Morde auf Long Island: Möglicherweise zwei Killer

17. April 2011, 19:08
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Zehn Mordopfer hat die Polizei mittlerweile auf Long Island in New York gefunden - es könnte aber zwei Täter geben, vermuten die Kriminalisten

Wer ist es? Ein Arzt? Ein Briefträger? Ein Polizist? In einem Punkt sind sie sich alle einig, die über den Serienkiller von Long Island spekulieren. Er kannte die Gegend wie seine Westentasche. Sein Intelligenzquotient dürfte deutlich über dem Durchschnitt liegen. Und vielleicht, glaubt Wally Zeins, einst beim Morddezernat der New Yorker Polizei, vielleicht führen die Jutesäcke auf die richtige Spur. "Wer benutzt solche Säcke am Meer? Leute, die für den Verkauf Muscheln sammeln."

Bereits im Dezember hatten Suchtrupps Säcke mit verwesenden Leichenteile entdeckt. Als Polizisten daraufhin das Dickicht rings um Gilgo Beach durchkämmten, stießen sie im März auf die Überreste von vier weiteren Menschen, darunter die eines Kleinkinds. In der Vorwoche wurden ein neuntes und ein zehntes Opfer gefunden. Ein Schädel, Arme und Beine in einem Sack. Jetzt hilft ein Spezialflugzeug des FBI, ausgerüstet mit Hightech-Kameras und Schallmessgerät, bei der Suche. Niemand glaubt, dass die Serie grausiger Entdeckungen bereits ein Ende hat.

Vier Tote identifiziert

Vier der Toten sind identifiziert, junge Frauen im Alter von 22 bis 27 Jahren. Ihre Dienste annoncierten sie bei Craigslist, einer Anzeigenplattform im Internet. Vom Craigslist-Killer spricht die New Yorker Boulevardpresse: Online habe er Prostituierte in die Falle gelockt, um sie umzubringen. Die Detektive dagegen glauben inzwischen, dass es sich um zwei Mörder handelt.

Einer der beiden, vielleicht auch nur ein Trittbrettfahrer, machte sich einen Spaß aus makabren Telefonaten. Bei Amanda Barthelemy klingelte das Handy, im Display sah die 16-Jährige die Nummer ihrer großen Schwester Melissa, die sie seit Tagen nicht erreichen konnte. Doch es war eine Männerstimme: "Ist da Melissas kleine Schwester?" "Ja." "Weißt du, was deine Schwester macht? Sie ist eine Hure."

Weitere Anrufe

Dem ersten Anruf folgten weitere. Zwar konnten Ermittler orten, von wo er telefonierte, einmal vom Times Square, einmal vom Madison Square Garden, stets aus dem Großstadtgewühl. Dort, schien er zu kalkulieren, kann eine Überwachungskamera einen bestimmten Anrufer nicht zuordnen.

Dann ist da Mari Gilbert, die dem Morddezernat verbittert vorwirft, es sei erst jetzt mit vollem Ernst bei der Sache. Im Mai 2010 war Maris 24-jährige Tochter Shannan verschwunden. In Oak Beach, einer Küstengemeinde auf Long Island, sahen Anwohner sie verzweifelt von Haustür zu Haustür rennen, bevor sie verschwand.

"Ich machte die Tür auf, sie kam ganz aufgeregt rein. 'Helfen Sie mir, helfen Sie mir', hat sie geschrien." Daraufhin, gab der Rentner Gus Coletti zu Protokoll, habe er den Notruf gewählt. "Und sie rannte hinaus." Draußen sei ihm ein Mann entgegengekommen, der nach Shannan Gilbert fragte. In dem Moment sprang die junge Frau hinter einem Boot hervor, unter dem sie sich offenbar versteckt hatte. Der Mann setzte ihr nach. Hat Coletti den Mörder gesehen? Oder spielt ihm sein Gedächtnis einen Streich? (Frank Hermann aus Washington/DER STANDARD-Printausgabe, 18.4.2011)

  • Mit Tauchern und einem Flugzeug sucht die Polizei nach Opfern einer Mordserie in New York.
    foto: epa/andrew gombert

    Mit Tauchern und einem Flugzeug sucht die Polizei nach Opfern einer Mordserie in New York.

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