RLB NÖ-Wien 2010 mit Gewinnsprung

19. April 2011, 14:11
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80 Prozent mehr Nettogewinn im Konzern - Bankensteuer trifft mit 15,5 Millionen pro Jahr

Wien - Die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien - größte der Raiffeisenlandesbanken in Österreich - peilt für 2011 einen Konzern-Nettogewinn von 325 bis 330 Mio. Euro an. Vorstandschef Erwin Hameseder sprach nach dem ersten Quartal von "starkem Rückenwind". Die heuer erstmals eingehobene österreichische Bankensteuer wird die RLB mit 15,5 Mio. Euro pro Jahr treffen. Dieses Geld sei damit einer Ausschüttung oder Rücklagenstärkung entzogen, meinte Hameseder bei der Bilanzpressekonferenz. "Aber selbstverständlich bekennt sich dieses Haus zur Budgetsanierung." Einen Gewinnsprung um 80 Prozent im Jahr 2010 dankt die Bank vor allem der Beteiligung an der Raiffeisen Zentralbank (RZB). Dort ist die RLB mit 31 Prozent größte Aktionärin.

Stichwort Budgetsanierung: Dass in die Chefetage der RLB jetzt ein ehemaliger Finanzminister einzieht, schloss Hameseder auf Nachfrage heute dezidiert aus. Ob der wegen einer Lungenembolie zurückgetretene Ex-Finanzminister Josef Pröll in der Gruppe der Raiffeisen Holding landet, dazu meinte Hameseder, dass er heute nur für die Bank spreche und erst nächste Woche Holding-Pressekonferenz sei. "Es hat bis dato kein einziges Gespräch gegeben." Es sei im übrigen nicht so einfach wie viele glaubten, so einfach von der Politik in eine Bank zu wechseln oder umgekehrt.

Wie die Bank am Dienstag bekannt gab, lag das Betriebsergebnis 2010 mit 341,9 Mio. Euro um 57,8 Prozent über Vorjahr. Um 98,3 Prozent oder 127 Mio. Euro auf 256,4 Mio. Euro legte das Ergebnis aus "at equity" bilanzierten Unternehmen zu, wovon der Löwenanteil davon von der Beteiligung an der RZB stammt.

Als Nettogewinn weist der Bankkonzern (Bilanzsumme: 32,68 Mrd. Euro) nach IFRS-Bilanzierung 308,6 Mio. Euro aus, ein Zuwachs um 80,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr (170,9 Mio. Euro).

Laut Hameseder waren neben der Haupteigentümerschaft an der RZB der im Kerngeschäft wichtigste Ertragsbringer, der Zinsüberschuss aber auch das Provisionsgeschäft und die Beteiligungen an Netzwerkbanken in den Nachbarländern Ergebnisträger.

Im Einzelabschluss der RLB (AG) gab es beim Betriebsgewinn ein Plus um 10 Prozent auf 232 Mio. Euro, der Nettogewinn lag bei 134,7 (Vorjahr: 124) Mio. Euro. Die Bilanzsumme der AG lag zum Ultimo bei 30,1 Mrd. Euro.

Dass sich in der AG die Vorsorgen und Abwertungen weiter auf 70,4 (Vorjahr: 63,9) Mio. Euro bewegten, lag laut Hameseder an umfangreichen Reservebildungen. Im Konzernabschluss gingen die Risikovorsorgen von 66 auf 29,7 Mio. Euro zurück.

Freundlichste Bank der Welt

In Wien habe Raiffeisen 2010 jeden Tag 40 neue Kunden gewonnen. Jeder achte Wiener sei Kunde von Raiffeisen und jeder dritte Gewerbekunde. In Wien-Liesing läuft ein Pilotversuch für die Samstagöffnung. Hameseder: "Wir sind dort, wo unsere Kunden sind und sperren dann auf, wann unsere Kunden Zeit haben." Vizechef Georg Kraft-Kinz will Raiffeisen "zur freundlichsten Bank der Welt" machen.

Raiffeisen vergebe Einlagen aus der Region wieder als Kredite in der Region. "Das Geschäftsmodell hat uns stark und krisensicher gemacht", sagte Hameseder. Er will deshalb auch im Mitte des Jahres aus Brüssel erwarteten Entwurf für die Basel-III-Kapitalregeln die regionalen Universalbanken nicht mit global tätigen Investmentbank gleichbehandelt wissen. "Basel III belastet zu wenig die spekulativen Geschäfte." Die RLB selbst kam im Konzern Ende des Jahres auf 9,1 Prozent (Vorjahr 8,6 Prozent) Kernkapital bezogen auf das Gesamtrisiko.

Ohne Zweifel in der "Familie" bleiben wird der 6-Prozent-Anteil der ÖVAG an der RZB, wenn die Volksbanker verkaufen. Hameseder ist als RZB-Hauptaktionärsvertreter Syndikatsführer und auch für diese Gespräche zuständig. Zur alles entscheidenden Preisfrage erinnerte er daran, dass es zur vorjährigen Fusion RZB/Raiffeisen International drei Bewertungsgutachten gab. Nähme man die zur Basis, könne man sich relativ rasch einigen. Die Raiffeisen-Landesbanken haben ein Vorkaufsrecht auf das Paket von der ÖVAG. "Bis jetzt ist nie eine einzige Aktie nach außen gegangen." (APA)

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