Wann hilft die Magnetresonanztomografie?

19. April 2011, 08:18
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Über 400 Experten für Brustkrebs diskutieren in Frankfurt am Main Diagnosestandards

Frankfurt am Main - Nachdem die Mammaspezialisten auf dem vergangenen Konsensustreffen 2009 schwerpunktmäßig die Diagnose von Knotenbildungen in der Brust mit Mammographie und Ultraschall diskutierten, widmen sich die Teilnehmer in diesem Jahr ganz der weiterführenden Diagnostik. Hierbei wird es vor allem um den richtigen Diagnoseweg für die sogenannte Hochrisiko-Gruppe gehen - gesunden Frauen also, die aufgrund von Gendefekten und familiärer Vorbelastung ein deutlich erhöhtes Risiko tragen, an Brustkrebs zu erkranken.

Im Zentrum der wissenschaftlichen Debatte steht dabei die Magnetresonanztomografie (MRT), die sich zu einem wichtigen bildgebenden Verfahren der Brustkrebsdiagnostik entwickelt hat. „Die MRT hat den Vorteil, dass sie das Brustgewebe sehr detailreich und genau darstellt - es ist das Verfahren mit der höchsten Empfindlichkeit", erklärt Tagungsleiter Markus Müller-Schimpfle, Chefarzt des Instituts für Radiologie am Klinikum Frankfurt Höchst, Seniorpartner einer großen Radiologie-Praxis mit Sitz in der Mainzer Landstrasse und Mitglied des Vorstandes der Gesellschaft für Senologie (DGS). Zudem komme die MRT ohne den Einsatz von Röntgenstrahlung aus, da die Bilddaten in einem Magnetfeld erzeugt werden. „Wir werden auf unserem Konsensustreffen diskutieren, welchen Patientinnen die MRT am meisten nützt und wie wir ihre Potenziale noch verbessern können", so Müller-Schimpfle.

MRT präoperativ und in der Nachsorge

Eine vielbeachtete Metaanalyse aus Australien zeige, dass bei bereits erkrankten Frauen in der Phase vor der Operation die MRT gegenüber der herkömmlichen Mammografie keine signifikanten Verbesserung bezüglich des Operationserfolges, der sogenannten Rate an Nachresektionen, also erneuten Eingriffen, bringe. „Die MRT ist zwar die empfindlichste Methode, aber es gibt keine harten Fakten, die belegen, dass erkrankte Frauen durch die regelhafte Anwendung vor der Operation von dem Verfahren profitieren", fasst Müller-Schimpfle die Ergebnisse der australischen Arbeit zusammen. Über die Gründe kann er bislang nur mutmaßen: „Es ist denkbar, dass durch die modernen onkologischen Therapien - angefangen bei der brusterhaltenden Operation über die Bestrahlung bis hin zur Chemotherapie - die Diagnose kleinster Zusatzbefunde wie sie die MRT erkennt, zurücktritt."

Eine weitere Analyse (Niederlande, 2010) belegt durchaus den erheblichen diagnostischen Vorteil gegenüber dem herkömmlichen Verfahren der Röntgen-Mammografie mit nahezu doppelt so hoher Empfindlichkeit; allerdings: „10 bis 15 Prozent der Tumoren bei diesen Frauen werden nur in der Mammografie entdeckt, die Hochrisiko-Gruppe sollte daher auf jeden Fall die zusätzliche Absicherung durch das Röntgenverfahren erwägen, in jüngeren Jahren natürlich zurückhaltender als bei der reiferen Frau", meint Müller-Schimpfle. Unstrittig ist hingegen die MRT bei der Nachsorge, der Phase nach erfolgter Operation. „Die MRT ist die beste Methode, wenn man zwischen Operationsnarben und möglichen, nachwachsenden Tumorherden unterscheiden will", erklärt der Frankfurter Radiologe und unterstreicht damit die Bedeutung der MRT gerade bei der heute vorherrschenden brusterhaltenden Operation. „Die Frage ist hier: sollten wir bei der erkrankten Frau mit dichter, unübersichtlicher Brust die MRT nicht grundsätzlich in die Nachsorge mit aufnehmen ?" (red)

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