Polizei stoppte "Schneemänner" mit 105 Kilo Kokain

18. April 2011, 17:56
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Drei Koffer mit Kokain für 80 Millionen Euro hätten von Kolumbien nach Slowenien geschmuggelt werden sollen. Doch auf der Tauernautobahn in Kärnten war für die Drogenmafia Endstation

Salzburg/Wien - Die Freude ist Oberstleutnant Christian Voggenberger anzumerken, mit so einer Trophäe können Drogenfahnder nicht häufig posieren: Drei Koffer mit 105 Kilogramm Kokain. Straßenverkaufswert: 80 Millionen Euro. In der heimischen Kriminalgeschichte ist das der drittgrößte Schlag gegen die Kokain-Mafia, gelungen ist er der Salzburger Polizei auf der Kärtner Tauernautobahn. Insgesamt fünf Personen sind in Haft.

Das Kokain sollte von den Bahamas über Salzburg nach Slowenien transportiert werden. Doch in Zusammenarbeit mit den kroatischen und slowenischen Behörden wurde der Deal am 12. April bei der Autobahnabfahrt St. Niklas verhindert. Zwei Kuriere, beide gebürtige Kroaten mit kanadischer Staatsbürgerschaft (34, 35 Jahre), sitzen in Salzburg in U-Haft. Drei Verdächtige aus einem Begleitfahrzeug wurden an der Grenze von den slowenischen Behörden festgenommen.

Auto statt Flugzeug

Das kolumbianische Kokain war aus der Dominikanischen Republik über die Bahamas mittel Leasingjet nach Nizza geschmuggelt worden. Von dort sollte es eigentlich per Flug weiter nach Salzburg gehen, doch eine Komplize warnte die Verdächtigen. Also flogen die "Schneemänner" nach Stuttgart und fuhren von dort mit Autos Richtung Salzburg. Aber auch diese Variante wurde bereits von der Polizei observiert, bis die Fall zuschnappte.

Im gesamten Vorjahr wurden in Österreich 241 Kilogramm Kokain aus dem Verkehr gezogen (2009: 53,3 Kilo). Was in erster Linie dem Rekordaufgriff von 206 Kilo in Stockerau (NÖ) zu verdanken war. Im weltweiten illegalen Kokainhandel spielt das kleine Österreich als Abnehmer dennoch kaum ein Rolle. Rund zwei Prozent der heimischen Bevölkerung ab 14 Jahren haben laut Gesundheitsministerium schon einmal Kokain konsumiert. Zum Vergleich: Erfahrungen mit Cannabis haben rund 20 Prozent.

Rafinierte Tarnungen

Die Uno schätzt, dass jährlich mehr als 50 Tonnen Kokain von Südamerika nach Europa geschmuggelt werden. Zum Teil ist der Stoff raffiniert getarnt. "Coca Negra" beispielsweise ist mit Kobalt- und Eisenchlorid vermischt, so zwar nicht konsumierbar, dafür aber nur sehr schwer als übliches Kokainhydrochlorid ("Schnee", "Persil", "Schönes") zu detektieren.

Am Zielort wird das schwarze Kokain wieder aufgespalten. Die wichtigsten Absatzmärkte für die Drogenmafia in Europa sind Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Seit einigen Jahren gibt es auch eine Connection in die russische Party-Szene.

Insektenwahn

Kokain wirkt stark euphorisierend und wurde ursprünglich zur Behandlung von Morphinabhängigkeit sowie als Anästhetikum verwendet. Neben der Belastung für den Kreislauf ist die schmerzstillende Wirkung bei Kokainmissbrauch auch ein großes Problem, da organische Schäden oder Verletzungen übergangen werden. Zudem führt die Substanz - auch in Verbindung mit Natrium oder Backpulver als "Crack" - schnell zu psychischer Abhängigkeit.

Bei chronischem Missbrauch können Depressionen und Psychosen auftreten. Ein charakteristisches Kokainsymptom ist Dermatozoenwahn, bei dem Patienten glauben, dass sich unter der Haut Insekten eingenistet haben. (Stefanie Ruep, Michael Simoner, DER STANDARD-Printausgabe, 19.4.2011)

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    Gut gelaunte Drogenfahnder: Drei Koffer mit "weißem Gold" werden nicht jeden Tag sichergestellt. 105 Kilo Kokain wären im illegalen Handel 80 Millionen Euro wert.

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