Kritik an aggressiver Preispolitik des Handels

19. April 2011, 14:08
6 Postings

Verbandschef der Molkereien kritisierte erneut die Preis- und Eigenmarkenpolitik der Handelsketten

Wien - Die österreichischen Molkereien haben im Jahr 2010 mehr Geschäft gemacht: Der Umsatz legte aufgrund höherer Milchpreise und einer gestiegenen Verarbeitungsmenge um 5 Prozent auf 2,08 Mrd. Euro zu. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) ging aber leicht von 1,8 Prozent der Betriebsleistung im Jahr 2009 auf 1,5 Prozent zurück. Die Molkereien hätten die gestiegenen Milchpreise nicht vollständig an den Handel weitergeben können, sagte der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM) und Chef der Kärntner Milch, Helmut Petschar, am Dienstagvormittag in Wien.

Für 2011 erwartet Petschar "stabile bis leicht steigende Milchpreise". Den Milchpreis für die Bauern inkl. Steuern sieht er im Sommer bei 40 Cent/kg. Die Eigenmarken-Milch der Handelsketten werde im Einzelhandel bald um "5 Cent nach oben gehen".

Der Strukturwandel bei den Milchbauern hat sich auch im Jahr 2010 weiter fortgesetzt. Die Zahl der Milchlieferanten ging 2010 um 3,2 Prozent auf 36.700 zurück. Die durchschnittliche Milchanlieferung stieg um 6 Prozent 75.779 kg pro Jahr und Milchbauer. Wegen gestiegener Energie-, Treibstoff und Futtermittelpreise werde es für die Milchbauern aber weiterhin schwierig bleiben, so Petschar.

Die heimischen Milchbauern profitierten 2010 von gestiegenen Milchpreisen, nachdem sie im Jahr davor deutliche Einkommenseinbußen hinnehmen mussten. Die österreichischen Molkereien haben die Auszahlungspreise für Milch mit natürlichen Inhaltsstoffen (inkl. Mehrwertsteuer) von 32,48 Cent/kg auf 35,52 Cent/kg im Jahr 2010 (plus 9,4 Prozent) erhöht. Der Preis für Milch mit 3,7 Prozent Fettgehalt (ohne Steuern) stieg von 27,69 auf 30,34 Cent/kg und schnellte im Jahr 2011 auf knapp 34 Cent.

Milchmarkt stabilisiert

Der europäische Milchmarkt habe sich 2010 unter anderem wegen eines geringeren Exportdrucks aus Neuseeland und einer gestiegenen Nachfrage stabilisiert, so der VÖM-Präsident. Neuseeländisches Milchpulver werde verstärkt in China nachgefragt. In Österreich habe es eine stabile Nachfrage nach Milchprodukten gegeben und die österreichischen Milch- und Käseexporte seien 2010 um 6,6 Prozent auf 904,7 Mio. Euro gestiegen.

Die Milchanlieferung lag 2010 mit 2,709 Mio. Tonnen mit 4,19 Prozent durchschnittlichen Fettgehalt um 2,7 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Die österreichischen Milchbauern müssen eine Strafe von rund 20 Mio. Euro wegen Überlieferung der Milchquote (Superabgabe) nach Brüssel zahlen, rechnet Peschar vor.

Der Verbandschef kritisierte erneut die Preis- und Eigenmarkenpolitik der Handelsketten: "Die aggressive Preispolitik des Handels geht zulasten der Bauern", sagte Petschar. Er sei für eine Wertediskussion über den Preis von Lebensmitteln, unter anderem weil Getränke wie Bier und Energy Drinks deutlich teurer seien als Frischmilch. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Milchpreise sind leicht gestiegen, wovon auch die Milchbauern profitieren. Den Molkereien ist die Preispolitik des Handels ein Dorn im Auge.

Share if you care.