Das Stück vom Warten und andere Kostbarkeiten

18. April 2011, 17:19
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Berliner Philharmoniker im Großen Festspielhaus

Salzburg - Zunächst also ungeplanterweise John Cages nur aus Stille bestehende Komposition 4'33 - in einer zeitlich recht gedehnten Version für ratlos-ungeduldige Berliner Philharmoniker: In den Noten zu Alban Bergs frühen Liedern blätternd, harrte das Kollektiv - wie auch das gut gefüllte große Festspielhaus - eines abgängigen Instrumentalisten, der schließlich doch kam. Das Warten war - da es in dieser Form so selten vorkommt - durchaus unterhaltsam. Wann sieht man schon Orchestermusiker und Publikum ungezwungen miteinander plaudern oder vielsagende Blicke tauschen?

Wie auch immer. Das ganze dauerte an die zwanzig Minuten, Peter Alwart, der Geschäftsführer der Salzburger Osterfestspiele, hätte getrost auch noch einmal die Ergebnisse der vormittägigen Pressekonferenz referieren können. Es gab ja Neuheiten.

Die gerade absolvierte Salome von Stefan Herheim kommt 2013 nach Oslo an die Den Norske Opera, und noch viel ausgiebiger die für die Salzburger Osterfestspiele finanziell notwendige Kooperation in Spanien: Das Madrider Teatro Real, dem Gerard Mortier vorsteht, wird die Salzburger Salome ab Juni 2014 zeigen; die Carmen (eine Salzburg-Premiere ist für 2012 geplant) übernimmt Madrid ab Juni 2015. Und den für Salzburg 2013 geplanten Parsifal wird man im Süden dann ab Juni 2013 sehen können.

Die liebe Sängerauswahl

Das Warten hatte sich schließlich jedenfalls in zweierlei Hinsicht gelohnt: Zunächst konnte man bei Alban Bergs Sieben frühen Liedern bestätigt finden, dass die Osterfestspiele kein wirklich glückliches Händchen bei der Sängerauswahl haben (was Salome schon gezeigt hatte). Christianne Stotijin verfügte zwar über einen samtig-dunklen Klang. Ein lästiges kleines Dauervibrato jedoch irritierte das Vergnügen beharrlich; und auch die Mühen mit den tiefen Notenaspekten dieser Lieder blieben unverkennbar, auch da die Berliner Philharmoniker unter Gustavo Dudamel sehr behutsam und kollegial begleiteten. Bei Strawinskys Feuervogel dann allerdings hohe Orchesterpräsenz: Dudamel baut das schillernde Stück sanft quasi aus der Faststille auf, um es schließlich nicht grell explodieren, vielmehr in aller Klarheit robust erblühen zu lassen. Gut so. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD - Printausgabe, 19. April 2011)

Nächste Konzerte bei den Osterfestspielen: 19. 4., "Die Geschichte vom Soldaten" (Republic, im Rahmen der Kontrapunkte), 11.30; 19. 4., Großes Festspielhaus: Berliner Philharmoniker mit Simon Rattle und Angela Denoke, 18.30  

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