USA: LKW-Fahrer und tourende Rockbands als Informanten

18. April 2011, 15:18
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Wikileaks-Dokumente: US-Geheimdienste haben kaum Quellen im Iran

Am 10. November 2009 soll Irans Oberster Sicherheitsrat diskutiert haben, die Botschaft Saudi-Arabiens in Teheran von Studenten besetzen zu lassen. Die Aktion könnte junge Iraner für die Regierung begeistern, argumentierten laut einem Dokument der US-Botschaft im aserbaidschanischen Baku die Befürworter der Besetzung.

Aber Parlamentspräsident Ali Larijani habe die Debatte mit dem Argument beendet, eine Botschaftsbesetzung sei genug. Schließlich habe der Sturm auf die Teheraner US-Vertretung im Jahr 1979 immer noch Auswirkungen auf Irans Verhältnis zu den USA. Die Aktion wurde darauf laut US-Botschaft abgeblasen, aber am 22. November zogen 200 Demonstranten vor die saudische Vertretung, nachdem 80 iranischen Mekkapilgern das Visum verweigert worden war. Die Protestierenden bewarfen dem Informanten zufolge das Gebäude mit Steinen, in iranischen Medien wurde aber nicht darüber berichtet.

Der Bericht zeigt, wie schwer sich das US-Außenministerium mit der Beschaffung zuverlässiger Informationen aus dem Iran tut: die „Iran-Watchers" sind auf Aussagen von Exilanten oder Reisenden angewiesen. Sogar Lastwagenfahrer an der Grenze und iranische Rockbands, die in den Nachbarländern Tourneen absolvieren, werden ausgefragt.

Kaum Quellen im Iran

„Das Konzept ist äußerst fehleranfällig", merkt Ex-CIA-Beamter Flynt Leverett an, „jeder, der über den Iran aussagt, will entweder ein Visum für die USA oder Geld, ist Exilant oder will hauptsächlich der Islamischen Republik schaden." Quellen im Land selbst gibt es kaum.

Die Dokumente gewähren Einblicke in die diplomatischen Verhandlungen zwischen Iran und den USA: so habe Teheran im November 2008 und erneut im April 2009 versucht, die USA zu einer Kooperation bei der Bekämpfung des Opiatschmuggels aus Afghanistan zu bewegen. Washington lehnte das Angebot ab.

Besonderes Interesse an Irans diplomatischen Aktivitäten auf dem amerikanischen Kontinent hat naturgemäß Außenministerin Hillary Clinton: in einer langen Depesche erkundigte sie sich zwei Tage nach ihrem Amtsantritt über die Ziele der Iraner in Lateinamerika und wolle konkrete Informationen über die beteiligten Diplomaten.

Programm läuft seit 2006

Insgesamt sind etwa 15 Mitarbeiter diverser US-Botschaften als „Iran Watchers" tätig. Die gesammelten Informationen werden in der US-Vertretung in Dubai gesammelt und ausgewertet. Das Programm läuft seit 2006, zuvor arbeiteten im US-Außenministerium lediglich drei bis vier Farsi-Sprecher.

Die Informationen laufen spärlich und sind schwer zu überprüfen. Dass es auch anders gehen kann, zeigt eine Depesche aus dem August 2008: die Verfasserin wohnte in einem Istanbuler Hotel zufällig im gleichen Stockwerk wie Irans Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad. Weil sie dessen Leibwächter für eine Journalistin hielten, wurde sie in der Hotellobby gefragt, ob sie Fragen an das Staatsoberhaupt habe. (bed)

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    Iranische LKW-Fahrer sind eine wichtige Informationsquelle für das US-Außenministerium

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