mehr verantwortung etc.) möglicherweise weniger herausbekommt als wenn er weiter seinen alten hilfshacklerjob macht? wie geht sowas? steuern detto. einzig gemacht für superreiche. wenn ich 1 mio im monat verdiene kann ich locker 50% steuern zahlen. aber 34% bei 4.000 ist schon eine zumutung!

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