Produkt-Dickicht bei Reiseversicherungen

19. April 2011, 11:59
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Kaum Durchblick im Angebots-Dschungel - Manche Risiken schon durch bestehende Versicherungen, Kreditkarten oder Mitgliedschaften abgedeckt

Wien - Das Angebot der Reiseversicherungen ist sehr unübersichtlich, hat die Arbeiterkammer (AK) bei einem Test bei 16 Reiseversicherern ermittelt. Bei einem Tsunami oder Erdbeben bieten etwa einige Versicherer einen kostenlosen Heimtransport an, einzelne nicht und einige nur, wenn es medizinisch nötig ist. Aber auch bei wohl häufiger eintretenden Fällen wie Storno der Reise, Unfällen oder Erkrankungen sind die Bedingungen unterschiedlich. Konsumenten sollten daher die Versicherungsbedingungen genau studieren, sowohl bei klassischen Reiseversicherungen als auch bei Kreditkarten mit Versicherungsschutz und Versicherungen der Autofahrerclubs.

"Ein Reiseschutz sollte daher gut überlegt sein", rät AK-Konsumentenschützerin Manuela Delapina. Konsumentinnen und Konsumenten sollten nicht nur auf die Prämie schauen, sondern auch die Leistungen genau unter die Lupe nehmen und prüfen, inwieweit Risiken einer Reise nicht schon durch bestehende Versicherungen, Kreditkarten oder Mitgliedschaften abgedeckt sind.

Die AK hat im März die gängigsten Reiseversicherungsangebote untersucht: vier Kreditkartenfirmen (American Express, Diners, PayLife und card complete), drei Versicherer (Europäische Reiseversicherung, Mondial Assistance, Wiener Städtische), sechs Reiseveranstalter (ITS-Billa, Gulet Touristik, Neckermann, TUI, Jahn Reisen, 1-2-Fly), Internationale Flugrettung Austria (IFRA), ÖAMTC und ARBÖ.

Versicherungsschutz ist unterschiedlich

Der Versicherungsschutz ist von Anbieter zu Anbieter verschieden. Eine Rolle spielt zum Beispiel, ob die Versicherten den gleichen Wohnsitz haben oder wie lange die Versicherten mindestens zusammenleben. Klassische Reiseversicherungen, etwa die Europäische Reiseversicherung oder Mondial Assistance, bieten viele verschiedene Pakete an - vom einmaligen Reiseschutz bis zum Jahres-Reiseschutz für die verschiedensten Risiken, zum Beispiel Storno. Bei Kreditkarten hängt der Versicherungsschutz oft davon ab, wann die Karte zuletzt verwendet wurde, ob man Hotel und öffentliches Verkehrsmittel mit der Kreditkarte bezahlt hat oder mit dem eigenen Auto anreist.

Die Reiseversicherungen der Autofahrerclubs (ÖAMTC und ARBÖ, nur für Mitglieder) bieten beispielsweise eine Auslandskranken- oder eine Krankenrücktransport-Versicherung an. Es gibt auch noch zahlreiche zusätzliche Leistungen, zum Beispiel Fahrzeugrückholdienst in Österreich und aus dem Ausland oder Pannenhilfe im Ausland.

Auch die Reiseveranstalter bieten meist zur Reisebuchung auch eine Versicherung an. Zumeist werden Stornokosten bis zu 100 Prozent übernommen. Einige Reiseveranstalter haben laut AK heuer die Prämien für die Reiseversicherung erhöht, aber die Summen für die wichtigsten, versicherten Leistungen nicht verbessert.

Die Internationale Flugrettung ist auf Rettungsflüge mit laufender medizinischer Überwachung spezialisiert. Voraussetzung für die Versicherungsleistung aus der IFRA Vorteilscard ist eine Jahres-Mitgliedschaft.

Einige AK-Tipps: Vor Abschluss der Versicherung sollte der Versicherungsbeginn geprüft werden. Wenn dieser erst auf den Tag der Abreise festgelegt ist, sind Reiserücktritte vor diesem Tag nicht versichert. Die Versicherungssummen sind oft zu gering, um den gesamten Schaden zu decken. Wenn für einzelne Gegenstände eine "angemessene Verwahrung" vorgeschrieben wird, muss ein Safe im Hotelzimmer auch verwendet werden. Wertvolle Gegenstände, etwa Fotoapparate, sollten bei Flugreisen im Handgepäck transportiert werden, sonst sind sie meist nicht versichert. Bei der Gepäckversicherung wird fast immer nur der Zeitwert ersetzt. Vor Abschluss der Versicherung sollte man auch klären, ob eine allfällige Bearbeitungsgebühr verrechnet wird, falls man die Versicherung braucht. (APA)

  • Der Reiseversicherungs-Test ist im Internet nachzulesen.


Foto: ÖAMTC
    foto: öamtc

    Der Reiseversicherungs-Test ist im Internet nachzulesen.

    Foto: ÖAMTC

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