Neustart ins Kleinkarierte?

17. April 2011, 17:38
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Die Verhaltensmuster, die derzeit beim sogenannten "VP-Relaunch" sichtbar werden, wecken teilweise auch bei der eigenen Gefolgschaft Zweifel, ob die Volkspartei bei der nächsten Wahl noch die 20-Prozent-Hürde schafft

Totengräber am Werk

Die Frage, was taktisch klüger gewesen wäre: erst Ziele festlegen und dann die geeignete Persönlichkeit zu suchen oder zuerst den neuen Parteiführer zu bestimmen und die Ziele durch/mit ihm zu erarbeiten, ist obsolet, denn die Entscheidung wurde bereits getroffen: Der neue Mann an der Spitze ist einstimmig vom Parteivorstand gewählt worden.

Geschlossenheit wäre angesagt und volle Unterstützung für den, der die Spitzenfunktionen in der Krise übernimmt. Und die Realität: Gleich am nächsten Tag fängt ein Spitzenfunktionär, der sich wahrscheinlich übergangen gefühlt hat (diesmal Herr Leitl), zu meckern an: Dieses und jenes hätte man doch anders machen sollen. Ob die ÖVP mit dieser Haltung ihrer Spitzenkräfte bei den nächsten Wahlen die 20 Prozent noch schaffen wird ?

Robert Ittner

5350 Strobl

 

So funktioniert das nicht

Die rasante Talfahrt der einst "staatstragenden" ÖVP ist signifikanter Ausdruck einer schon länger zu beobachtenden möglichen Neustrukturierung des Parteiensystems - eines Prozesses, der an Dynamik gewinnen wird.

Der nunmehr angedachte "Relaunch" - Fekter wird Finanzministerin, 50 Prozent Frauenquote wird gefordert (nach all dem, was da zuletzt an Inkompetenz geboten wurde: Bandion-Ortner, Remler, Karl, Rauch-Kallat usw.), Kopf bleibt Klubobmann, Pröll senior setzt sich durch, selbst der pensionierte Fiedler soll reaktiviert werden - wird so nicht funktionieren.

Die strukturelle Krise der ÖVP sollte bei den anderen Parteien allerdings nicht zur Schadenfreude führen. Denn sie alle haben ihre strukturellen Probleme: Die SPÖ ist eine Rentnerpartei, ihr sterben Mitglieder und Wähler weg, sie ist inhaltsleer, nur auf "Machterhalt" fixiert; die FPÖ bekommt sofort ein Problem, wenn sie wieder Regierungspartei werden sollte, weil sie weder qualifiziertes Personal noch ein Zukunftsprogramm hat (im Übrigen wird, was Herr Strache absondert, von den Medien nicht hinreichend kritisch hinterfragt, in Deutschland wäre der Mann medial bald erledigt); und warum die Grünen in Österreich von dieser Gesamtkonstellation nicht profitieren, ist wohl deren eigenes Problem - gibt es da eine kompetente Führung ?

Neue politische Bewegungen hätten eine realistische Chance. Aber tut sich das der Stammtisch vulgo "Wutbürger" an?

Vielleicht bedarf es noch eines absoluten Tiefpunkts, einer Kanzlerschaft H.-C. Straches, um einen echten Erneuerungsprozess in Gang zu setzen.

Dr. Wolfgang Lammel,

Bgm. a. D. (ÖVP),

4962 Mining / Bezirk Braunau

 

Die gute Nachricht

"Den Botschaften und Handlungsanweisungen eines Charismatikers folgt eine große Zahl von Menschen, ohne dass diese die möglichen Folgen rational prüfen." Nach dieser Definition und mit einem Blick auf die Kriminalgeschichte des politischen Charismas - Alexander der Große, Napoleon, Hitler, Gaddafi - ist es positiv, dass dem neuen VP-Bundesobmann angeblich jegliches Charisma fehlt.

Heute ist Information in maximalem Umfang und in ebensolcher Qualität unkompliziert wie nie zuvor verfügbar. Daher stehen die Chancen gut, dass künftig die Vernunft gegenüber der durch Charisma generierten Emotion als dominierender politischer Entscheidungsfaktor an Bedeutung gewinnt. Dass diese Entwicklung den Politcharismatikern das Leben schwer(er) machen wird, ist eine Chance für einen echten Fortschritt.

Prof. Ernst Smole

8680 Mürzzuschlag

 

Vollmacht ohne Macht

Schon brüstet sich der oberösterreichische Landeshauptmann Pühringer damit, zwei Oberösterreicher in der Bundesregierung zu haben, bevor noch irgendeine Verlautbarung bezüglich der Regierungsumbildung gemacht wurde. Kleinkarierter geht's wohl nicht.

Zwar hat die ÖVP-Führung Spindelegger Personalvollmacht erteilt, aber damit scheint er nicht wirklich die volle Macht zu haben. Ein Machthaber wird man so nicht.

Michael Neuhauser

1230 Wien

 

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    Harmonie der Krawatten, Gleichklang des Charismas: der Kanzler (re.) und sein künftiger Vize.

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