UniCredit treibt Osteuropa-Geschäft über Österreich an

19. April 2011, 17:26
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Der Mailänder Bankkonzern UniCredit plant 900 neue Filialen in Süd- und Osteuropa. Die Expansion wird über Österreich abgewickelt

Die geplante UniCredit-Expansion in Süd- und Osteuropa geht über die Bank Austria. 900 neue Filialen will der Mailänder Bankkonzern innerhalb der kommenden fünf Jahren gründen: Davon sind 300 in der Türkei, 300 in Rumänien und weitere 300 gemeinsam in der Tschechischen Republik, in der Slowakei und Slowenien vorgesehen. "Infolge des Bank-der- Regionen-Vertrags unterliegt die Expansion der Bank Austria", bestätigte auch ein Banksprecher.

Inzwischen wandelt sich die Bank-Austria-Mutter UniCredit mehr und mehr von einem internationalen Player zu einer auf Italien fokussierten Bank. Dies bestätigte auch Bankchef Federico Ghizzoni in einem Gespräch mit der Mailänder Wirtschaftszeitung Il Sole - 24 Ore. Der Schwerpunkt des Instituts liege derzeit darin, das Wachstum der heimischen Unternehmen zu fördern und die Industriepolitik zu unterstützen.

UniCredit hat sich auch verpflichtet, den Molkereikonzern Parmalat vor einer französischen Übernahme zu schützen und trägt wesentlich zur Rettung des angeschlagenen Versicherungskonzerns FonSai bei. "Die Zeiten haben sich geändert", begründete der Bankchef die neue Strategie. Er zieht auch die Möglichkeit in Erwägung, enger mit der Generali zusammenzuarbeiten. UniCredit zählt mit acht Prozent Anteilen zu den wichtigsten Aktionären des Triestiner Versicherers.

Neuer Geschäftsplan

Die Gerüchte über eine mögliche Kapitalerhöhung bei UniCredit werden in Mailänder Finanzkreisen vorerst lauter, obwohl CEO Ghizzoni eine entsprechende Kapitaloperation dementierte. Er meinte, mit einer harten Kernkapitalquote Tier 1 von 8,4 Prozent erfülle die Bank vorerst die Bedingungen von Basel III. Ghizzoni kündigte für die zweite Jahreshälfte einen neuen Geschäftsplan an. Investmentbanken wie Goldman Sachs sind der Ansicht, dass die Bank spätestens zur Jahreswende eine Kapitaloperation bekanntgeben werde. Denn auch UniCredit- Konkurrent Intesa Sanpaolo hat nach anfänglichen Dementis vor kurzem eine Kapitalerhöhung von fünf Mrd. Euro bekanntgegeben.

Nicht nur der Druck der Zentralbank, auch der vorerst ad acta gelegte Verkauf des Vermögensverwalters Pioneer spricht für eine Kapitalerhöhung. Allerdings nahm UniCredit in den vergangenen drei Jahren sechs Mrd. Euro frisches Kapital auf. Ghizzoni bestätigte, dass Assets aus dem Investment-Banking und auch die Beteiligungen in den Baltischen Staaten verkauft werden könnten. (Thesy Kness Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD; Printausgabe, 20.4.2011)

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