Athos-Mönche geißeln den Sparkurs in Athen

17. April 2011, 17:57
11 Postings

Die griechisch-orthodoxe Kirche sieht ihre Unabhängigkeit durch Steuerpflicht und Sparkurs gefährdet

Athen - Sie sitzen auf dem Berg Athos und grollen. Mit Verachtung würden sie von der Regierung gestraft, beklagten die Mönche in einem Brief an Premier Giorgios Papandreou. 20 Prozent Steuer auf die Einkommen der Klöster untergrabe die Unabhängigkeit der Mönchsrepublik.

Papandreou kennt das Lied. "Wie kann man jemanden 20 Prozent seines Einkommens nehmen, wenn er nicht einmal seine Ausgaben zahlen kann", wetterte Hieronymus II., der Erzbischof von Athen, als die Regierung ihren Sparkurs entwarf und von den Popen verlangte, was sie seit Jahren nicht mehr gehört hatten: Steuern.

Luftgeschäfte

Athos, die Republik der Mönche auf Khalkidi, ist dabei in finanziellen Dingen eine erdverbundene Gemeinschaft: Ein Immobilien-Skandal, bei dem eines der größten Athos-Klöster dem Staat einen See verkaufte, brachte Papandreous konservativen Vorgänger Costas Simitis in Bedrängnis. Das "Luftgeschäft" führte zu Ermittlungen gegen Ex-Minister. Mehr als 250 Immobilien in Tourismuszonen hatte das Kloster Vatopedi im Tausch für den See in Nordgriechenland erhalten. Der Besitzanspruch der Mönche war wacklig - eine 1000 Jahre alte Übereignung durch byzantinische Kaiser. Einen Teil der neuen Immobilien stieß Abt Efraim mit Gewinn ab. Das Geld brauchen sie für den Erhalt ihrer alten Klöster, schreiben die Athos-Mönche nun im Brief an Papandreou. Denn seit dem Vatopedi-Skandal sei die Unterstützung aus Brüssel blockiert.

Zehn der elf Millionen Griechen gehören der orthodoxen Kirche an, dem größten Landbesitzer mit Hotels, Geschäften, Restaurants und Immobilien. An der National Bank of Greece hält die Kirche einen Anteil von 150 Mio. Euro. Auf 20 Millionen belief sich das Einkommen im Jahr 2008, zitierte die Zeitung Katherimini aus einem kircheninternen Bericht, davon 12,7 Mio. aus Vermietung. Der Gewinn: sieben Mio. Euro.

Nächstes "Ei" nach Ostern

Die Mönche geißeln die ganze Finanzpolitik: Griechenland sei "unter Besatzung" durch die Gläubiger von Währungsfonds und EU, wetterten sie im Dezember. Nach Ostern, so fürchten nicht nur die Popen, komme das nächste Ei von Finanzminister Giorgos Papakonstantinou. Es geht um den Budgetplan bis 2015 - die Zeit der ersten Rückzahlungen des 110-Milliarden-Kredits von EU und IWF. (Markus Bernath aus Athen, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.4.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Zehn der elf Millionen Griechen gehören der orthodoxen Kirche an.

Share if you care.