Fabelzeit bei Boston-Marathon

18. April 2011, 21:54
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Kenianer Geoffrey Mutai in 2:03:06 Stunden um beinahe eine Minute unter Gebrselassies Bestmarke, zu viel Gefälle im Streckenprofil verhindert Anerkennung als Weltrekord

Boston  - Geoffrey Mutai lief am Montag in Boston einen Marathon so schnell wie noch niemand zuvor. Der 29-jährige Kenianer absolvierte die 42,195 Kilometer des Klassikers in fabelhaften 2:03:02 Stunden und unterbot damit die bisherige Bestmarke Haile Gebrselassie um gleich 57 Sekunden. Allerdings wird Mutais Zeit nicht als offizieller Weltrekord anerkannt, denn die Strecke in Boston weist zu viel Gefälle auf, wie der US-Leichtathletik-Verband (USTAF) bestätigte. Auch der zweitplatzierte Kenianer Moses Mosop war deutlich unter der seit 2008 gültigen Weltrekord-Zeit von Gebrselassie geblieben, der sich am Sonntag in Wien als Halbmarathon-Sieger in 60:18 Minuten hatte feiern lassen.

Mutai zeigte eine wahre Leistungsexplosion und steigerte seine eigene Bestzeit um knapp zwei Minuten. "Ich hatte eigentlich nicht an einen Weltrekord gedacht. Aber im Laufe des Rennens, so fünf bis zehn Kilometer vor dem Ziel, habe ich mitbekommen, dass wir ziemlich schnell unterwegs sind", sagte er nach seinem Triumph in der 115. Auflage des Rennens. Auch der drittplatzierte Gebre Gebremariam aus Äthiopien erreichte in 2:04:53 Stunden eine Weltklasse-Zeit. Bereits die Halbmarathon-Durchgangszeit von 1:01:54 Stunden hatte eine schnelle Endzeit erwarten lassen.

Im Vergleich zum flachen Kurs in Berlin, wo Gebrselassie 2008 seinen Weltrekord (2:03:59 Stunden) gelaufen war, galt das hügelige Profil des Boston-Marathons bisher allerdings nicht als ideal für Top-Zeiten. Der bisherige Streckenrekord aus dem Vorjahr von Robert Kiprono Cheruiyot wurde um fast drei Minuten unterboten. Mutai und Mosop hatten sich rund zehn Kilometer vor dem Ziel aus der Spitzengruppe gelöst. "Ich habe sehr viele Crossläufe gemacht, das war eine sehr gute Vorbereitung und hat mir Selbstvertrauen für das Ende des Rennens gegeben", sagte der Sieger.

Was in Mutai steckt, hatte er schon im Vorjahr in Rotterdam gezeigt, als er in 2:04:55 Stunden den bis dahin fünftschnellsten Marathon in der Geschichte gelaufen war. Er ist das älteste von insgesamt neun Kindern und stammt aus dem Koibatek District in der Rift Valley Provinz. Sein Marathon-Debüt hatte er 2007 in Eldoret in seiner Heimat absolviert. Bei dieser Gelegenheit wurde sein Manager Gerard van de Veen auf das Talent aufmerksam.

Bei den Frauen siegte in Boston Mutais Teamkollegin Caroline Kilel in 2:22:36 Stunden mit zwei Sekunden Vorsprung auf die US-Amerikanerin Desiree Davila. Rang drei ging an Kilels Teamkollegin Sharon Cherop (2:22:42). Beste Europäerin war die Ukrainerin Julija Ruban mit 4:24 Minuten Rückstand auf die Siegerin.

Mutai und Kilel erhalten jeweils 150.000 Dollar (105.079 Euro) Siegprämie, für Mutai gibt es zusätzlich 25.000 (17.513 Euro) als Lohn für den Streckenrekord. (APA/Reuters/sid/red)

Ergebnisse Boston-Marathon:

Männer: 1. Geoffrey Mutai (KEN) 2:03:02 Std. - 2. Moses Mosop (KEN) 2:03:06 - 3. Gebregziabher Gebremariam (ETH) 2:04:53 - 4. Ryan Hall (USA) 2:04:58 - 5. Abreham Cherkos (ETH) 2:06:13 - 6. Robert Kiprono Cheruiyot (KEN) 2:06:43

Frauen: 1. Caroline Kilel (KEN) 2:22:36 Std. - 2. Desiree Davila (USA) 2:22:38 - 3. Sharon Cherop (KEN) 2:22:42

Wissen:

Marathon-Weltrekorde werden vom Internationalen Leichtathletik-Verband seit 2004 anerkannt. Dafür müssen die Strecken jedoch bestimmten Kriterien genügen. Die wichtigsten:

  • Bei einer Trennung von Start und Ziel soll die Entfernung zwischen beiden Punkten auf einer theoretischen direkten Verbindungslinie gemessen nicht mehr als 50% der Streckendistanz betragen (IAAF Regel 260.28.b). Damit werden Richtungsänderungen in der Streckenführung notwendig, was wiederum verhindern soll , dass überwiegend in eine Richtung gelaufen wird. Übermäßige Vorteile durch Windunterstützung werden ausgeschlossen.
  • Zwischen Start und Ziel soll die Höhe nicht mehr als 0,1% (= 1 Meter pro Kilometer) der Streckendistanz abnehmen (IAAF Regel 260.28.c).
    • Bild nicht mehr verfügbar

      Locker zur Fabelzeit: Geoffrey Mutai sprengt das Zielband zu Boston.

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