Weltbank und IWF warnen vor neuer Krise

17. April 2011, 18:01
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Ungleichgewichte in der Welt und unterschiedliche Geschwindigkeiten bei der Erholung als Gift für die Weltwirtschaft

Ungleichgewichte in der Welt und unterschiedliche Geschwindigkeiten bei der Erholung sind Gift für die Weltwirtschaft. Sie sind der Nährboden für neue Konflikte, so IWF undWeltbank.

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Washington - Riesige Schuldenberge in den Industrieländern, rasant steigende Inflationsraten in großen Schwellenländern und Mängel im Finanzsektor: Der Aufschwung in der Weltwirtschaft kann die Krisengefahren nicht verdrängen, waren sich die Vertreter der 20 wichtigsten Schwellen- und Industrieländer beim G-20-Gipfel einig. Der Gipfel fand gleichzeitig mit dem Frühjahrstreffen von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Washington statt.

Dabei mussten sich die reichen Länder und speziell die USA wegen ihrer Schuldenpolitik von aufstrebenden Ländern heftige Kritik gefallen lassen, wurden als Großrisiko für die Weltwirtschaft bezeichnet. Der Chef des IWF-Lenkungsausschusses IMFC, Singapurs Finanzminister Tharman Shanmugaratnam, warnte: "Wenn die Teuerung in den Schwellenländern steigt, ist das nicht nur deren Problem." Es gehe um ein globales Inflationsproblem mit negativen Folgen

Haushalte

China argumentierte ähnlich und forderte die europäischen Staaten zu mehr Einsatz bei der Haushaltssanierung auf. "Um die mit der Staatsverschuldung verbundenen Risiken zu verringern, sind effizientere Maßnahmen notwendig, sagte Chinas Vize-Zentralbankchef Yi Gang. Die Schuldenkrise in Europa sei weiter ernst. IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn warnte davor, angesichts der globalen Konjunkturerholung die soziale Dimension und neue Risiken aus den Augen zu verlieren. "Wachstum allein ist nicht genug", sagte er. Bisher habe die Erholung nicht genug Jobs produziert.

Um das Weltwirtschaftssystem krisenfester zu machen, haben sich die zwanzig wichtigsten Schwellen- und Industrieländer auf einen Fahrplan geeinigt. Die G-20 beschlossen, künftig wirtschaftliche Fehlentwicklungen aufzuspüren und globale wirtschaftliche Ungleichgewichte zu eliminieren. Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde sprach für die französische G-20-Präsidentschaft von einem "riesigen Fortschritt".

Die G-20 vereinbarten Alarmschwellen, um bei einzelnen Ländern Schieflagen rechtzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu empfehlen. Auf den Prüfstand kommt angesichts der massiven Handelsüberschüsse auch die Exportnation Deutschland. Betroffen sind auch die USA, Großbritannien, Japan, China und Indien. Zielvorgaben gibt es nicht, überprüfen will man neben Defiziten oder Überschüssen in Handels- und Kapitalbilanz aber Staatsschulden sowie die private Sparquote und Verschuldung.

Stärker unterstützen wollen IWF und Weltbank die von Unruhen erfassten Länder Nordafrikas und des Nahen Ostens. Der IWF will Kredite in Höhe von 35 Milliarden Dollar zur Verfügung stellen. Man werde nicht darauf warten, dass sich die Lage stabilisiert, sagte Weltbank-Chef Robert Zoellick. (Reuters, AFP, ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.4.2011)

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    Ringen um eine Welt- Finanzordnung: Frankreichs Christine Lagarde und Chinas Xie Xuren.

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