Den Langsamen bestraft das Leben

18. April 2011, 16:42
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Kawasaki zieht der Z 750 die Schneid nach, und raus kommt ein extrem agiles Motorrad, ein R für den Namen und die Lehre, nicht zu lange zu überlegen

Das sind ja ganz neue Töne, die Kristina anschlägt. Kristina ist bei Kawasaki Österreich unter anderem für den Pressefuhrpark zuständig und hat eine Schreibtischschublade voller Kawasaki-Schlüssel. Als sie mir den für die neue Z 750 R in die Hand gibt, meint sie: „Lob dieses Bike bitte nicht zu sehr - wir haben nämlich ein großes Problem damit: Wir sind bereits ausverkauft."

Die R-Modelle der Z 750 sind den Händlern quasi noch in der Schachtel aus der Hand gerissen worden. Also noch bevor jemand das Motorrad überhaupt Probefahren konnte. Wirklich wundern darf man sich darüber aber nicht. Immerhin hat die Basisversion letztes Jahr schon für richtige Begeisterungsstürme gesorgt. In der R-Version wurden nun Details nachgebessert, die das Motorrad noch supriger und auch schöner machen.

Der goldene Streifen am Tank ist ein kleines Detail, das aber ordentlich ins Aug fährt. Die nachgeschärfte Maske mit dem schwarzen Hütchen macht dafür schon von Weitem klar, dass da kein Kinderfahrrad ums Eck zirkelt.

Bekanntes Triebwerk
Motorisch hat Kawasaki an der R-Version nichts geändert. Das Feuer liefert also der 748 Kubikzentimeter große Reihenvierer, der 106 PS bei 10.500 Umdrehungen und ein Drehmoment von 78 Newtonmeter bei 8300 Umdrehungen auf die Kette drückt. Das Rezept mehr Leistung als eine 600er und leichter als eine 1000er lockt gerade Feinschmecker der Fahrtechnik zu Kawasaki.

Auf dem Gebiet holt sich die Z 750 auch ihr R. Das Fahrwerk kommt jetzt nämlich von der Vorgänger-Z 1000 und ist deutlich besser - vor allem straffer. Die 41-Millimeter Upside-Down-Gabel ist herrlich progressiv abgestimmt und damit ideal für flotte Ausflüge am Wochenende. Ebenfalls von der nackerten 10er kommt die Bremserei. Radial montierte Vierkolben Bremssättel arbeiten sich vorne in die 300er-Bremsscheiben. Die hintere Scheibe mit einem Durchmesser von 250 Millimeter ist das Futter für den Kolben des Schwimmsattels. Stahlflex-Leitungen sind bei der R serienmäßig.

Endlich, endlich, endlich
Mehr ein optisches Tuning ist die neue Schwinge. Das alte Vierkanteisen hat zwar seine Arbeit gut gemacht, aber weil es ausschaut wie mit Hammer und Sichel aus einem Eisenklumpen geschlagen, hat sich Kawa ein Herz und etwas Alu genommen und presst jetzt eine formschöne Hinterradaufhängung. Die Form der Schwinge kennen wir ebenfalls von der Z 1000, nur musste sie an den schmaleren Hinterreifen angepasst werden.

Das klingt ja alles gut und schön, aber bringt das Tuning am Ende auch was? Oh ja, und wie. Die Z war ja schon immer ein wilder Hund. Und ein solcher braucht einen festen Griff an der Leine, sonst pascht er ab, sobald die erste Katze ums Eck biegt. Vor allem die erste Z 750 war recht anfällig für Spurrillen und wollte schon mit harscher Hand in Schräglage gebracht werden. Diese Spompernadln sind vorbei. Ohne Anstrengung fällt sie jetzt in Schräglage und hält den Radius.

Für das R zahlt man bei Kawasaki 1000 Euro. Das heißt, mit 9999 Euro liegt sie gerade noch unter der magischen 10-Kilo-Grenze. Außer man nimmt sich wie am Testmotorrad verbaut das ABS dazu - das kostet weitere 700 Euro.

Und dann rückt Kristina mit noch einem Detail heraus. Sie hätte sich selber gerne eine Z 750 R gekauft. Aber sie hat zu lange gezögert, und ausverkauft ist ausverkauft - auch für die Kristina. Jetzt kann sie nur noch hoffen, dass sich doch einer sein Radl nicht leisten kann und vom Kauf zurücktritt.

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    foto: gluschitsch
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  • Kawasaki Z 750 R
Motor: ReihenvierzylinderHubraum: 748 ccmmax. Leistung: 77,7 kW, 106 PS @ 10.500/minmax. Drehmoment: 78 Nm @ 8300/minAntrieb: KetteSitzhöhe: 835 mmBremse, vorn: Semi-schwimmend gelagerte Doppelscheibenbremse im Petal-Design, Ø 300 mm, radial montierte Vierkolben-FestsättelBremse, hinten: Einzelscheibenbremse im Petal-Design, Ø 250 mm, Einkolben-SchwimmsattelRadaufhängung vorne: 41-mm-Upside-Down-Gabel mit einstellbarer Zugstufendämpfung und FederbasisRadaufhängung, hinten: Bottom-Link Uni-Trak, Gasdruckfederbein mit Ausgleichsbehälter,stufenlos einstellbarReifen, vorn: 120/70ZR17M/C (58W)Reifen, hinten: 180/55ZR17M/C (73W)Gewicht fahrfertig: 224 kg / 227 kg (ABS)Preis: 9999 Euro/ 700 Euro ABS
+ deutlich sportlicheres Fahrwerk, endlich eine fesche Schwinge und klarere Bremsen
- war schneller ausverkauft, als man die Erbtant einlullen kann
    foto: gluschitsch

    Kawasaki Z 750 R

    Motor: Reihenvierzylinder
    Hubraum: 748 ccm
    max. Leistung: 77,7 kW, 106 PS @ 10.500/min
    max. Drehmoment: 78 Nm @ 8300/min
    Antrieb: Kette
    Sitzhöhe: 835 mm
    Bremse, vorn: Semi-schwimmend gelagerte Doppelscheibenbremse im Petal-Design, Ø 300 mm, radial montierte Vierkolben-Festsättel
    Bremse, hinten: Einzelscheibenbremse im Petal-Design, Ø 250 mm, Einkolben-Schwimmsattel
    Radaufhängung vorne: 41-mm-Upside-Down-Gabel mit einstellbarer Zugstufendämpfung und Federbasis
    Radaufhängung, hinten: Bottom-Link Uni-Trak, Gasdruckfederbein mit Ausgleichsbehälter,
    stufenlos einstellbar
    Reifen, vorn: 120/70ZR17M/C (58W)
    Reifen, hinten: 180/55ZR17M/C (73W)
    Gewicht fahrfertig: 224 kg / 227 kg (ABS)
    Preis: 9999 Euro/ 700 Euro ABS

    + deutlich sportlicheres Fahrwerk, endlich eine fesche Schwinge und klarere Bremsen

    - war schneller ausverkauft, als man die Erbtant einlullen kann

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