Elternvertreter: "Haben schon jetzt 22 Prozent zu wenig Lehrer"

18. April 2011, 15:26
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Saverschel: Pädagogische Hochschulen müssen wegen Lehrermangel jeden Bewerber nehmen

Wien - Die Qualität von Österreichs Pflichtschulen könnte unter dem Personalmangel durch die Lehrer-Pensionswelle leiden, fürchtet Theodor Saverschel, Obmann der Elternvereine an den mittleren und höheren Schulen. "Die Pädagogischen Hochschulen (PH) sind derzeit dazu gezwungen, jeden aufzunehmen, der sich bewirbt", die Zahl der Absolventen sei nämlich zu gering. "Wir wissen, dass wir jetzt schon 22 Prozent zu wenig Lehrer haben", beruft sich Saverschel auf Informationen aus dem Unterrichtsministerium.

Ärger über Informationspolitik

Dabei zeigte er sich verärgert über die Informationspolitik zum Lehrermangel. Während die Landesschulräte vor Engpässen warnen, würden die politisch Verantwortlichen sagen, es gebe keine Probleme, Posten zu besetzen. "Und wir Eltern stehen dazwischen und wissen nicht, ob sie es jetzt schaffen oder nicht und was in den nächsten zwei, drei Jahren mit unseren Kindern in der Schule passiert", so der Elternvertreter.

Mittel- oder langfristig werde sich die Personalsituation wohl verbessern, so Saverschels Hoffnung, "aber kurzfristig habe ich wirklich große Sorge, dass hier kein geeigneter Nachschub kommt". Die PH seien daran allerdings nicht schuld: "Die versuchen schon aus diesen Menschen auch gute Lehrer zu machen, aber sie haben nicht die Möglichkeit bei der Auswahl so selektiv zu sein wie sie es gerne wären." Denn nur weil es genügend Bewerber gebe, heiße das nicht, dass diese auch qualifiziert seien.

Sorge um zu wenig Lehrer an Neue Mittelschulen

Völlig offen ist laut Saverschel, wo das zusätzliche Personal für den Ausbau der Neuen Mittelschule (NMS) mit Herbst kommen soll - das Unterrichtministerium spricht auf Anfrage der APA von 100 zusätzlich benötigten Pädagogen durch das Teamteaching in den Hauptfächern. Er habe nichts dagegen, wenn die Qualität an den Hauptschulen gesteigert werden soll, betonte der Elternvertreter. Wenn aber zu wenige oder die falschen Lehrer da seien, könne dieses Versprechen nicht gehalten werden.

"Tricks" bei Teamteaching

Schon jetzt werde etwa beim Teamteaching, wo ein AHS- und ein Hauptschullehrer gemeinsam in der Klasse stehen sollen, "getrickst", sagt Saverschel. Da es zu wenige AHS-Lehrer für die betreffenden Fächer (Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen) gebe, werden Hauptschullehrer an AHS angestellt und dann an einer NMS, die Partnerschule des Gymnasiums ist, eingesetzt. Laut Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der FPÖ war das im laufenden Schuljahr an zwei NMS der Fall, Saverschel glaubt jedoch, dass es mehr sind. Nachweisbar sei das aber wegen der intransparenten Lehrerzuteilung nicht.

Außerdem würden von den Landesschulräten auch Lehrer von den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) im Teamteaching eingesetzt, die zwar "fachlich gut sein mögen", aber pädagogisch nicht auf den Unterricht an Hauptschulen vorbereitet seien.

SPÖ-Unterrichtssprecher Elmar Mayer bezeichnete in einer Aussendung die Aussagen der Eltervertreter als "Panikmache". Es gäbe genügend Lehramtsstudierende. (APA/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Kinder bei einer Demonstration für mehr Lehrer in Deutschland.

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