Drohende FMA-Strafe drückt Ergebnis

18. April 2011, 12:12
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Weniger Risikovorsorgen bei Mutter, aber ao. Ertragszuschuss an Retailtochter wegen umfangreicher Wertberichtigungen

Wien - Der Konzern der landeseigenen Hypothekenbank von Niederösterreich musste im Vorjahr aufgrund einer vorsorglichen Rückstellung für eine drohende Strafe der Finanzaufsicht (FMA) einen Gewinnrückgang hinnehmen. Der Konzernüberschuss der Hypo Nö Gruppe sank von 19,8 auf 7,1 Mio. Euro, wurde am Montag bekanntgegeben. Das Land verzichtet jedoch auf eine Dividende. Wegen der drohenden Vorschreibung wurden über 50 Mio. Euro rückgestellt, ein Bescheid der FMA liegt aber noch nicht vor. Die Retailtochter Hypo Nö Landesbank fuhr 2010 einen kleinen Gewinn ein nach 1,8 Mio. Euro Minus davor. Beide Institute werden künftig von je zwei Vorständen geführt, aber nicht in Personalunion. Auch sei keine Fusion angedacht, hieß es.

Operativ verbessert

Operativ war die Hypo Nö Gruppe, die frühere Hypo Investmentbank Gruppe, im Vorjahr besser unterwegs. Zwar sank der Zinsüberschuss von 138,6 auf 135,1 Mio. Euro, und der Verwaltungsaufwand erhöhte sich auch infolge Mitarbeiteraufbau von 604 auf 638 zum Ultimo von 76,6 auf 81,9 Mio. Euro. Es waren aber mit 17,7 Mio. Euro deutlich weniger Risikovorsorgen nötig als im Jahr davor (34,1 Mio. Euro). Das Handelsergebnis vervielfachte sich auf 16,1 Mio. Euro. Das sonstige betriebliche Ergebnis war wegen der FMA-Vorsorge als Aufwandssaldo mit 47,6 Mio. Euro negativ, nach 4,1 Mio. Euro Plus davor. Die Zinsvorschreibung droht wegen einer von den Aufsehern vermuteten Überschreitung der Großveranlagungsgrenzen - die Nö-Hypo bestreitet das, zudem wurde der Kredit an das irische Vehikel "Augustus" von früher 800 Mio. Euro bis März auf Null rückgeführt. Die Rückführung sei ohne Verluste erfolgt, die Gesellschaft werde aufgelöst.

Die Retailtochter Hypo Nö Landesbank, die sich als Universalbank für Privat- und Firmenkunden sowie Freiberufler speziell in Niederösterreich und Wien versteht, hat - anders als die Mutter - die Ergebnisse 2010 kräftig gesteigert und bei den Ausleihungen über dem Branchenschnitt gepunktet. Die Betriebserträge wuchsen von 47 auf 52,9 Mio. Euro, und das Betriebsergebnis legte von 9,4 auf 15,7 Mio. Euro wieder auf Vorkrisenniveau zu. "Trotz der vorsorglichen Bildung umfangreicher Wertberichtigungen" für ausfallgefährdete Kredite von Privat- und Kommerzkunden habe man mit rund 60.000 Euro einen knapp positiven Jahresgewinn erreicht. Diese Wertberichtigungen führten 2010 zu einem ao. Ertragszuschuss der Gruppe Bank AG an die Landesbank von 3,8 Mio. Euro. In der Gesamtgruppe (Konzern) waren die Wertberichtigungen deutlich geringer als budgetiert.

Wachstum bei Ausleihung für Wohnraumschaffung

Bei den Ausleihungen für die Wohnraumschaffung - ihrer Kernkompetenz - sei die Hypo Nö Landesbank 2010 laut OeNB-Statistik um etwa die Hälfte stärker gewachsen (+14 Prozent) als der Gesamtmarkt in Österreich (+9 Prozent), wurde am Montag erklärt. Die Kommerzfinanzierungen seien um 7,4 Prozent gewachsen, der Gesamtmarkt aber nur um 2,4 Prozent. An Kommerzkunden habe man 149 Mio. Euro an neuen Krediten vergeben. Konzernweit wurde 2010 ein Kreditvolumen von über 1 Mrd. Euro an Betriebe und Gemeinden neu vergeben.

Beim Mutterkonzern Hypo Nö Gruppe (IFRS) wurde die Kernkapitalquote von 11,1 auf 11,5 Prozent verbessert und die Eigenmittelquote von 16,7 auf 17,3 Prozent erhöht. Die Retailtochter (UGB) steigerte den Return on Equity (ROE) von 9,36 auf 15,6 Prozent und senkte die Cost/Income-Ratio (CIR) von 79,97 auf 70,32 Prozent.

Beide Institute werden künftig von je zwei Vorstandsmitgliedern geleitet, aber nicht in Personalunion wie medial kolportiert. Die Hypo Nö Landesbank werden ab 1. Mai Günther Ritzberger (wurde verlängert) und Christian Führer (neu) führen. In der Hypo Nö Gruppe Bank AG sind Peter Harold und Nikolai de Arnoldi weiterhin Vorstände; Ritzbergers Interimsmandat in der Gruppe läuft Ende April aus. (APA)

 

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