Köln-Trainer mag nicht mehr

19. April 2011, 18:23
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Nachdem sein Privatleben an die Öffentlichkeit gezerrt worden war, gab Frank Schaefer seinen Abschied zu Saisonende bekannt - Stanislawski als Steuermann für Kursänderung in Hoffenheim

Köln/Hoffenheim - Das Trainerkarussell der deutschen Fußball-Bundesliga dreht sich weiterhin auf Hochtouren. Am Dienstag gab Frank Schaefer seinen Rückzug zu Saison-Ende  beim 1. FC Köl bekannt.  Exakt 88 Minuten präsentierte 1899 Hoffenheim wie erwartet  Holger Stanislawski als neuen Übungsleiter ab Sommer.  Die Zahl der Jobwechsel in dieser Spielzeit stieg damit auf 17.

Über Schaefers Abschied war in den letzten Tagen bereits heftig spekuliert worden. Immer wieder hatte er in den vergangenen Tagen Fragen zu seinem Privatleben beantworten müssen, nachdem Sportdirektor Volker Finke die Religiosität des Trainers mit dessen Vertragsverlängerung in Verbindung gebracht hatte. Mitglieder seines ehemaligen Bibelkreises wurden von Journalisten kontaktiert, was Schaefer hochgradig irritierte. Zudem sickerten aus der Mannschaftskabine Interna an die Presse durch.

"Die letzten sechs Monate waren sehr intensiv und haben mich viel Kraft gekostet, vor allem durch die Intensität, mit der ich diesen Job lebe", sagte Schaefer am Dienstag. "Ich hatte das Gefühl, dass ich den Verein belaste - deshalb bin ich zum Präsidium gegangen." Erst im vergangenen Oktober war der damalige U23-Betreuer nach der Entlassung von Zvonimir Soldo zum Cheftrainer der Kölner befördert worden.

Die Klubverantwortlichen reagierten überrascht über Schaefers Entschluss, obwohl sich der Abschied abgezeichnet hatte. "Ich habe nicht für möglich gehalten, dass jemand private Gründe nennt, um diesen Job aufzugeben", sagte Präsident Wolfgang Overath. Dabei hatte er selbst hatte zuletzt Zweifel an seinem Vertrauen in den Trainer aufkommen lassen.  "Wir haben alles versucht, Frank davon zu überzeugen, dass er der Beste für den 1. FC Köln ist. Doch wir hatten keine Chance", so Overath weiter. Plan B gibt es angeblich keinen, Gerüchte über eine Kontaktaufnahme mit Michael Skibbe (zuletzt Frankfurt) sind trotzdem im Umlauf. Skibbe soll sich bereits zu Verhandlungen in Köln aufgehalten haben.

Der FC, der unter Schaefer einen Aufschwung erlebte und zuletzt scheinbar in ruhigen Fahrwassern kreuzte, kam nach deprimierenden Leistungen (und Niederlagen) in Gladbach sowie zu Hause gegen Stuttgart wieder unter Druck. Die Mannschaft liegt zwar in der Tabelle auf Platz zwölf, der Vorsprung auf den derzeit von Wolfsburg okkupierten Relegationsplatz 16 beträgt jedoch nur sechs Punkte.

Hoffenheim hofft auf Sympathie-Dividende

Hoffenheim (David Alaba, Andreas Ibertsberger) hat seinen neuen Mann im Unterschied zu den Rheinländern bereits gefunden, wenig überraschend heißt er Stanislawski. Dieser betreut bis zum Ende der laufenden Spielzeit noch  St. Pauli und kämpft mit seinem Team gegen den Abstieg. Bereits am 13. April hatte das Pauli-Urgestein, das beinahe 20 Jahre im Verein verbrachte, in einem emotionalen Auftritt seinen bevorstehenden Abschied verkündet. Stanislawski folgt in Hoffenheim dem scheidenden Marco Pezzaiuoli und erhält einen Vertrag bis 2014. Vorgestellt wird er aus Respekt vor seinem derzeitigen Arbeitgeber erst nach Saisonende.

"Holger Stanislawski gehört zweifelsfrei zu den außergewöhnlichen Trainerpersönlichkeiten der Bundesliga", sagte Hoffenheims Manager Ernst Tanner. "Er versteht es, junge Talente an den Profifußball heranzuführen." Der Klub strebt mit dem beliebten Stanislawski einen Imagewechsel an. Hoffenheim soll nach den Wünschen von Mäzen Dietmar Hopp ein Ausbildungsklub mit größerem Identifikationspotenzial für die Fans werden. Milliardär Hopp, der nach eigenen Angaben bereits 240 Millionen Euro investiert hat, will sein Engagement im Verein sukzessive reduzieren

Den Werdegang Stanislawskis würdigte Hopp bereits vor dessen Verpflichtung. "Er hat auf St. Pauli aus wenig Mitteln viel gemacht. Ich sage nicht, dass wir wenig Mittel haben, aber ich denke, dass er aus dem, was wir haben, das Optimale herausholt."

Was aus Pezzaiuoli wird ist offen. Der ehemalige U17-Nationaltrainer schloss zuletzt eine Rückkehr zum Deutschen Fußball-Bund (DFB) aus. "Mein Ziel ist es, weiter Trainer in der Bundesliga zu bleiben", sagte er. (sid/rob)

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    Frank Schaefer (li) und Kölns Sportdirektor Volker Finke haben einander nicht mehr viel zu sagen.

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