Demonstrant bei Protest gegen AKW-Bau erschossen

18. April 2011, 22:11
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600 bis 700 Personen stürmten Polizeiwache in Maharashtra

New Delhi - Die indische Polizei hat bei Protesten gegen den Bau eines Atomkraftwerks des französischen Konzerns Areva in Jaitapur an der Westküste einen Demonstranten erschossen. Der Innenminister des Bundesstaats Maharashtra, R.R. Patil, sagte am Montag vor dem Regionalparlament, der Mann sei getötet worden, als 600 bis 700 Demonstranten eine örtliche Polizeiwache stürmten, wie die Nachrichtenagentur PTI berichtete. Die Menge habe die Wache geplündert und Polizeifahrzeuge in Brand gesteckt. Da sie sich trotz Schüssen in die Luft nicht zerstreute, seien die Beamten gezwungen gewesen, mit scharfer Munition in die Menge zu feuern.

"Unsere Männer haben Tränengasgranaten geworfen, Bambusstöcke eingesetzt und Gummigeschosse gefeuert. Dann hatten wir keine Wahl mehr als zu schießen", sagte der Generalinspekteur der Polizei von Maharashtra, Gulabrao Pol. Demnach wurden bei den Zusammenstößen mehr als 20 Menschen festgenommen und acht Polizisten verletzt.

Sechs Druckwasserreaktoren

Die Proteste richteten sich gegen den Bau von sechs Europäischen Druckwasserreaktoren mit einer Gesamtleistung von 9900 Megawatt durch den französischen Energiekonzern Areva auf einer Halbinsel am Meer. Während des Besuchs des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy vergangenen Dezember wurde ein Vertrag für den Bau der ersten zwei Reaktoren unterzeichnet.

Schon in der Vergangenheit hatten die Pläne zum Bau der Reaktoren an der Küste 250 Kilometer südlich der Metropole Mumbai unter der örtlichen Bevölkerung für Proteste gesorgt. Bauern und Fischer, die für den Bau umgesiedelt werden sollen, lehnten die angebotenen Entschädigungen ab. Das Versprechen, dass der Bau neue Arbeitsplätze schaffen werde, wurde überwiegend mit Skepsis aufgenommen.

Die aufstrebende Wirtschaftsmacht Indien bezieht derzeit drei Prozent seines Stroms aus Atomkraft. Die Regierung möchte den Anteil bis 2020 verdoppeln und bis 2030 auf 13 Prozent steigern.2020 verdoppeln und bis 2030 auf 13 Prozent steigern. (APA)

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