Zweifel an US-Bonität lastet auf Finanzmärkten

19. April 2011, 18:06
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Die Standard & Poor-Drohung, dem weltgrößtem Schuldner die Bestnote zu entziehen, schlug hohe Wellen

Die Schuldenkrise droht nach Europa nun auch die USA zu erfassen. Die mächtige Rating-Agentur Standard & Poor's warnte den weltgrößten Schuldner am Montag überraschend vor einem Entzug der Bonitäts-Bestnote "AAA", indem sie den Ausblick für die Bewertung der Kreditwürdigkeit auf "negativ" senkte.

An den Finanzmärkten schlug die Entscheidung hohe Wellen: Die Börsen beiderseits des Atlantiks gaben am Montag deutlich nach, der Dollar und US-Staatsanleihen verloren an Wert. Dagegen verteuerte sich Gold, das als sichere Anlage in Krisenzeiten gilt, auf einen Rekordwert. Die Zweifel an der Kreditwürdigkeit trieben den Goldpreis fast auf die Marke von 1.500 Dollar. Asiens Börsen konnten sich dem Sog nicht entziehen und schlossen ebenfalls im Minus.  Heute Dienstag ebbte die Schockwelle in Europa aber ab. Die Börsen konnten sich von den Vortagsverlusten weitgehend erholen.(siehe dazu: Marktberichte).

"Mehr als zwei Jahre nach Beginn der aktuellen Krise haben sich die US-Politiker noch immer nicht geeinigt, wie sie den finanzpolitischen Abwärtstrend umkehren oder den langfristigen Finanzdruck angehen", begründete S&P gestern die Entscheidung. Die Wahrscheinlichkeit eines Verlusts der Bestnote innerhalb von zwei Jahren bezifferte S&P auf mindestens ein Drittel.

Große Haushaltsdefizite

Die USA hätten im Vergleich zu anderen Ländern mit der Bestnote "AAA" - wie etwa Deutschland - sehr große Haushaltsdefizite, erklärte S&P. "Wie diese reduziert werden sollen, ist uns nicht klar."

Die US-Regierung antwortete mit scharfer Kritik auf die Drohung von S&P. "Der negative Ausblick unterschätzt die Fähigkeit der Führer Amerikas, gemeinsam die schwierigen finanzpolitischen Herausforderungen anzugehen, vor denen die Nation steht", erklärte Finanzstaatssekretärin Mary Miller. Die beiden großen politischen Lager stimmten darin überein, das Staatsdefizit zu senken.

Zwischen Demokraten und Republikanern besteht zwar grundsätzlich Einigkeit darüber, dass das ausufernde Defizit dringend reduziert werden muss. Allerdings hat der erbitterte Streit über die Schuldengrenze erst in den vergangenen Wochen erneut gezeigt, dass die Vorstellungen über das konkrete Vorgehen weit auseinanderliegen.

US-Präsident Barack Obama hofft indes auf eine parteiübergreifende Einigung zum Defizitabbau. Obama gehe davon aus, dass eine breite Übereinkunft möglich sei, sagte Regierungssprecher Jay Carney im Weißen Haus. Die Politik werde die Zweifel der Agentur widerlegen.

Dringender Handlungsbedarf

Der Chef des weltgrößten Anleihe-Investors Pimco, Mohamed El-Erian, sieht nun dringenden Handlungsbedarf für die Politik in Washington. "Diese neue Warnung, diesmal von S&P, unterstreicht die Notwendigkeit für die USA, ihr finanzpolitisches Schicksal stärker in die Hand zu nehmen, wenn sie höhere Kosten für die Kreditaufnahme vermeiden und ihre zentrale Rolle als Herzstück der Weltwirtschaft behalten wollen", betonte er. Die Allianz-Tochter hält insgesamt Wertpapiere im Volumen von 1,2 Bill. Dollar.

Wegen der Finanzkrise und der von ihr ausgelösten schwersten Rezession der Nachkriegszeit hat sich der Schuldenberg der USA auf mehr als 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erhöht. Die Neuverschuldung beläuft sich in diesem Jahr auf mehr als eine Billion Dollar und dürfte noch weiter steigen. Finanzminister Timothy Geithner hat den Kongress erst am Wochenende zu einer Erhöhung der Schuldengrenze von derzeit 14,3 Bill. Dollar aufgefordert. (Reuter/rb, derStandard.at, 19.4.2011)

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    So augenzwinkernd wie am Kölner Karneval war das Ohrenzupfen der Ratingagentur am Montag nicht gemeint. Auf dem Wagen fordert die Freiheitsstatue Liberty U.S. Präsident Barack Obama auf das 'Kinderzimmer USA' aufzuräumen.

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