Die Flüchtigkeit des Glücks

19. April 2011, 17:16
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Klaus Haberls "Lieblinge des Himmels" in der Theaterwerkstatt Niederösterreich

Die Empfangshalle eines Hotels, ein Rezeptionstisch, Polstermöbel und altmodische Tapeten: Die Menschen, die hier ein- und ausgehen, suchen nach dem Glück. Klaus Haberls Stück Lieblinge des Himmels feierte nun in der Regie des Autors im Landestheater Niederösterreich Premiere.

Haberl versammelt 14 Personen: Ein hitzköpfiger Dichter freundet sich mit dem Liftboy an. Ein Taxifahrer erzählt von Frau und Hund, ein Paar durchspielt Liebeskonzepte. Eine Studentin versucht Geborgenheit in sich selbst zu finden, ein Model bricht mit seiner Agentin. Eine Pensionistin und ihr Muttersohn erkennen durch die Begegnung mit einem Soldaten das Ungleichgewicht ihres Verhältnisses. Eine Reinigungsfrau, der Rezeptionist und der Hotelbesitzer komplettieren das Ensemble.

Lieblinge des Himmels ist kein Stück zum Eintauchen: Der Spielort bleibt ein Spielort, die Figuren, wenngleich gekonnt dargestellt, bleiben Figuren. Die schnell wechselnden Szenen, deren Stimmung bedrückend, verhalten komisch oder hoffnungsvoll ist, erzeugen keine Illusion realer Menschlichkeit. Die Dialoge und Monologe, die zuweilen auch kryptisch ausfallen, vermitteln keine Authentizität. Die spröde Künstlichkeit des Stücks muss jedoch nicht stören, ist ja auch das Glück an sich eine abstrakte Größe. Haberls Werk regt jedenfalls zum Nachdenken an.

Lieblinge des Himmels gibt keine Antwort darauf, was das Glück ist und wie es zu finden ist. Aber es zeigt aller Lebensschwere zum Trotz eine Richtung auf: Der erste Schritt zum Glück mag es sein, sich in unserer Verurteilung zur Freiheit immer wieder aufs Neue für den Weg zu entscheiden, der richtig erscheint. (zeit/DER STANDARD, Printausgabe, 20. 4. 2011)


Theaterwerkstatt Niederösterreich, 27., 28., 29. und 30. 4., jeweils 19. 30

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