ÖVP-Krise

Josef Pröll findet das Glück - ein Traum

18. April 2011, 17:05
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    foto: apa/pfarrhofer

    Josef Pröll mit einem Hufeisen beim VP-Erntedankfest 2010 oder: Was wirklich zählt im Leben - eine Träumerei von Ein- und Umkehr.

Träume sind ansteckend: Michaela Moser träumte, dass Josef Pröll sein Amt zugunsten einer "fundamentalen Umgestaltung der Politik" fortführen könnte - Hier der Vision zweiter Teil: ein neuer Autor, derselbe Protagonist

Inspiriert von der "traumhaften Pröll-Erfahrung" (DER STANDARD 15. April 2011) mag man sich vorstellen, wie der abgetretene Vizekanzler Josef Pröll eine träumerische Vision neuer Politik dargeboten hätte:

Liebe Österreicherinnen und Österreicher, liebe Michaela Moser! Ich möchte Ihnen meinen aufrichtigen Dank für die Darlegung Ihres Traums aussprechen; danke, dass Sie sich so umfassende und fürsorgliche Gedanken über alle Menschen in diesem Land machen - auch über die Pflegebedürftigen, Erkrankten und Rechtlosen. Danke, dass Sie mich erinnern, dass es uns allen gut täte, wenn wir auch in der Not sein dürfen, ohne gesellschaftliche Aufnahme und Achtung zu verlieren; danke, dass Sie mir sogar zutrauen, in meinem Zustand weiterhin in der Politik tätig zu sein und dem Land zu dienen.

Ermutigt durch Ihre Worte will ich genau das tun. Mein Comeback ist gelebte Work-Life-Balance. Ich möchte als Teil eines Thinktanks meiner Partei zu einem neuen Aufbruch und Programm verhelfen, in dem nicht mehr Leistung und Wachstum im Mittelpunkt stehen, sondern Gemeinschaft, Beziehungen und die Umwelt. Denn diese Werte retten mir meine Gesundheit, meine Lebensqualität und meine Würde.

Zur Umkehr finden

Aus diesem Grund schlage ich einen Pakt für "Menschenwürde und Gemeinwohl" vor. Als Grundlage meiner konkreten Vorschläge nehme ich die wichtigste Rede meiner politischen Karriere, die ich am 14. Oktober 2009 gehalten habe: "Projekt Österreich" . Mehr als 400 Personen waren gekommen, um meiner Zukunftsansage zu lauschen, mit der ich den "umgekehrten Weg großer Visionen" gehen wollte.

Ich erteilte der Menschenwürde, der Demokratie und der Nachhaltigkeit eine Absage: Diese Begriffe kamen null mal vor; dagegen bemühte ich den Begriff "Wachstum" 25-mal und "Leistung" 28-mal. Ich sagte: "Wir brauchen keine zusätzlichen Steuern" , um Vermögen, Vermögenszuwächse und Erbschaften trotz steigender Staatsschulden weiterhin unangetastet zu lassen. Ich insinuierte, dass mit Staatseinnahmen nur Sozialschmarotzer durchgefüttert werden würden, was der von mir hoch gelobten "Leistungsgerechtigkeit" zutiefst widersprach. Ich sagte wörtlich: "Die Nehmer sind uns allgemein bekannt" , unmittelbar nachdem ich über Familien gesprochen hatte, die "gar keine Steuern Zahlen, aber Anspruch auf zahlreiche Beihilfen haben" .

Diese unfaire Anspielung tut mir aufrichtig leid, weil ich damit die Einkommensschwächeren und Angehörigen der Unterschicht diffamiert habe.

Durch meine neue Situation habe ich erkannt, wer die wahren Leistungsträgerinnen in dieser Gesellschaft sind, und ich verwende bewusst das weibliche Geschlecht: diejenigen, die sich ehrenamtlich um andere Menschen kümmern, um solidarische und ökologische Beziehungen. Eine Schande: Diese Leistungen werden immer noch schlecht bezahlt oder gar nicht. Sie fließen zum Großteil weder ins Bruttoinlandsprodukt noch in die Unternehmensbilanzen ein, obwohl die Wirtschaft ohne diese Leistungen keine Sekunde funktionieren könnte. Die wertvollsten Leistungen auf dieser Welt sind gratis!

Hingegen bewertet das Wirtschaftssystem als heiligste Leistung die Betreuung von Hedgefonds: das Reichermachen der Reichsten, ohne dass diese einen Finger rühren. Ich schäme mich für diese unsagbare Leistungsungerechtigkeit! Diese beginnt beim einfachen Sparbuch: Wer zehn Millionen Euro auf der Bank hat und dafür drei Prozent Zinsen erhält, kassiert nach Abzug der Steuer ein jährliches Einkommen von 225.000 Euro - ohne irgendeine Leistung und ohne Risiko! Das bedingungslose Grundeinkommen für Superreiche existiert bereits - ohne dass es auf einem Transferkonto aufschiene.

Auch die Eliminierung der Erbschaftssteuer erhöht die Leistungsungerechtigkeit in unakzeptabler Weise: So verständlich es ist, dass Einfamilienhäuser, Eigentumswohnungen, kleine Familienbetriebe oder landwirtschaftliche Höfe steuerfrei weitergegeben werden dürfen: Was um alles in der Welt veranlasst uns, auch Multimillionen und Milliardenerbschaften völlig steuerfrei zu stellen? Welche Leistung stellt der Antritt eines solchen Erbes dar, dass wir es steuerfrei stellen?

Ich ziehe meinen unüberlegten Satz "keine zusätzlichen Steuern" zurück und unterstütze die Forderung der wachsenden zivilgesellschaftlichen Allianz "Wege aus der Krise" nach (Vermögens-, Kapitaleinkommens-, Erbschafts- und Öko-)Steuern im Ausmaß von 13 Milliarden Euro pro Jahr!

Das würde den Staatshaushalt sanieren, ohne erneut bei den Schwachen zu sparen. Stattdessen würden 250.000 überwiegend hoch wertvolle Beziehungsarbeitsplätze geschaffen. Die Reichen bräuchten keine Angst haben: Sie bleiben reich! Schön langsam beginnt sich ja auch in der Oberschicht herumzusprechen, dass sie bald einen Großteil ihres Vermögens verlieren wird, wenn sie jetzt nicht bereit ist, das eine oder andere Prozent zu teilen. Und als Finanzminister und Vizekanzler a. D. übernehme ich die Verantwortung dafür, dass diese Einsicht verzögert wurde!

Eines noch: Ich verbringe jetzt mehr Zeit in der Natur, von der alles kommt, was wir Menschen zum Leben benötigen. Und dank dieser Beobachtungen verstehe ich täglich tiefer, dass es endloses Wachstum nicht geben kann. Meine Ansage "Wir brauchen eine Agenda für ein 'Neues Wachstum'. Und das ist zunächst und zuallererst natürlich neues ökonomisches Wachstum" lese ich heute mit leisem Schrecken. Der blinde Fokus auf die Messung monetärer Größen hat uns in die Krise geführt.

"Neues" materielles und finanzielles Wachstum wird uns daher nicht retten, sondern noch tiefer in die Krise führen. Beim Betrachten der Pflanzen und Tiere und der Dorfgemeinschaft dämmert mir: Es zählen ganz andere Werte.

Wir sollten Erfolg ganz anders definieren: Als Vertrauen, das auf den Straßen herrscht, als Friede und Sicherheit, die wir genießen; als Demokratie und Mitbestimmung, auch in der Wirtschaft; als stabile Ökosysteme, in und von denen wir leben; als Verteilungsgerechtigkeit, die auf Arbeitsleistungen zurückgeht und solidarisch ist; als Gelingen von Beziehungen und Gemeinschaft. BIP und Finanzgewinne sagen darüber nichts aus. Ich unterstütze daher die Überlegung, dass wir wirtschaftlichen Erfolg in Zukunft in einem "Gemeinwohlprodukt" messen und unternehmerischen Erfolg in der "Gemeinwohlbilanz" , wie es erste aufgeschlossene Unternehmen bereits beginnen. Wachsen soll das Gemeinwohl, nicht das Geld - das weiß schon eine alte Bauernregel. Herzlich Ihr Josef Pröll. (STANDARD-Printausgabe, 18.4.2011)

CHRISTIAN FELBER ist freier Publizist, Sprecher von Attac und Erfinder der Gemeinwohl-Ökonomie.

Material: Rede des scheidenden Finanzministers Josef Pröll, "Projekt Österreich" 2009

Kommentar posten
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Robert Zikmund2
44
20.4.2011, 10:59

Liebe Standard Gemeinde, lieber Christian Felber!

Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass es sich beim User "Rob Zikmund" um den FM4 bekannten Stalker "morb" handelt, und diese Posts weder von mir sind noch in irgendeiner Form meine Meinung wiedergeben.
Ich bin dabei die nötigen Maßnahmen zu setzen, leider ist Web-Stalking noch unklares rechtliches Terrain.
Beste Grüße,
Robert Zikmund.

mailto: robert.zikmund@orf.at

Christian Felber1
00
20.4.2011, 23:18
Danke für die Klarstellung

(und der Redaktion für die Entfernung der Drohungen)
Christian Felber

minski
20
20.4.2011, 11:48

Gut, dass Sie das klarstellen. Das roch sehr stark!

Robert Zikmund2
31
20.4.2011, 11:53

Ja, danke für die Aufmunterung!

Es ist leider zum Verzeifeln, ich hatte sogar schon Todesdrohungen von diesem Menschen.
Noch dazu beschäftigen mich wirklich gerade andere Dinge, wie z.b. heftige Zahnschmerzen...
Schlimm auch, wie lange das hier online steht, ich hoffe wirklich, dass kaum jemand glaubt, dass es sich hier wirklich um mich handelt - meine Ansichten sind diametral anders - ich schätze Kollegen Felber und seine Gemeinwohkökonomie sehr.
Leider hat der Stalker in Summe schon über 40 posts verfasst, und wenn sie ihm "Rob Zikmund" sperren heißt er morgen vermutlich "Robbie Zickmund" oder so...
Liebe Grüße!

minski
01
20.4.2011, 12:42

Mein Mitgefühl! Vielleicht hilft Parkemed bis zum nächsten Zahnarzttermin. Eine kleine Notfallpackung bekommt man auch rezeptfrei in der Apotheke.

Was gegen solche Stalker und Diffamierer hilft, frage ich mich auch schon lange. Namensklau ist Missbrauch und nach Forenregeln verboten. Wenn sogar Morddrohungen kommen, ist das ein eindeutiger Straftatbestand und ein Fall für eine polizeiliche Anzeige. (Möglichst bei verlässlichen Polizeibeamten und veröffentlichen, damit sie nicht unter den Tisch fällt.)
Nachdem der Namensklau gestern postete, "sogar Hitler wäre demokratischer gewesen als Angela Merkel" erklärt sich auch woher der Wind weht und der üble Geruch kommt. Da käme eventuell noch ein Vorwurf für Wiederbetätigung hinzu.

Alles Gute!

Robert Zikmund2
01
20.4.2011, 13:41

Danke!
Und liebe Grüße!

Erisian Liberation Front
32
19.4.2011, 18:10
Der Felber will nur unser Bestes

Aber meines bekommt er nicht, soll er doch selber was zustandebringen...

blueplastic
42
19.4.2011, 16:54
Kommunismus reloaded

"Erfinder" der Gemeinwohl-Ökonomie.. Das tut wirklich weh. Dieser Dampfplauderer ist nichts weiter als ein blutroter Kommunist der alten Wein in neuen Schläuchen verkauft. Wenn es ihm hier in Österreich sozial zu kalt und neoliberal ist, sollte er am Besten seine kruden Thesen in Kuba oder Nordkorea verbreiten.

Reich sein muss sich lohnen!
25
19.4.2011, 17:09

Also wenn man das Wirtschaften nicht mehr allein auf die Vermehrung des persönlichen, materiellen Besitzes ausrichtet dann ist das Kommunismus?

Wenn das Ziel nicht mehr ist, dass es mir persönlich am besten geht, sondern dass es mir und allen anderen am besten geht dann ist das Kommunismus?

Oder ist es eventuell doch möglich, dass es zwischen Kommunismus und Kapitalismus doch noch etwas anderes gibt?
Ist am Ende etwa doch nicht alles entweder schwarz oder weiß?

styx12
20
19.4.2011, 17:20

Vielleicht sollten Sie sich den Text von Herrn Felber auch mal durchlesen. Der ist ganz bestimmt nicht grau bzw. ein Mittelweg zwischen 2 Extremen, sondern ziemlich einseitig.

Reich sein muss sich lohnen!
22
19.4.2011, 17:44

Ich hab sein Buch gelesen.

Es steht für mehr Demokratie (das gabs schonmal nicht im Kommunismus), nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen, Rücksichtnahme auf die Umwelt und es stellt den Menschen in den Mittelpunkt des Wirtschaftens, nicht das Kapital.

1116er
01
19.4.2011, 15:38
"und wenn sie mich fragen, was ich als nächstes mache...

dann sage ich ihnen: ich werde jetzt etwas essen gehen.
aber nicht eine leberkäs-semmel.
sondern: i'll eat the rich!"

nehmen wir doch die sache endlich in die hand und fangen wir endlich zu 'fressen' an:
faktor 10!
NOW!

Cote 304
22
19.4.2011, 15:13
"Wachsen soll das Gemeinwohl"

Wenn ich das schon höre. Es braucht sich nur jeder einmal im eigenen Familien- und Verwandtenkreis umsehen. Da gibts schon genug Neid, Streit und Gezanke. Aber der Herr träumt davon, dass wir alle dem Gemeinwohl dienen. Utopie, kann ich nur sagen.

powidl
22
19.4.2011, 16:23
Ich bin in der Kreiskyära aufgewachsen,

und zu dieser Zeit war Gemeinwohl durchaus ein wert auf den sich mehr als 50% der ÖstereicherInnen einigen konnten.

Cote 304
11
19.4.2011, 16:33

Inzwischen haben wir eine Scheidungsrate von fast 50 %, offensichtlich zählt das Gemeinwohl sogar in der Ehe immer weniger.

powidl
10
19.4.2011, 16:36
Scheidungsraten kann man aber auch als Messlatte einer freien Gesellschaft begreifen.

Niemand muss mehr mit dem "falschen" partner sein leben verbringen. Die Scheidungsrate bei Wiederverheirateten ist im übrigen geringer als die der Erstverheirateten in den 70er Jahren.

Reich sein muss sich lohnen!
02
19.4.2011, 15:48

Mein Beileid zu ihrer Familie.

Cote 304
01
19.4.2011, 15:55

Kann man sich ja nicht aussuchen.

Schwalbe
01
19.4.2011, 16:37

nicht ganz, aber teilweise. z.b. dann, wenn keine (wirtschaftlichen) abhängigkeiten in der familie bestehen. je mehr "gemeinwohl" herrscht, ums mehr freiheit (z.b. unabhängigkleit innerhalb der familie) ist für individiuen möglich.

Poldi Fesch
11
19.4.2011, 15:38
nein, Faschismus,

darf man aber nicht posten

Dorian Gray
24
19.4.2011, 14:22
Sehr guter Artikel!

All die anderen habe sich ja nur vom guten Josef und
wie er nicht toll war geäußert und das er so ein armer Kerl ist der mit 42 schon an seiner "selbst"defenierten Leistungsgesellschaft zerbrochen ist.
Bei seiner so emotionalen Abschiedsrede hat mir das gefehlt als nehme ich an des er es noch nicht wiklich kapiert hat.

Gramurcki
17
19.4.2011, 14:20
Wir brauchen mehr Verrückte!

Seht nur, wohin uns die "Normalen" gebracht haben.

der mann, der zuviel wußte...
76
19.4.2011, 12:33
und wenn er nicht gestorben ist, dann lebt er auch noch heute...

Herr Felber ist ein wandelndes Heißluftgebläse, ohne Bezug zur Realität.

Reich sein muss sich lohnen!
24
19.4.2011, 13:26
Und was halten sie von Menschen, die auf ein ständiges Wirtschaftswachstum hinarbeiten?

Nur mal als Beispiel:
Jährliches Wirtschaftswachstum von 2%

Ausgehend von 2010 = 100%
2011 kommen wir also auf 102%
2012 - 104,04%
2015 - 110,41%
2020 - 121,90%
2030 - 148,60%
2040 - 181,14%
2045 - 200,00%

2045 müssten wir bereits doppelt soviel Produzieren und doppelt soviel Konsumieren wie 2010, bei einem jährlichem Wirtschaftswachstum von 2%.

2065 - 300%
2080 - 400%
2091 - 500%
2100 - 600%
2110 - 725%
...

Wo ist hier der Bezug zur Realität?

der mann, der zuviel wußte...
43
19.4.2011, 14:41
Ihr Posting zeugt von gewissen Kenntnissen der Finanzmathematik, aber leider von völliger Ignoranz in Sachen Volkswirtschaftslehre.

Sie verwechseln offensichtlich Realwachstum mit Nominalwachstum, rechnen also die Inflation, diese natürliche "Wachstumsbegrenzung" aus Ihrer Aufstellung nicht heraus. Zudem verkennen Sie, dass es zwangsläufig, kraft der menschlichen Kreativität, laufend zur Steigerungen der Produktivität bei gleichem Mitteleinsatz kommt, die ebenfalls massiv zum Wachstum beitragen. Hinsichtlich der Endlichkeit natürlicher Ressourcen sind wir uns wahrscheinlich einig, aber nicht hinsichtlich unserer Beurteilung der menschlichen Natur und ihrem Streben nach Wachstum. Letztlich wird sich unser Sozialsystem nicht ohne Wirtschaftswachstum finanzieren lassen. Die vielen "Reichen", die sie zu dessen Finanzierung schröpfen wollen, gibt es gar nicht.

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