"Angewandte Ernährungsmedizin" in Graz gestartet

19. April 2011, 12:55
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Österreichs erster gemeinsamer Lehrgang soll Arbeit zwischen Diätologen und Ärzten erleichtern

Graz - Getreu dem Motto "Du bist, was du isst" hat dieser Tage Österreichs erster gemeinsamer Lehrgang von Universität und Fachhochschule mit 20 Ärzten und Diätologen begonnen. Sie studieren von nun an "Angewandte Ernährungsmedizin" an der Med-Uni Graz und an der FH Joanneum. Am Dienstag gaben die Rektoren Einblicke in die Beweggründe des postgradualen Master-Lehrgangs, der über die "Grenzen des eigenen Hauses hinweg" ins Leben gerufen wurde.

FH-Rektor Karl P. Pfeiffer hob den Stellenwert des Lehrgangs hervor, denn noch nie seien so viele "oft dubiose Fehlinformationen über Ernährung" durch diverse Kommunikationswege verbreitet worden. Immer mehr junge Menschen würden an Mangelerkrankungen leiden und die richtige Ernährung für verschiedenste Spitalpatienten zu finden, liege an zwei verschiedenen Berufsgruppen: Ärzten und Diätologen. Diese müssten sich abstimmen, wenn zum Beispiel ein Patient Essen über eine Magensonde bekommt und gleichzeitig Insulininjektionen, erklärte Hermann Toplak von der Universitätsklinik für Innere Medizin. Er ist gemeinsam mit Elisabeth Pail vom Bachelor-Studiengang "Diätologie" der FH Joanneum im Leitungsteam des Master-Lehrgangs.

Synergien entdecken

Josef Smolle, Rektor der Med-Uni, sah die Zusammenarbeit befruchtend, denn die Grundausbildung der Ärzte sei auf der Medizinischen Universität, die der Diätologen auf der FH. Im gemeinsamen Lehrgang könnten die beiden Berufsgruppen Synergien entdecken, um in der Praxis besser zu kooperieren. Im Alleingang hätte keine der Hochschulen mangels Lehrenden das Studienangebot auf die Beine stellen können, so die Rektoren.

Für die Fachhochschule Joanneum seien weitere gemeinsame Lehrgänge mit anderen Hochschulen wie etwa der Technischen Universität Graz nicht ausgeschlossen: "Es gibt immer weniger Geld für die Hochschulen, da geht es auch immer weniger um Konkurrenz, sondern um Zusammenarbeit," erklärte Pfeiffer.

Die Aufnahme in den neuen Lehrgang erfolgt nach schriftlicher Bewerbung und Aufnahmegespräch. Pro Semester wird eine Gebühr von 2.900 Euro eingehoben, die laut Toplak teilweise vom Dienstgeber und teilweise von den Teilnehmern selbst aufgebracht wird. Um ein berufsbegleitendes Studium zu ermöglichen, werden "Blockwochen" organisiert, wovon vier Wochen an der Med-Uni Graz und vier Wochen an der FH Joanneum in Bad Gleichenberg abgehalten werden, einzelne Teile werden über E-Learning-Angebote vermittelt. Der Lehrgang dauert vier Semester, erst nach dem ersten Abschluss 2013 beginnt der nächste. (red)

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