Töchterle wird neuer Wissenschaftsminister

19. April 2011, 11:02
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Karl wechselt ins Justizministerium - Innsbrucker Uni-Rektor übernimmt ihr Amt

Da die derzeitige Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) Justizministerin werden soll, muss auch ihr Posten nachbesetzt werden. Zum Zug kommt der Rektor der Universität Innsbruck, Karlheinz Töchterle. Er ist seit 2007 Rektor und wurde im Herbst wiedergewählt. Im Laufe seiner Amtszeit hat er sich für die Wiedereinführung von Studiengebühren und für "aussagefähige Tests und persönliche Gespräche" vor der Aufnahme an den Unis ausgesprochen. Der Tiroler saß 15 Jahre lang im Gemeinderat in Telfes und hätte 1994 mit einem Ticket der Grünen in den Tiroler Landtag einziehen können. Er verzichtete auf das Mandat.

Die Rektoren sehen den neuen Wissenschaftsminister als Verbündeten. Der bisherige Rektor der Universität Innsbruck wisse, wie der Hase läuft und müsse sich nicht einarbeiten, hieß es aus Rektorenkreisen. Der Chef der Universitätenkonferenz, Hans Sünkel, will gleich morgen, Mittwoch, bei einer Pressekonferenz in Wien seine Forderungen an den Neo-Minister artikulieren. Er ortet im zum Beschluss anstehenden Bundesfinanzrahmen eine "historische Chance für die neue Bundesregierung".

ÖH: "Für angemessene Hochschulfinanzierung kämpfen"

Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) sieht die Latte für den neuen Wissenschaftsminister "nach den VorgängerInnen Gehrer, Hahn und Karl nicht sehr hoch liegen". "Wir erleben nun den dritten Minister innerhalb von zwei Jahren und erwarten uns endlich Taten anstatt reiner Ankündigungspolitik", so ÖH-Chefin Sigrid Maurer in einer Aussendung. Töchterle kenne die Zustände an den Universitäten, er müsse für eine angemessene Hochschulfinanzierung kämpfen und alles dafür tun, dass Österreich seine Studentenzahlen weiter steigern könne. Die Studentenvertreter hoffen, dass er "genug innerparteiliche Durchsetzungskraft hat, um sich gegen die Betonierer in der ÖVP durchzusetzen", sollte er "Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren zu seinem politischen Steckenpferd machen, hat er mit Widerstand zu rechnen".

GRAS fordert Kurswechsel, VSStÖ mehr Einsatz für Soziales

"Töchterle muss so schnell wie möglich die Reform des Beihilfensystems in Angriff nehmen. Die Studierenden brauchen endlich einen Wissenschaftsminister der auf der Seite der Studierenden steht und sich für deren soziale Absicherung einsetzt", sagt die Vorsitzende des VSStÖ (Verband Sozialistischer StudentInnen) in einer Aussendung und fordert vom neun Wissenschaftsminister eine Ausfinanzierung der Hochschulen. 

"Mit Töchterle kommt auf jeden Fall ein umgänglicherer Wissenschaftsminister als es Beatrix Karl war", glauben die grünen Studierendenvertreter der GRAS (Grüne & Alternative StudierendtInnen). Deren Spitzenkandidatin für die ÖH-Wahl, Janine Wulz, fordert von ihm einen Kurswechsel in Sachen Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen.

Oskar Polak, Spitzenkandidat vom Ring Freiheitlicher Studenten (RFS), erwartet von Töchterle "kreativere Lösungen als von seinen Vorgängern". "Wir wollen Prüfungstermine in den Ferien, mehr Lehrveranstaltungen an Wochenenden und Vorlesungen als Podcast", so Polak.

Gratulation von Cortolezis-Schlager

Die ÖVP-Wissenschaftssprecherin Katharina Cortolezis-Schlager gratuliert in einer Aussendung ihrem neuen Kollegen. "Michael Spindelegger hat eine gute Entscheidung getroffen", glaubt sie. (red, APA, derStandard.at, 19.4.2011)

  • Erst im Herbst wurde Töchterle als Rektor in Innsbruck wiedergewählt.
    foto: standard/newald

    Erst im Herbst wurde Töchterle als Rektor in Innsbruck wiedergewählt.

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