Ratingagentur droht USA mit Abstufung

18. April 2011, 16:40
378 Postings

Schuldenkrise erfasst USA - Finnen bringen Portugal ins Schwitzen - Athen soll bereits um Umschuldung angesucht haben - Irische Banken "Ramsch"

Die Schuldenkrise droht nach Europa nun auch die USA zu erfassen. Die mächtige Rating-Agentur Standard & Poor's warnte den weltgrößten Schuldner am Montag überraschend vor einem Entzug der Bonitäts-Bestnote "AAA", indem sie den Ausblick für die Bewertung der Kreditwürdigkeit auf "negativ" senkte.

An den Finanzmärkten schlug die Entscheidung hohe Wellen: Die Börsen beiderseits des Atlantiks gaben deutlich nach, der Dollar und US-Staatsanleihen verloren an Wert. Dagegen verteuerte sich Gold, das als sichere Anlage in Krisenzeiten gilt, auf einen Rekordwert von 1.490,30 Dollar (siehe dazu: Marktberichte).

"Mehr als zwei Jahre nach Beginn der aktuellen Krise haben sich die US-Politiker noch immer nicht geeinigt, wie sie den finanzpolitischen Abwärtstrend umkehren oder den langfristigen Finanzdruck angehen", begründete S&P die Entscheidung. Die Wahrscheinlichkeit eines Verlusts der Bestnote innerhalb von zwei Jahren bezifferte S&P auf mindestens ein Drittel.

Große Haushaltsdefizite

Die USA hätten im Vergleich zu anderen Ländern mit der Bestnote "AAA" - wie etwa Deutschland - sehr große Haushaltsdefizite, erklärte S&P. "Wie diese reduziert werden sollen, ist uns nicht klar."

Die US-Regierung antwortete mit scharfer Kritik auf die Drohung von S&P. "Der negative Ausblick unterschätzt die Fähigkeit der Führer Amerikas, gemeinsam die schwierigen finanzpolitischen Herausforderungen anzugehen, vor denen die Nation steht", erklärte Finanzstaatssekretärin Mary Miller. Die beiden großen politischen Lager stimmten darin überein, das Staatsdefizit zu senken.

Zwischen Demokraten und Republikanern besteht zwar grundsätzlich Einigkeit darüber, dass das ausufernde Defizit dringend reduziert werden muss. Allerdings hat der erbitterte Streit über die Schuldengrenze erst in den vergangenen Wochen erneut gezeigt, dass die Vorstellungen über das konkrete Vorgehen weit auseinanderliegen.

Dringender Handlungsbedarf

Der Chef des weltgrößten Anleihe-Investors Pimco, Mohamed El-Erian, sieht nun dringenden Handlungsbedarf für die Politik in Washington. "Diese neue Warnung, diesmal von S&P, unterstreicht die Notwendigkeit für die USA, ihr finanzpolitisches Schicksal stärker in die Hand zu nehmen, wenn sie höhere Kosten für die Kreditaufnahme vermeiden und ihre zentrale Rolle als Herzstück der Weltwirtschaft behalten wollen", betonte er. Die Allianz-Tochter hält insgesamt Wertpapiere im Volumen von 1,2 Bill. Dollar.

Wegen der Finanzkrise und der von ihr ausgelösten schwersten Rezession der Nachkriegszeit hat sich der Schuldenberg der USA auf mehr als 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erhöht. Die Neuverschuldung beläuft sich in diesem Jahr auf mehr als eine Billion Dollar und dürfte noch weiter steigen. Finanzminister Timothy Geithner hat den Kongress erst am Wochenende zu einer Erhöhung der Schuldengrenze von derzeit 14,3 Bill. Dollar aufgefordert.

Strauchelnde Euro-Länder sorgen für schlechte Stimmung

Auch für die strauchelnden Euro-Länder Griechenland, Portugal und Irland begann die neue Woche gar nicht gut. Die Nachricht, dass die euro-skeptische Partei "Wahre Finnen" bei der finnischen Parlamentswahl deutlich zugelegt hat und wahrscheinlich demnächst in der Regierung vertreten sein wird, sorgt für Bauchweh unter Beobachtern und wenig Euphorie an den Finanzmärkten (siehe dazu: Börsen im Minus). Die "Wahren Finnen" haben nämlich angekündigt, dem Rettungspaket für den strauchelnden Euro-Staat Portugal nicht zuzustimmen. Investoren befürchten, dass bereits ausgehandelte Rettungspakete zur Disposition gestellt und die Verhandlungen mit Portugal erschwert werden könnten. In Finnland entscheidet das Parlament über die Zustimmung zu den milliardenschweren Rettungspaketen.

"Ramsch-Status" für irische Banken

Montag Mittag wurde außerdem bekannt, dass die Ratingagentur Moody's die Bonität jener irischen Geldhäuser senkt, die vom Staat gestützt werden müssen. Und das auch noch um gleich zwei Noten auf "Ba1" - so tief standen die irischen Institute noch nie da. Betroffen sind die Allied Irish Bank, die Bank of Ireland, EBS Building Society und Irish Life & Permanent Group Holdings.

Irland hatte erst am Freitag einen Rückschlag im Kampf gegen die Krise hinnehmen müssen, als Moody's die Kreditwürdigkeit des Euro-Landes um zwei Noten von  "Baa1" auf "Baa3" und damit auf eine Stufe vor Ramschniveau reduziert hatte. Den Ausblick für die Kreditwürdigkeit beließ die Agentur bei "negativ".

Athen angeblich vor Umschuldung

Nicht gerade eine Verringerung der herrschenden Ungewissheiten hatte auch die Meldung der griechischen Zeitung "Eleftherotypia" zur Folge, wonach Athen bei EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) bereits wegen einer Umschuldung angefragt haben soll, und zwar konkret beim jüngsten informellen Finanzminister-Treffen in Gödöllö. Die Gespräche dürften im Juni beginnen, schreibt die Zeitung unter Berufung auf einen hochrangigen IWF-Vertreter.

Die Meldung wurde allerdings auch gegenüber "Eleftherotypia" zurückgewiesen. Die griechische Zentralbank hat sich zudem neuerlich strikt gegen eine Umschuldung des Landes ausgesprochen. Ein solcher Schritt sei weder nötig noch erwünscht, so der Chef der Bank von Griechenland, George Provopoulos.

Verhandlungen in Lissabon

In Lissabon wird indes über das portugiesische Sparprogramm verhandelt. Vertreter der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) kommen mit Vertretern der geschäftsführenden Regierung des sozialistischen Ministerpräsident Jose Secrates zusammen, um die Bedingungen für die Finanzhilfen auszuhandeln.

Die EU-Finanzminister hatten angekündigt, bis Mitte Mai ein Hilfspaket über rund 80 Milliarden Euro für Portugal schnüren zu wollen. Auf Portugal kommen harte Einschnitte zu, da ein Sparprogramm und Wirtschaftsreformen die Bedingung für die Hilfe sind (siehe dazu auch Reportage "Leben unter dem Pleitegeier").

Portugal hatte jüngst angekündigt, nun doch unter den Euro-Rettungsschirm zu schlüpfen. Die nun ins Haus stehenden Sparauflagen werden wohl noch schärfer ausfallen als ein Sparprogramm, das die Regierung Socrates geschnürt hatte. Im Parlament war das Programm aber gescheitert - unter anderem, weil die oppositionellen (konservativen) Sozialdemokraten dagegen gestimmt hatten. Als Folge hatte Socrates am 23. März seinen Rücktritt eingereicht. Bis zu den Neuwahlen muss das von EU und IWF diktierte Sparpaket geschnürt sein. Eine breite politische Zustimmung in Portugal ist wichtig, damit sich auch die neu gewählte Regierung an die Vereinbarungen hält.

Wachsende Zweifel an Solvenz

Griechische Credit Default Swaps (CDS) verteuerten sich nach Angaben des Datenanbieter CMA um 84 auf 1220 Basispunkte. Das heißt, um griechische Kredite im Volumen von zehn Millionen Euro für fünf Jahre gegen Zahlungsausfall zu versichern, mussten 1,22 (Freitag: 1,136) Millionen Euro gezahlt werden.  Portugiesische CDS verteuerten sich demnach um 26 auf 625 Basispunkte, spanische legten um 13 auf 247 Basispunkte zu, irische zogen um 28 auf 595 Basispunkte an. (red/Reuters/APA)

Share if you care.