Offiziell kinderfeindlich

17. April 2011, 19:55
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Neulich in einem Wiener Thai-Restaurant: "Hallo, nein! Mit Kind kommen Sie hier nicht herein!"

Helga G. besucht mit ihrem Sohn das Sri Thai in Wien-Landstraße, ein Restaurant mit thailändischer Küche, das in mehreren Medien (auch dem STANDARD) hoch gelobt wird. Ob das zu Recht geschieht, dürfen die beiden nicht kosten: Schon beim Eintreten fliegt die Betreiberin sie an: "Hallo, nein! Mit Kind kommen Sie hier nicht herein!"

Auf die Frage, wo das Problem sei, wird auf ein Schild an der Tür verwiesen: "Aus bautechnischen Sicherheitsgründen ist ein Zutritt erst ab 14 Jahren erlaubt!" Vurschrift, so Frau Sri mit mitleidigem Blick, sei nun einmal Vurschrift: Weil die Küche sich im selben Raum befinde, dürften Kinder, leider, leider, hier nicht willkommen sein. Von einer solchen Bestimmung hört Helga G. zum ersten Mal. Der Hinweis, dass ihr Sohn längst 14 sei, fruchtet nichts: "Zeigen Sie den Pass her." Helga G. wendet ein, dass sie nur essen möchten und keinen Grenzübertritt planten. Nix da: "Ohne Pass darf der Bub hier nicht sein, das verbietet die Behörde."

Anderntags erkundigt sich Helga G. beim magistratischen Bezirksamt, was es mit der seltsamen Bestimmung auf sich habe. Dort ist ein solches Verbot gänzlich unbekannt. Nun gehört schon perfide Fantasie dazu, Kinderfeindlichkeit derart zuckersüß hinter "der Behörde" zu verstecken. In einem Land, das seine Vorschriften längst als bequemen Ersatz für eigenständiges Denken erkannt hat, aber geht sich das offenbar locker aus. (Severin Corti/DER STANDARD-Printausgabe, 18.4.2011)

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