Auch die Gegner applaudieren Dortmund

19. April 2011, 15:25
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Andauernde Dominanz bei gleichzeitiger Demontage Leverkusens lassen an Titelgewinn keinen Zweifel mehr - Wechsel von Neuer nach München offenbar fix

Dortmund - Die Stimmung vor 80.000 Zuschauern war bereits meisterlich. Nach dem 3:0-Heimsieg gegen Freiburg zweifelt niemand mehr am ersten Titelgewinn von Borussia Dortmund in der deutschen Bundesliga seit 2002. Sollte Leverkusen am kommenden Samstag gegen Hoffenheim nicht gewinnen, könnte Gelb-Schwarz bereits am Wochenende als Meister feststehen. Acht Punkte liegt Dortmund vier Runden vor Schluss vor Leverkusen, als nächstes steht  ein Gastspiel bei Schlusslicht Borussia Mönchengladbach auf dem Programm.

"Das war mit der Spieltags-Konstellation eine besondere Situation für alle. Wie die Mannschaft damit umgegangen ist, das ist einfach unglaublich", freute sich Trainer Jürgen Klopp. Den Freiburgern ließ seine Mannschaft im ausverkauften Stadions nicht den Hauch einer Chance. "Der BVB hat uns eine Aufgabe gestellt, die wir nicht lösen konnten", sagte SC-Trainer Robin Dutt.

Sahin out

Der erneut überragende Mario Götze (23.), Robert Lewandowski (43.) sowie Kevin Großkreutz (78.) unterstrichen mit ihren Toren die Dominanz der Borussen in der laufenden Saison. Am Ende gab es sogar Applaus von den mitgereisten Fans der Freiburger. "Wenn sogar die  unserer Mannschaft gratulieren, dann spricht das für sich", schwärmte Präsident Rauball und nahm auch die Sympathie-Bekundungen der Fans für Nuri Sahin zur Kenntnis. Über die Spekulationen um einen eventuellen Wechsel zu Real Madrid meinte der türkische Nationalspieler: "Die Fans werden schon wissen, wie ich mich entscheide." Das Spiel gegen Freiburg war aber trotzdem sein letztes in dieser Saison: Sahin erlitt einen Teilriss des Innenbandes im rechten Knie und kann nicht mehr eingesetzt werden.

Abschied nehmen wird definitiv Dede. Als der Publikumsliebling einen Tag vor seinem 33. Geburtstag in der 82. Minute eingewechselt wurde, herrschte eine ganz besondere Atmosphäre. "Ein schöneres Geschenk kann ich mir nicht vorstellen. Diese Mannschaft und diese Fans haben die Meisterschaft verdient, sie werden immer in meinem Herzen bleiben. Ich kann den BVB jetzt nach 13 Jahren verlassen und sagen: Ich habe diesem Verein geholfen", sagte Dede. Und eine Träne kullerte über die Wange des Brasilianers.

Die Bayern und die Botschaft

Ihre komfortable Lage haben die Dortmunder auch Bayern München zu verdanken. Der Rekordmeister ist zwar mit 14 Punkten Rückstand auch rechnerisch aus dem Rennen um eine erfolgreiche Titelverteidigung, hat mit einem überzeugenden 5:1 im Schlager gegen Leverkusen am Sonntag aber ein deutliches Lebenszeichen gezeigt. "Der FC Bayern hat gespielt wie der FC Bayern spielen muss", stellte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge zufrieden fest.

"Die Mannschaft hat meine Botschaft sehr gut verstanden", lobte Interimstrainer Andries Jonker sein "sehr erwachsenes" Team, dem er "großes Herz und unglaublichen Einsatzwillen" attestierte. Kapitän Philipp Lahm betonte, dass unter dem geschassten Louis van Gaal nicht alles schlecht gewesen sei, sprach Jonker aber "ein Kompliment" aus: "Wir haben nicht wie früher so oft einfache Fehler gemacht." Der Niederländer befindet sich auf Kurs, das Minimalziel Platz drei und die CL-Qualifikation auch sicherzustellen. Konkurrent Hannover 96 liegt allerdings nur einen Punkt hinter den Münchnern auf Platz vier.

Neuer ante Portas

Der im Sommer übernehmende Leverkusen-Trainer Jupp Heynckes dürfte dann mit Manuel Neuer über einen neuen Torhüter verfügen können. Der Wechsel des deutschen Teamkeepers von Schalke 04 scheint gelaufen. Neuer hatte bereits am Samstagabend bekannt gegeben, zu einer Entscheidung gelangt zu sein - ohne zu verraten, wie diese ausgefallen ist. Die Bayern-Bosse dürften mehr wissen: Das immer gleiche, triumphierende Lächeln bei der Frage nach Neuer war leicht zu deuten. "Es gibt eine klare Tendenz. Die Frage ist nur, wie schnell man eine Lösung findet", sagte Sportdirektor Nerlinger. Jörg Butt, den Jonker wieder zur Nummer eins gemacht hat, kündigte zwar an, um seinen Platz kämpfen zu wollen - doch der Routinier wird ebensowenig wie der junge Thomas Kraft eine Chance haben.

Vizekusen reloaded

Für Bayer Leverkusens platzte am Sonntag erneut ein Meistertraum. "Für uns wird es in den restlichen Begegnungen psychologisch schwierig", sagte Heynckes, schließlich habe seine Mannschaft in München "alles falsch gemacht, was man falsch machen kann." Heynckes fand das "unverständlich". Auch Sportdirektor Rudi Völler zeigte sich nach dem 1:5 (0:4) beim Rekordmeister ernüchtert: "Das tut jetzt zwei, drei Tage richtig weh." Besonders schmerzhaft war die erste Halbzeit, in der die desolat agierende Werkself in ihre Einzelteile zerfiel. "Wir haben früh zwei dumme Tore kassiert und es dann nicht geschafft, uns damit in die Halbzeit zu retten. Wir sind selbst daran schuld", sagte Völler.

Gladbach-Präsident mag seinen Job

Bei Fast-Absteiger Mönchengladbach hält die Führungsriege des Klubs unterdessen an ihren Positionen fest. Präsident Rolf Königs, Vize Rainer Bonhof und Sportdirektor Max Eberl schlossen Rücktritte geschlossen aus. "Ich bin bis 2013 gewählt, und der Königs bleibt auch bis 2013. Und wenn nichts dazwischen kommt, habe ich auch vor, noch länger zu bleiben", gab der Präsident bekannt. Ob das Freude macht, muss dahingestellt bleiben. Eine Mitgliederinitiative für personelle Veränderungen beim ehemaligen Meister ist jedenfalls am Laufen. (rob/sid/APA)

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    Bekloppt: BVB-Fan Martin Hüschen lehnt sich bezüglich Meistertitel schon einmal aus dem Fenster.

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