"Deepwater Horizon": US-Golfküste noch immer im Bann des Öls

18. April 2011, 10:29
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Ein Jahr nach der Katastrophe ist diese weiterhin allgegenwärtig: "Es gibt keine Nacht, in der man nicht an Öl denkt"

Grand Isle/New Orleans/Venice - Vor einem Jahr, am 20. April 2010, explodiert die vom BP-Konzern geleaste Bohrinsel "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko, rund 80 Kilometer vor der Küste. Elf Arbeiter sterben. Die Natur zeigt dem Menschen Grenzen auf: Es soll bis Juli dauern, bis das Leck in 1.500 Metern Tiefe provisorisch geschlossen ist. Und zwei weitere Monate, bis die Regierung verkündet: Quelle endgültig versiegelt.

Rund 780 Millionen Liter Rohöl laufen in den Golf, zeitweise wird die rotbraune Brühe an mehr als 1.000 Kilometern Küste angeschwemmt. Hunderttausende Tiere sterben - Fische, Pelikane, Schildkröten. Das Unglück wird zur schlimmsten Ölpest der US-Geschichte. Menschen aus der Region blicken zurück:

Dean Blanchard, Besitzer eines Fisch- und Meeresfrüchte-Großhandels auf Grand Isle ganz im Süden Louisianas: "Es gibt keine Nacht, in der man nicht an Öl denkt. Man schläft ein, und denkt ans Öl", sagt er. Ob die Touristen in diesem Sommer nach Grand Isle zurückkommen? "Ich weiß nicht, was passiert, das genau ängstigt einen ja so." Ob wieder die Kutter der Shrimps-Fischer rausfahren, wenn die Fangsaison Ende April beginnt? "Ich hoffe es."

"Nichts ist wieder normal"

Owen Langridge, "Big O", Charterkapitän in Venice im südöstlich von New Orleans am Golf von Mexiko: Im August 2010 war er noch voll des Lobes für die Bemühungen von BP im Kampf gegen das Desaster, hatte sein Boot und seine Arbeitskraft an den Ölkonzern vermietet. Inzwischen klingt das anders: "Ich habe wirklich gedacht, sie wollen alles wieder in Ordnung bringen. Das haben sie nicht getan", kritisiert er. "BP sagt, alles wird wieder normal. Aber nichts ist wieder normal." Zwar werden seit jeher kleine Teerklumpen an die Strände Louisianas geschwemmt. "Aber jetzt gibt es immer noch viel mehr davon", erzählt der erfahrene Kapitän.

Mike Ballay, Hafenmeister der Cypress Grove Marina in Venice und Frank Frelich, Charterkapitän einer Arbeitsbootes: "Die Ölpest war doch das Konjunkturpaket für Süd-Louisiana", meint Ballay. Unmengen Geld habe der Ölkonzern in die Golfküste gepumpt. Mancher Charterkapitän habe 300.000 Dollar in den Monaten der Ölpest verdient. "Einige von denen haben in ihrem ganzen Leben noch nicht soviel Geld gemacht", sagt Ballay, der nach eigenen Worten nicht von dem Geldsegen profitierte. "BP war gut zu uns." "Die Ölpest hat einer ganzen Menge Leute geholfen", sagt auch Frelich.

Meeresfrüchte mit Skepsis

Jim Amoss, Chefredakteur der "Times-Picayune", der größten Tageszeitung in Süd-Louisiana: "Uns stehen noch Jahre der Ungewissheit bevor", sagt er hinsichtlich bisher unbekannter Folgen der Ölpest. "Hier ist es immer noch ein großes Thema." Vor allem die Langzeitfolgen interessierten die Menschen, Konflikte um die Ausgleichszahlungen und wie sicher es ist, Meeresfrüchte aus dem Golf zu essen. Eine US-weite Umfrage der regionalen Handelskammer ergab, dass Restaurantbesucher jenseits der Golfküste Shrimps und Austern aus der Region noch mit gehöriger Skepsis begegnen.

Robert Haddad von der US-Wetter- und Ozeanographiebehörde (NOAA), dessen Abteilung die Schäden durch die Ölpest ermittelt und später Pläne für die Wiederherstellung der Natur entwerfen soll. "Wir hoffen, dass wir in den nächsten zwei Jahren ein gutes Verständnis vom Ausmaß der Schäden haben, und dass wir beginnen, die Unwägbarkeiten zu verstehen." Wie lange es dauert, bis man mit einem Plan zur Beseitigung der Umweltschäden beginnt? "Ich glaube, es werden weniger als zehn Jahre ins Land gehen, bis die Wiederherstellung der Natur anfängt", sagt er. "Es ist ein langfristiger Prozess." (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Dieses Bild vom 21. April 2010 zeigt das Inferno auf der Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko.

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