Krise belastet Elektronikindustrie

18. April 2011, 17:50
1 Posting

Heimische Firmen sehen noch keine Ausfälle bei ihren Zulieferfirmen

Wien - Während international aufgrund der großen Verflechtungen bereits Lieferengpässe bei einigen japanischen Produkten erwartet werden, sind österreichische Firmen ostentativ gelassen: Wenn es zu Problemen komme, dann höchstens vereinzelt, so der Tenor.

Beim Autozulieferer Magna ist eine Task Force darauf abgestellt, "eventuelle Probleme zu monitoren", wie Magna-Sprecher Daniel Witzani erläutert. Magna bekomme nur wenige Teile aus Japan. Ähnlich das BMW-Motorenwerk in Steyr: Man habe kaum Direktlieferanten aus Japan, analysiere aber laufend die Situation bei den Sublieferanten, so Steyr-Sprecher Peter Weixelbaumer.

Der Kärntner Chiphersteller Infineon bezieht sowohl Equipment als auch Materialien aus Japan. "Bis dato sind keine einschneidenden Auswirkungen zu spüren", sagt Ingrid Lawicka, Leiterin der Unternehmenskommunikation von Infineon. Beobachter wie der Geschäftsführer des steirischen Automobilcluster meinen, dass es aufgrund enger Lieferkette "mit Fortdauer der Problematik zu Engpässen kommen wird."

Sony stark betroffen

Außerhalb der österreichischen Grenzen werden gut ein Monat nach den Katastrophen die Folgen für Unternehmen und Verbraucher bereits jetzt spürbar. Beim Elektronikhersteller Sony, bei dem acht der insgesamt 26 japanischen Werke direkt betroffen waren, wird geprüft, ob die 1500 japanischen Zulieferer in Mitleidenschaft gezogen wurden. "Wir erwarten Probleme bei professionellen Speichermedien wie Blue Ray Disks und Lithium Ionen Akkus," sagt Sony-PR-Managerin Fiona Flannery dem Standard.

Der Elektronikkonzern Hitachi hat Probleme mit der Lieferung eines Luftmengenmessgerätes - dies wiederum betrifft Autobauer, da Hitachi bei diesem Gerät einen hohen Anteil am Weltmarkt hält. Die deutsche Bosch, der weltgrößte Autozulieferkonzern, rechnet aufgrund solcher und ähnlicher Fälle mit monatelangen Engpässen. Bosch hält es für denkbar, dass manche Hersteller zeitweise Pkws ohne Autoradios oder andere Elektronikkomponenten herstellen und erst später nachrüsten werden.

Der japanische Autobauer Toyota hat die Arbeit in seinen japanischen Werken wieder aufgenommen. Wegen fehlender Zulieferteile liegt das Produktionsvolumen jedoch um rund die Hälfte unter dem normalen Niveau, verlautete der Konzern. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.4.2011)

Share if you care.