Irland wirbt für niedrige Zinsen

18. April 2011, 18:16
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Premier Kenny will Firmensteuern aber nicht senken

Bei seinem ersten Besuch im Nachbarland Großbritannien hat der neue irische Premier Enda Kenny um bessere Konditionen für sein von Schulden geplagtes Land geworben. "Irland wird seine Schulden bezahlen und am Fortschritt der EU teilhaben", sagte Kenny. Die Ratings-Agentur Moody's stufte die Kreditwürdigkeit der irischen Kreditinstitute auf Junk-Status herab. Die diplomatische Offensive dient dem Ziel, den hohen Zinssatz von 5,8 Prozent für den EU-Anteil am 85 Mrd. Euro-EU-/IWF-Rettungspaket zu reduzieren. Großbritannien hat der kleineren Insel zusätzlich einen Kredit von 3,7 Mrd. Euro gewährt. Ein niedrigerer Zinssatz auch auf diese Summe "wäre schön", sagte Kenny.

Von den Briten erhält der Ire Rückendeckung im Kampf um den tiefen Unternehmenssteuersatz von 12,5 Prozent, den Kritiker in Brüssel, Paris und Berlin für zu niedrig halten. Dublin und London pochen auf Steuerautonomie. Hingegen wünscht sich der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble eine Geste der Iren im Gegenzug für bessere Zinskonditionen.

Die Reduzierung der Kreditzinsen erhofft sich Kenny vom kommenden Ecofin-Treffen, das allerdings weitgehend im Zeichen des Rettungspaketes für Portugal stehen dürfte.

Moody's begründete die Abwertung der verstaatlichten Institute Bank of Ireland, AIB, EBS und Irish Life&Permanent mit Zweifeln an der irischen Volkswirtschaft. Deren Bewertung hatte die Ratingagentur bereits am Freitag auf nur knapp oberhalb des Junk-Status verringert.

Der Währungsfonds stellte Dublin zuletzt ein gutes Reform-Zeugnis aus. Die Krise sei aber "nicht vorbei, solange keine neuen Jobs geschaffen werden", sagte IWF-Chefprüfer Ajai Chopra. Heuer wird die Arbeitslosigkeit 14,5 Prozent erreichen. Tausende junger Iren haben ihre Heimat bereits verlassen, nach England, Australien oder Südkorea. (Sebastian Borger aus London, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.4.2011)

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